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Görlitz

Warum ein Eisbecher Stadtgeschichte ist

Das Reichenbacher Eiscafé Berndt gibt es seit 30 Jahren. Es ist für viele, auch aus Görlitz, zu einem „Pilgerort“ geworden.

Lecker Eis seit drei Jahrzehnten: Das feste Stamm-Team vom Eiscafé Berndt sind Chefin Michaela Kuhn, ihr Mann und Eishersteller Hartmut sowie Mitarbeiterin Gabriele Mischke.
Lecker Eis seit drei Jahrzehnten: Das feste Stamm-Team vom Eiscafé Berndt sind Chefin Michaela Kuhn, ihr Mann und Eishersteller Hartmut sowie Mitarbeiterin Gabriele Mischke. © Constanze Junghanß

Sobald sich die Sonne zeigt und besonders am Wochenende setzt eine kleine Völkerwanderung mitten in Reichenbach ein. Alle lenken ihre Schritte zum gemeinschaftlichen Ziel. Das befindet sich gegenüber der Grundschule auf der Gersdorfer Straße. Eine überdimensionale Eistüte steht da vor dem Haus.

Das Team vom Eiscafé Berndt mit Michaela und den Mitarbeitern Hartmut Kuhn und Gabriele Mischke sowie die saisonalen Helfer erwarten die vielen Naschkatzen. Reichenbacher, Görlitzer kommen ebenso wie Leute aus Zittau, Löbau und von weiter her. Dass die Anwohner verständnisvoll auf die Stoßzeiten bei vollem Betrieb reagieren, freut Familie Kuhn sehr. Die Parksituation habe sich entspannt, seitdem die Stadt weitere Parkmöglichkeiten an der Gersdorfer Straße geschaffen hat.

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Seit genau 30 Jahren schlecken die Gäste im Eiscafé ihr Eis, verabreden sich zum Tortenschmaus, drücken ihren Kindern ein Taschengeld für die Waffel mit den bunten Kugeln in die Hand. Drei volle Jahrzehnte Vanille, Schoko, Erdbeer und mehr. Betreiberin Michaela Kuhn schüttelt angesichts des Jubiläums den Kopf und lächelt. Dass ihr Café zum beliebten „Pilgerort“ für Eishungrige und Naschkatzen geworden ist, hätte sie sich kurz vor der Wende nicht träumen lassen. „Mein Vater hat das Eiscafé am 1. Mai 1989 eröffnet“, erzählt die Reichenbacherin, die das Geschäft wenige Jahre später übernahm. Der Start sei ganz am Anfang nicht so leicht gewesen, erinnert sie sich. Mit der Wende kamen die Westprodukte in die Läden und anfangs wollten viele Menschen erst mal ausprobieren, wie der Westen „schmeckt“. Das galt auch für das Eis in den bunten Plasteverpackungen vom Supermarkt. Doch Frau Kuhn und ihr Mann Hartmut ließen sich nicht beirren und hielten das Handwerksgeschick der manuellen Eisproduktion weiterhin hoch. Schnell hatte sich herumgesprochen: Kuhns machen ihr Eis selbst, produzieren zudem regional und traditionell. Das kam und kommt an. Beim Straßenverkauf bilden sich nicht selten Schlangen. Besonders beliebt: die Sorten Joghurt-Holunder, Mango und Quark. „Noch immer verwenden wir für unser Eis die Grundrezepte aus Vaters geheimer Schublade“, sagt die 56-Jährige. Die Rohstoffe stammen aus Deutschland und Italien. Obst für die Eisbecher und zur Dekoration wird in heimischen Gefilden geerntet. Äpfel, Birnen und Pflaumen beispielsweise kommen aus Sohland. Dass Pflaumen und Eis zusammenpassen, fand Hartmut Kuhn beim Kreieren einer neuen Eissorte heraus. Er erfand ein „Schlesisches Quarkknödel-Pflaumeneis“, das sich zum saisonalen Renner entwickelte.

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Tradition hat bei Kuhns die „Reichenbacher Schützenkanone“: Ein Eisbecher, der anlässlich des großen Schützenfestes mit Spielmannszug, Rummelbetrieb und Festsitzung geschaffen wurde. Lange sei das her – die Erinnerung an das Großereignis aber lebt im Eisbechernamen weiter. Ein Teil Reichenbacher Stadtgeschichte der Nachwendezeit wurde so kulinarisch festgehalten. Hartmut Kuhn, der täglich in der Nacht ab 2.30 Uhr mit der frischen Eisproduktion beginnt, hat ein Faible für neue Ideen. So gab es zur Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr „Fußball-Eis“. Der 59-Jährige hat kurzerhand und je nachdem, welche Mannschaften gerade spielten, Eis in entsprechender Länderfahnen-Optik hergestellt. „Bei den Kindern kam das super gut an“, erzählt er. Meist gibt es 16 bis 18 Sorten Kugeleis und am Wochenende zusätzlich Softeis. Sogar veganes Eis ist im Angebot. Mit Schokolade, und im Sommer gibts vegane Fruchteissorten. Im Café werden außerdem Torten kredenzt. Michaela Kuhn erfindet die Torten-Rezepte selbst, wechselt das Angebot. „Haselnuss und Mango“, liebt die Chefin und sagt, dass das Eiscafé Berndt gern den 35. Geburtstag in Angriff nehmen möchte.

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