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Warum ein Hotelier Gästeabgabe zahlen will

Der Oybiner Gastwirt Conrad Siebert will sich selbst zur Kasse bitten lassen. Das muss er den Kollegen erstmal erklären. Denn bisher ist das Thema im Gebirge tabu.

Conrad Siebert (l.), hier im Bild mit Dehoga-Geschäftsführer Axel Klein vor seinem Hotel am Berg Oybin.
Conrad Siebert (l.), hier im Bild mit Dehoga-Geschäftsführer Axel Klein vor seinem Hotel am Berg Oybin. © Matthias Weber

Haben die Kollegen in der Branche das richtig gehört? Plädiert Conrad Siebert, der Chef des Hotels am Berg Oybin, tatsächlich für eine Fremdenverkehrsabgabe im Zittauer Gebirge? Dafür, dass er selber und alle anderen Gewerbetreibenden, die vom Tourismus profitieren, künftig eine Art Steuer an die Gemeinden zahlen sollen? Meint der Mann das ernst?

Conrad Siebert meint es sogar sehr ernst. "Dabei wäre ich mit meinem Hotel sogar einer der Hauptzahler", sagt der 39-Jährige. "Aber ich bin davon überzeugt, dass wir unseren Gästen nicht nur ein schönes Zimmer und gutes Essen bieten müssen, sondern auch eine hervorragende Infrastruktur." Aber in dieser Hinsicht habe das Zittauer Gebirge gegenüber anderen Urlaubsregionen noch erheblichen Nachholebedarf.

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"Da kann man sich im Haus noch so viel Mühe geben", sagt Siebert. "Sobald die Gäste vor die Tür treten und ihnen etwas missfällt, werden sie es sich gut überlegen, ob sie noch mal wiederkommen." Dem Hotelier aus Oybin würde auf Anhieb auch vieles einfallen, was machbar oder verbesserungswürdig wäre - und dem Gast vor allem einen Mehrwert bietet: Ein kostenloser Bus zum Beispiel, der Wanderer von ihren Touren zurückbringt.

Touristische Einrichtungen müssen erhalten bleiben

Aber nicht nur um solche zusätzlichen Angebote geht es Conrad Siebert. "Wir schaffen es als Gemeinden finanziell ja kaum noch, unsere touristischen Einrichtungen zu erhalten, weil die unter die freiwilligen Aufgaben fallen", erklärt er. "Aber für Gemeinden wie unsere, die vom Tourismus leben, sind diese freiwilligen Aufgaben existenziell." Siebert, der in Oybin auch Gemeinderat ist, denkt da beispielsweise an die Jonsdorfer Eisarena, die gerade ums Überleben kämpft oder an das Jonsdorfer Gebirgsbad.

"Es ist wichtig, dass wir diese Einrichtungen haben, damit die Region für Touristen attraktiv bleibt", sagt der Gastwirt. Und eine Fremdenverkehrsabgabe könnte den Gemeinden bei der Finanzierung helfen. Bezahlen sollten seiner Meinung nach alle, die direkt oder indirekt vom Tourismus profitieren - also nicht nur die Beherbergungsbetriebe, sondern beispielsweise auch Gaststätten und Cafés oder Händler und Handwerker. 

Siebert hat sich bei Kollegen in der Sächsischen Schweiz erkundigt. Dort habe man positive Erfahrungen mit der Tourismusabgabe gemacht. "Und es sind auch keine Summen, die die Betriebe umbringen", sagt er. "Die Last wird nur auf mehrere Schultern verteilt." 

Werden sich die Gebirgsgemeinden diesmal einig?

So richtig will man sich im Zittauer Gebirge auf seinen Vorschlag aber noch nicht einlassen. Olbersdorfs Kämmerer Frank Müller, der in der Verwaltungsgemeinschaft auch für Oybin, Jonsdorf und Bertsdorf-Hörnitz zuständig ist, wehrt auch gleich ab: "Wenn die Gemeinden so eine Abgabe beschließen willen, braucht es eine Satzung. Und für die Satzung braucht es eine Kalkulation", erklärt er. So eine Kalkulation aber sei für die Kämmerei der Verwaltungsgemeinschaft überhaupt nicht leistbar.

Conrad Siebert will dieses Argument nicht gelten lassen: "Wir müssen doch zuerst mal fragen: Wollen wir das im Zittauer Gebirge gemeinsam angehen oder wollen wir nicht? Und wenn ja: Wie machen wir das?" So sieht es auch Oybins Bürgermeister Tobias Steiner (SPD). "Wir müssen an einem Strang ziehen", sagt er. "Ich habe nach wie vor den Eindruck, dass jeder im Gebirge an sich denkt und nach den schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit nicht mehr in der Lage ist, gemeinsam nach vorne zu denken."   

Jede Gemeinde für sich wird es allein nicht schaffen, sagt Steiner. "Wir sind ein Zittauer Gebirge und wir haben nur zusammen eine Chance." Schließlich macht Horst Zimmermann, Bürgermeister a. D. und Gemeinderat in Jonsdorf, einen Vorschlag, wie das gemeinsam gehen könnte: "Wir könnten doch die Hochschule mit ins Boot holen", sagt er. In einer studentischen Arbeit könnte doch ermittelt werden: "Was kostet das denn und was käme dabei heraus."

Jonsdorfs Bürgermeisterin Kati Wenzel (Freie Wähler) würde sich ebenfalls ein gemeinsames Vorgehen aller Gebirgsgemeinden wünschen - und neben den Gemeinden aus der Olbersdorfer Verwaltungsgemeinschaft auch noch Großschönau und Zittau mit ins Boot holen. Bisher allerdings gibt es in den Orten noch nicht mal eine einheitlich festgesetzte Kur- oder Gästetaxe.

Und die Diskussion über eine Fremdenverkehrsabgabe der Betriebe, wie der Oybiner Hotelier Conrad Siebert sie vorschlägt, steckt noch ganz am Anfang. Obwohl das Thema gar nicht neu ist. Schon Ende 2018 wurde im Zittauer Gebirge über eine Tourismusabgabe diskutiert - allerdings ohne Ergebnis. Und beschließen müsste am Ende ohnehin wieder jede Gemeinde für sich.

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