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Dresden

Warum ein Orchester nur Zugaben spielt

Lebenskünstler Carsten Irmer hat ein Orchester und tritt damit bei der Schlössernacht auf. Nur eines mag er nicht.

Auf der Dresdner Schlössernacht am 13. Juli werden Carsten Irmer (r.), seine Frau Marianne (l.) und seine besonderen Musikerfreunde den Gästen auf vielen Wandelwegen begegnen.
Auf der Dresdner Schlössernacht am 13. Juli werden Carsten Irmer (r.), seine Frau Marianne (l.) und seine besonderen Musikerfreunde den Gästen auf vielen Wandelwegen begegnen. © PR/Michael Schmidt

Jaro hat Freundinnen gefunden. Am Nachbartisch im Café lächeln den Knirps zwei Damen an. Verzückt bücken sie sich immer wieder neu nach seiner Rassel. „Jetzt hebst du sie aber selber auf“, sagt sein Vater schließlich und lässt Sohnemann sanft vom Knie auf den Boden rutschen. Sollte Jaro auf dem Weg zum Wurfobjekt mit den Frauen ins Gespräch kommen und sie würden fragen: Was ist denn dein Papa von Beruf – rasch wäre das nicht erklärt. Aber der Kleine ist ohnehin erst ein Jahr alt und Carsten Irmer erzählt lieber selbst.

Statt bei Saftschorle unter einem Gastroschirm, kann man ihn auch auf der Schlössernacht treffen, als Musiker zum Beispiel. Außerdem ist er Feuerkünstler, Zauberer, Jongleur und Geschichtenerzähler, und wer etwas von alldem auch werden will, kann es bei ihm erlernen. „Ich habe in Pillnitz Landespflege studiert, aber nie wirklich in diesem Beruf gearbeitet“, erzählt er. Zunächst verbrachte er recht viele Jahre unterm Dach der Universität, jobbte hier und da und traf auf der Suche nach der optimalen Verbindung aus viel Freude und ausreichend Geld auf die Musik. Ein wenig hatte er sich am Schlagzeug ausprobiert und auch am Klavier, ohne wirklich Unterricht zu nehmen. Dazu kamen Waschbrett, Akkordeon, Flöte und Gesang. „Ich wollte 2007 unbedingt auf dem Elbhangfest spielen“, erinnert sich Carsten Irmer. Zwar hatte er zusammen mit Freunden schon auf verschiedenen Veranstaltungen als Rockkapelle sein Publikum gefunden, doch das neue Ziel stand unter keinem guten Stern. „Der Schlagzeuger hatte keinen Bock, und wir mussten uns anders behelfen.“ Das waren die Vorboten der Gründung eines besonderen Kammerorchesters.

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„Mich nerven Zugaben“, sagt Carsten. Es sei einfach blöd, Titel, die alle Gäste unbedingt hören wollen, aus dem Konzertprogramm herauszuhalten und extra für die Zugabe zu bunkern. „Das ärgert mich immer. Was soll das?“, fragt er und hatte eine Idee: Wir singen einfach nur und ausschließlich Zugaben! In dieser Stunde wurde das Zugabe-Orchester geboren, zu dem Carstens Frau Marianne und zwei Freunde gehören. Inzwischen hat es seinen festen Platz auf der Schlössernacht, wo am 13. Juli rund 250 Künstler auf 15 Bühnen und Spielorten zu erleben sind. Dort hat sich auch die Zugabe ein treues Publikum ersungen – mit ihrem Potpourri aus Rock, Pop, Folklore, Schlager und Volksliedern.

An viele schöne Erlebnisse erinnert sich Carsten Irmer: an den Mann, der jedes, aber auch jedes Lied mitsingen konnte. „Das hat unseren Ehrgeiz angespornt, doch noch eins anzustimmen, das er nicht kennt.“ In dicken Ordnern sammeln die Zugabe-Musiker ihr Repertoire: rund 200 Lieder. Der Abend ging nach Punkten für die Musikanten aus.

Von der Kunst zu leben, das gelang nicht allen sofort. Akkordeonspieler Henry ist hauptberuflich Vermesser, Flötistin Anke und Marianne geben Eltern-Workshops und Kurse rund ums Kind. Carsten indes sah für sich in seinem Beruf bisher keine Aufgabe, die er mit solcher Leidenschaft angepackt hätte, wie all die bunten Dinge, die er in seinem Bauchladen hat. „Ich habe mich darauf verlegt, das, was ich gern mache und gut kann, anderen anzubieten“, sagt er. Das heißt, nicht, dass ihn das Zaubern oder Feuerspucken schon ewig lange als Hobby begleitet, aus dem er schließlich einen Beruf machte. „Es war eher anders herum: Mich interessierte die Feuershow oder die Magie, deshalb habe ich sie erlernt und dann in mein Angebot mit aufgenommen.“ Zum Beispiel, Kinder und auch Erwachsene in seine Zirkusschule einzuladen. Bei Carsten Irmer können sie jonglieren, Einrad fahren oder zaubern lernen.

„Ich biete auch alle möglichen anderen Dienste an“, sagt der vierfache Familienvater – „vom Unkraut jäten bis zum Erstellen einer Website.“ Allüren sind dem Praktiker fremd. Die braucht er nicht als Lebenskünstler, Tausendsassa, Lehrer und Unterhalter aus tiefster Seele heraus.

Dresdner Schlössernacht, 13. Juli, 18 Uhr, Einlass ab 17 Uhr, Tickets im Vorverkauf: 38 Euro; Telefon 501.506.66, Resttickets gibt es zu 45 Euro an der Abendkasse.

www.zugabe-dresden.de

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