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Zittau

Warum ein Distel-Feld großen Ärger macht

Anwohner in Hörnitz sind genervt. Bio-Bauer Carsten Berg ist es ebenfalls. Und das Unkraut macht, was es will. Jetzt aber ist eine Lösung in Sicht.

Das Feld ist inzwischen abgeerntet. Davor standen dort Ackerdisteln wie im Foto zu sehen.
Das Feld ist inzwischen abgeerntet. Davor standen dort Ackerdisteln wie im Foto zu sehen. © Rafael Sampedro/Wikipedia/CC BY-SA 3.0/4028mdk09

So ein Sommer neben den Disteln ist kaum noch zu ertragen. "Wir sind inzwischen richtig genervt", sagt die Hörnitzerin, die in einem der Häuser am Ortsrand in Richtung Großschönau wohnt. Hier am Ortsrand liegt das Feld des Anstoßes. Seit fünf Jahren wird es ökologisch bewirtschaftet. Und seitdem sprießen zwischen Hafer und Erbsen die Disteln. "Mehr Disteln als Hafer", sagt die Anwohnerin sarkastisch. Ihren Namen will sie lieber nicht genannt haben. Dabei liegt sie mit ihrer Einschätzung gar nicht so falsch.

Das große Problem für die Anwohner am Distel-Feld sind nicht die Disteln selber, sondern die behaarten Schirmchen der Blüten, die der Wind samt Samen durch die Luft pustet. "Es gibt Tage, da können wir nicht draußen sitzen. Man hat das Zeug ja buchstäblich bei jedem Atemzug in der Nase", sagt die Anwohnerin. "Sie landen auf dem Kuchen und in den Kaffeetassen. Bei gutem Wind können sie kilometerweit fliegen.

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Selbst bei Windstille sind diese behaarten Schirmchen überall. Wie kleine Fellfetzchen hängen sie fest: In den Beeten, in den Hecken, in den Korbstühlen, in den Fliegenfenstern, an den Rauputzwänden. Und wenn es regnet, werden sie auch noch klebrig. "Richtig eklig ist das", schimpft die Frau. "Und außerdem: Wie das aussieht! Wir waren doch immer schönstes Dorf Sachsens."

Agnes Mocha und Carsten Berg können den Ärger der Anwohner verstehen. Die beiden diplomierten Agraringenieure betreiben auf dem Ziegenhof im Nachbarortsteil Bertsdorf ökologische Landwirtschaft. Agnes Mocha kümmert sich um die 50 Milchziegen, ihren Nachwuchs und den Käse, Carsten Berg um das Futter, das Getreide und das Brot backen. Zwei Tonnen Käse produziert der kleine Hof im Jahr. Die Milch wird täglich frisch verarbeitet - zu Frisch-, Schnitt- und Weichkäse in allen möglichen Sorten. 

2015 hat er das Feld am Hörnitzer Ortsrand von der Agrargenossenschaft übernommen - und mit dem Feld auch die Disteln: Ackerkrautdisteln, ein langlebiges und sehr ausdauerndes Wurzelunkraut - von allen Landwirten gefürchtet. Mehr als zweieinhalb Meter tief reichen die Wurzeln in die Erde. In der Tiefe bilden sie Ausläufer, aus denen wieder neue Sprossen wachsen. Sogar aus abgehackten Wurzelstückchen können neue Pflanzen austreiben, erklärt Carsten Berg. "Kurzum: Wo dieses Zeug einmal wächst,  kriegt man es nicht mehr aus dem Boden."

Bei der konventionellen Bewirtschaftung durch die Agrargenossenschaft wurden die Disteln einfach weggespritzt. Das darf Carsten Berg aber nicht. Wir sind ein Ökohof, da gibt es keine chemischen Spritzmittel. Die einzigen, die die Disteln wirklich lieben, sind die Ziegen. "Die fressen sie tatsächlich richtig gerne", sagt Astrid Mocha. "Aber deswegen stehen sie nicht zwischen dem Hafer. Uns wäre es auch lieber, es gäbe sie nicht." Denn für den Betrieb bedeuten die Disteln Ertragseinbußen. "Hafer und Erbsen sollen das Kraftfutter für den Winter sein, nicht Disteln", sagt sie.

Hinzu kommt, dass der kleine Betrieb bei der Ernte auf Leihtechnik angewiesen ist. "Wir hätten den Mähdrescher gerne schon viel eher gehabt, waren aber wieder erst zum Schluss dran", bedauert Carsten Berg. Letzten Sonnabend war der Mähdrescher da. Das Feld ist abgeerntet. Und die Anwohner können wieder aufatmen.

Nächstes Jahr will Carsten Berg etwas anderes probieren und auf dem Schlag nicht mehr Futtergetreide, sondern Grünfutter anbauen - Futterklee und Gras. "Dann haben wir dreimal im Jahr einen Grünschnitt und hoffen, dass die Disteln auf diese Weise klein gehalten werden können und am besten gar nicht mehr zum Blühen kommen." 

Tipp: Agnes Mocha verkauft den Käse jeden Mittwoch auf dem Zittauer Wochenmarkt und donnerstags und freitags 14 bis 18 Uhr im Hofladen in Bertsdorf, Hauptstraße 47. Donnerstags gibt es auch frisch gebackenes Brot. 

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