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Warum ein Grab jetzt mehr kostet

Seit Jahren sind für den Biehainer Friedhof keine Gebühren mehr kalkuliert worden. Das wird nachgeholt – rückwirkend.

Von Katja Schlenker

Wer ein Grab auf dem Biehainer Friedhof nutzt, muss künftig mehr dafür bezahlen. So hat es der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung entschieden. Allerdings nicht ohne guten Grund.

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Warum müssen die Friedhofsgebühren erhöht werden?

Die letzte Kalkulation der Friedhofsgebühren stammt aus dem Jahre 2006. Üblich ist, die Beträge für die verschiedenen Arten von Gräbern mindestens aller fünf Jahre neu zu berechnen. „Wir haben diese Aufgabe vor uns hergeschoben“, sagt Horkas Bürgermeister Christian Nitschke (CDU). „Obwohl wir frühzeitig den Verwaltungsverband damit beauftragt hatten.“ Doch der kümmert sich um die Verwaltungen von vier Gemeinden und stellt zu der Zeit das Finanzsystem um. Aus diesem Grund sind die Gebühren erst jetzt neu kalkuliert worden. Diese sind nun drei Jahre gültig.

Wieso steigen die Gebühren zum Teil so drastisch?

Einige der Gebühren machen einen beachtlichen Sprung nach oben, verdoppeln sich teilweise. „Das ist bedauerlich für die Betroffenen“, sagt Christian Nitschke. „Aber wir haben da keinen Spielraum.“ Grund dafür ist zum einen, dass zwei Kalkulationszeiträume im Prinzip übersprungen worden sind. Zum anderen sind einige Punkte der früheren Kalkulation von der Rechnungsprüfung bemängelt worden. Dazu zählt zum Beispiel die fehlende Verzinsung des Anlagenkapitals. Der Wert ist auf 1,88 Prozent festgelegt worden. Dabei handelt es sich um den durchschnittlichen Zinssatz, der sich voraussichtlich aus den tatsächlichen Zinsverpflichtungen der Gemeinde für die nächsten drei Jahre ergeben wird.

Außerdem ist die Gemeinde dazu angehalten, ihre Einnahmemöglichkeiten auszuschöpfen. Für die Jahre 2015 und 2016 ist es gelungen, einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen. Für die Folgejahre wird dies nur schwerlich möglich sein. Das ist der Gemeinde bereits aus einer Stellungnahme der Kommunalaufsicht zum aktuellen Etat bekannt. Insofern müssen bei der neuen Kalkulation hundert Prozent der Kosten angesetzt werden. Wenn der Gemeinderat dies abgelehnt hätte, hätten die Mitglieder nachweisen müssen, woher das Geld kommen kann. Denn wenn nicht hundert Prozent der Kosten von den Angehörigen der Verstorbenen verlangt werden, muss die Gemeinde den Fehlbetrag subventionieren.

Zu guter Letzt ist der Friedhof sehr groß. Zumal mittlerweile viele Verstorbene im Urnengemeinschaftsgrab unterkommen. Daher wird in diesem Jahr eine neue Anlage errichtet. In der bereits bestehenden sind noch vier Plätze frei. Zudem sollen Bestattungen künftig lediglich im vorderen Teil des Friedhofs stattfinden. Dadurch soll die Friedhofsfläche irgendwann etwa halbiert werden, wenn die Liegezeiten der Gräber im hinteren Teil abgelaufen sind.

Ab wann werden die neuen Friedhofsgebühren fällig?

Der Gemeinderat hat am 21. Januar über die neue Kalkulation entschieden. Es ist keine einstimmige, sondern eine mehrheitliche Entscheidung gewesen, erklärt Christian Nitschke. Das zeige auch, dass es sich der Gemeinderat nicht leicht gemacht hat mit den neuen Gebühren. Diese sind zuvor auch mehrfach im Ortschaftsrat Biehain beraten worden. Die neuen Zahlen gelten bereits, da sie rückwirkend zum 1. Januar 2016 in Kraft treten.

Warum ist auch die Friedhofssatzung geändert worden?

Das Schriftstück ist zum einen der aktuellen Rechtslage und zum anderen an die Satzungen des Verwaltungsverbandes angepasst worden. Dadurch haben alle vier dazugehörigen Gemeinden gleich formulierte Friedhofssatzungen. In der Horkaer Satzung haben sich zum Beispiel die Parameter für ein einfaches Reihen- beziehungsweise Wahlurnengrab geändert. Dies ist fortan einen Meter breit und einen Meter lang. Kindergräber sind nicht mehr in verschiedene Altersgruppen unterteilt. Dazu zählen nur noch Kinder, die vor dem vollendeten zweiten Lebensjahr gestorben sind. Ihr Grab darf einen Meter lang und achtzig Zentimeter breit sein.