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Junges Paar zieht mit dem Pferdefuhrwerk um

In Wachau lebten Teresa Benzner und Benjamin Löffler zwei Jahre in einer Jurte. Jetzt haben sie den Ort gewechselt.

Wer umzieht, beauftragt in der Regel eine Umzugsspedition. Teresa Benzner und Benjamin Löffler jedoch nicht. Von Wachau aus ging es in einen anderen Ort im Radeberger Umland. Und zwar auf ganz klassische Nomandenart: mit Pferd und Planwagen.
Wer umzieht, beauftragt in der Regel eine Umzugsspedition. Teresa Benzner und Benjamin Löffler jedoch nicht. Von Wachau aus ging es in einen anderen Ort im Radeberger Umland. Und zwar auf ganz klassische Nomandenart: mit Pferd und Planwagen. © Steffen Unger

Wachau. Umfragen haben ergeben, dass sich viele Deutsche vor einem Umzug fürchten. Zu anstrengend, zu viel Stress und eine Menge Geld kostet es obendrein: Man braucht neue Möbel, muss eine Umzugsspedition beauftragen, dazu kommen Mietkautionen etc. „Ein Umzug ist halbes Sterben“, soll der frühere Reichskanzler Bismarck einmal gesagt haben. Fest steht: Ein Wechsel des Wohnortes bringt auf jeden Fall eine Menge Veränderungen mit sich. Aber das ist etwas, was im Leben von Nomaden wahrlich nichts Ungewöhnliches ist, fast zur Tagesordnung gehört.

Fühlen sich Teresa Benzner und Benjamin Löffler wie Nomaden? Der 43-jährige Ben lächelt bei dieser Frage: „Nun ja, ein wenig Nomadenblut haben wir sicherlich in unseren Adern.“ Knapp zwei Jahre lebten der Künstler und die Tierärztin gemeinsam mit Samson, dem neunjährigen Sohn der 31-Jährigen, in Wachau in einer Jurte. Auf einer Wiese mit Obstbäumen, gleich hinter der Kirche des Ortes. Man habe sich dort überaus wohlgefühlt, beschreibt es Benjamin Löffler. der betont, dass man in dieser Zeit sehr intensiv vom dortigen Wunderland-Verein unterstützt worden sei. Auf der anderen Seite, das verhehlt er aber auch nicht, habe ihre alternative Lebens- und Wohnform hier und da in Wachau Befremden ausgelöst. Ein Grund, warum die beiden auch nicht wollen, dass ihr neues Zuhause publik wird. Wie dem auch sei, eine neue räumliche Veränderung habe man schon angestrebt. „Das braucht es einfach manchmal“, findet Benjamin Löffler. Anders ausgedrückt: Neue Umgebung, neues Umfeld, neue Perspektiven. Ergo, „haben wir das in uns schlummernde Nomadenblut aktiviert“.

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Also das gesamte Hab und Gut zusammengepackt, Pferde von der Weide geholt, angeschirrt, alles in den Planwagen verstaut und sich stante pedes auf den Weg gemacht? Dorthin, wo das neue Zuhause wartet? Was ziemlich spontan geklungen hätte. Aber natürlich ging es so schnell nun eben doch nicht. Dauerte schon eine Weile, bis man in der Umgebung das passende Grundstück für die Jurte fand. Und auch bei dieser alternativen Wohnform geht es nicht völlig ohne logistische Planung.

Auf einer Wiese hinter der Wachauer Kirche lebten Teresa Benzner und Benjamin Löffler fast zwei Jahre. Der Abbau der Jurte dauerte eine halbe Stunde. 
Auf einer Wiese hinter der Wachauer Kirche lebten Teresa Benzner und Benjamin Löffler fast zwei Jahre. Der Abbau der Jurte dauerte eine halbe Stunde.  © Thorsten Eckert

Benjamin Löffler hat da gleich ein mongolisches Sprichwort parat: „Wer viel hat, der muss viel einpacken.“ Ihr Leben in der Jurte (Durchmesser knapp fünf Meter) war so spartanisch nicht, wie mancher sich das vielleicht vorstellt. Ihre Jurte, in der Mongolei ist das die traditionelle Behausung der Nomaden, haben sich die beiden ausgesprochenen Naturmenschen selbstverständlich kommod eingerichtet. Holzregale, Betten, Anrichte, ein kleiner Holzofen, Herdplatte, Kleidung. „Wir haben schon einige Kisten gebraucht“, erzählt er, der vom einfachen Leben in der Jurte schwärmt. Weil „es herrlich naturnah ist“, so der gebürtige Hallenser. Dazu gehört sicher auch das Pferdefuhrwerk. Damit umzuziehen, das sei doch total klimaschonend, sozusagen CO²-neutral.

Mit ihrem Fuhrwerk waren sie im Übrigen in diesem Sommer eine Weile unterwegs. Mit Kind und Kegel in Wachau aufgebrochen, bis nach Eisenach kutschiert. Hin und retour, legten sie in 21 Tagen rund 600 Kilometer zurück. Am Wochenende war es eine weitaus kürzere Strecke, nur eine gute Stunde brauchten sie bis zu ihrem neuen Domizil. Unterwegs, so Benjamin Löffler, „waren wir schon etwas wehmütig gestimmt“. Abschiedsmelancholie. War ja eine feine Zeit gewesen in Wachau.

Aber das Leben sei nun mal Veränderung, meint der Künstler. Sogar die Pferde seien bei dem Umzug in einer „abenteuerlichen“Stimmung gewesen, wie es Benjamin Löffler umschreibt. Vielleicht weil sie sich nach ihrer gewohnten Weide sehnten. Aber dort, wo sie künftig grasen werden, gibt es auch eine Menge saftiger Wiesen.

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