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Warum ein Küchenbrand auch sein Gutes hatte

18 Familien in Bischofswerda Süd leben jetzt sicherer. Weil ihr Vermieter an ihrem Haus und im Wohngebiet viel Geld investiert.

Für dieses Haus an der Nordstraße baute die Genossenschaft eine Feuerwehrzufahrt. Die Feuerwehrleute testeten sie vor wenigen Tagen.
Für dieses Haus an der Nordstraße baute die Genossenschaft eine Feuerwehrzufahrt. Die Feuerwehrleute testeten sie vor wenigen Tagen. © Wohnungsgenossenschaft Bischofswerda

Bischofswerda . Die Balkone des Wohnblocks an der Nordstraße in Bischofswerda leuchten in dezentem Grün – Frühlingsgrün! Im vergangenen Jahr wurden sie erneuert. In diesem Jahr wurde unmittelbar an diesem Block eine Straße gebaut. Genauer gesagt, eine Feuerwehrzufahrt. Für den Fall, der hoffentlich nie eintritt. Nämlich, dass die Feuerwehr Menschen in diesem Block mit 18 Wohnungen retten muss. Mit dem Bau der neuen Zufahrt investierte die Wohnungsgenossenschaft Bischofswerda einen fünfstelligen Betrag in die Sicherheit ihrer Mieter. Und sie reagierte auf einen Hinweis der freiwilligen Feuerwehr der Stadt, sagte Klaus-Jürgen Kramer, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, im Gespräch mit der SZ. Denn die musste vor drei Jahren schon einmal zu diesem Haus in der Südstadt ausrücken, um einen Küchenbrand zu löschen. Dabei stellten die Feuerwehrleute fest, dass eine separate Zufahrt gebraucht wird, sollten wirklich einmal die Mieter mit der Drehleiter aus ihren Wohnungen evakuiert werden müssen. Zwar gibt es parallel zum Block an der Ringstraße zahlreiche Pkw-Stellflächen, wo die Feuerwehr – theoretisch – ebenfalls stehen und den Block mit der Drehleiter erreichen könnte. Doch man kann nicht davon ausgehen, dass diese Plätze frei sind. Gedacht sind sie für Kunden der Geschäfte und Besucher des Mehrzweckraumes, den die Genossenschaft vermietet. Der Bau der Feuerwehrzufahrt ist inzwischen abgeschlossen. Die Feuerwehr testete sie vor einigen Tagen  – Test bestanden.

Neue Balkone für mehrere Häuser

Wenige Meter davon entfernt ist ein Block eingerüstet. Im dritten Jahr in Folge lässt die Genossenschaft an einem ihrer Häuser an der Nordstraße die Balkonanlagen modernisieren. Die neuen Balkone sind doppelt so groß wie die alten. Die Fußböden sind aus hochwertigem Beton. In der Deckenunterseite wurden Löcher eingearbeitet, an denen die Bewohner auf Antrag eine Markise befestigen dürfen. Auch Blumenkästen sind in den Verkleidungen enthalten. Rund 200 000 Euro investiert die Genossenschaft in diesem Jahr in dieses Vorhaben. Die gleiche Summe ist fürs Jahr 2020 eingeplant. Dann sollen auch am vierten und letzen Block dieser Reihe die Balkone erneuert werden. Darüber hinaus baute die Genossenschaft im vergangenen Jahr an mehrere Häuser der Nord- und Gartenstraße erstmals Balkone an und wertete so die Wohnungen auf.

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Mit ihren 769 Wohnungen, die sich alle in Bischofswerda Süd befinden, ist die Wohnungsgenossenschaft Bischofswerdas zweitgrößter Vermieter. 600 000 bis 700 000 Euro fließen jedes Jahr in den Erhalt und die Modernisierung des Bestandes, sagt Klaus-Jürgen Kramer. Ausschließlich eigenes Geld. Denn auf die Aufnahme neuer Kredite verzichtet das Unternehmen seit rund zehn Jahren. Modernisiert wird auf Mieterwunsch, etwa wenn Bäder oder Türen erneuert werden, oder vor einem Neubezug. Dann werden Wohnungen oft komplett auf Vordermann gebracht. Rund 20 000 Euro veranschlagt die Genossenschaft im zweiten Fall für die Arbeiten in einer Wohnung. Wo es bereits Nachmieter gibt, werden deren Wünsche bei der Renovierung bzw. Modernisierung berücksichtigt, sagt Klaus-Jürgen Kramer.

Das zahlt sich aus. Vor allem im sogenannten Altneubaugebiet zwischen Nord- und Gartenstraße. Von den 285 Wohnungen dort steht kaum eine leer. Klaus-Jürgen Kramer erklärt es vor allem mit dem schönen, grünen Wohnumfeld, aber auch mit der Tatsache, dass viele ältere Genossenschaftsmitglieder dort zu Hause sind. Sie haben ihre Häuser selbst mit gebaut und hängen daran. Der Leerstand – aktuell 97 Wohnungen (12,6 Prozent) – konzentriert sich auf den Bereich zwischen Belmsdorfer, Thälmann- und Kolbestraße, und dort vor allem auf die oberen beiden Stockwerke. Gegenüber dem Vorjahr ist die Leerstandsquote konstant geblieben. Angesichts des Bevölkerungsrückganges ist man schon froh, wenn sie nicht weiter steigt, sagt Klaus-Jürgen Kramer. Doch er weiß auch, dass diese Entwicklung (noch) keine Trendwende bedeutet.

Zuzug aus umliegenden Dörfern

Die Wohnungsgenossenschaft verbucht Zuzug und damit neue Mitglieder. Es sind vor allem ältere Menschen aus Dörfern rund um Bischofswerda, die in eine Genossenschaftswohnung ziehen. Zum einen, weil ihnen Haus und Hof auf dem Land zu groß geworden sind. Zum anderen, weil es in vielen Dörfern kaum noch Möglichkeiten gibt, sich mit Waren des täglichen Bedarfes zu versorgen. Ein Problem der Stadt und damit auch ihrer Vermieter liegt in der Überalterung. So liegt das Durchschnittsalter der Genossenschaftsmitglieder bei 66 Jahren. Der Vermieter stellt sich bei Modernisierungen darauf ein. Etwa, indem er auf Mieterwunsch Badewannen durch Duschen ersetzt, auf Schwellen in den Wohnungen verzichtet oder auch Rollatorboxen vor die Häuser stellt. Zurzeit wird für einen Mieter eine Erdgeschosswohnung behindertengerecht umgebaut. Doch die Genossenschaft umwirbt auch jüngere Leute. Beispielsweise durch einen modernen, zeitgemäßen Internetauftritt. Man setzt auf gute Beratung und die Mundpropaganda zufriedener Mitglieder.

Trotz der hohen Investitionen jedes Jahr baut die Genossenschaft ihre Verbindlichkeiten ab. Zurzeit sind es neun Millionen Euro. Im Jahr 1995 waren es 25 Millionen Euro. Klaus-Jürgen Kramer sieht das Unternehmen wirtschaftlich auf einem guten Weg. Die Eigenkapitalquote liegt bei über 50 Prozent. Auch ohne neue Kredite profitiert die Genossenschaft von den niedrigen Zinsen. Sie schuldete Darlehen um und bediente laufende Kredite in voller Höhe weiter, wodurch sich bei sinkenden Zinsen der Anteil der Tilgung erhöhte.

www.wg-biw.de

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