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Der Wirt, der zu Ostern nicht improvisierte

Ohne Soforthilfe wäre der Ofen in Krippen an der Elbe schon endgültig aus. Jetzt hofft Frank Leupold auf das Ende der Corona-Beschränkungen.

Gastronom Frank Leupold sitzt vor seiner geschlossenen Ziegelscheune in Krippen.
Gastronom Frank Leupold sitzt vor seiner geschlossenen Ziegelscheune in Krippen. © Daniel Schäfer

Die Erleichterung ist ihm anzumerken. "Das waren schon dramatische Tage und sind es ja immer noch", sagt Frank Leupold, der Wirt der Ziegelscheune in Krippen. In der Familie hatte er ernsthaft besprochen, wie es wäre, jetzt alles hinzuschmeißen. Erst hieß es wegen der Corona-Epidemie: Alle Gaststätten müssen schließen. Dann sollte wieder tagsüber geöffnet werden dürfen, bevor tags darauf wieder die komplette Schließung angewiesen wurde. 

"Wenn nicht tatsächlich die Soforthilfe des Bundes sofort gekommen wäre, wüsste ich nicht, wie es jetzt aussehen würde", sagt Leupold. Für Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern gibt es staatliche Unterstützung bis zu 15.000 Euro, wenn der Betrieb zwangsweise stillgelegt werden musste.

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Warum wurde Ostern nichts angeboten?

Die Ziegelscheune liegt direkt am Elberadweg. Ostersonntag war herrliches Wetter. Ein Außer-Haus-Verkauf wäre erlaubt gewesen. Manche Gastronomen nutzten das. Leupold hätte extra Ware bestellen und Personal beschäftigen müssen. Die Aussicht, dass jemand gekommen wäre, sei aber unwahrscheinlich gewesen. "Der Radweg zur Grenze ist dicht. Dresdner wären mit dem Fahrrad außerhalb des erlaubten Radius gewesen und Touristen sind keine mehr da", sagt der Wirt. 

Allein mit einheimischen Stammkunden wäre das Risiko zu groß gewesen, noch mehr Verlust zu machen. "Da ist es effektiver, die Kosten gegen Null runterzufahren."

Sind die Maßnahmen übertrieben?

"Ich trage die Maßnahmen an sich ja mit. Aber wenn wir unverschuldet unsere Betriebe schließen müssen, dann muss es einen staatlichen Ausgleich geben wie etwa bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit", sagt Leupold. Er hatte dazu auch gleiche eine "naive Idee" entwickelt, wie er es nennt.

Wenn Betriebe wegen einer Pandemie zwangsweise geschlossen werden, müssten die Unternehmer wenigstens eine Grundsicherung wie Angestellte erhalten. Die Mietkosten des Unternehmens müsste für diese Zeit der Staat tragen, ähnlich wie bei Wohnkosten von Hartz-IV-Empfängern. Oder Vermieter erhielten eine Entschädigung.

Das sollte mal für die nächste Pandemie durchgerechnet werden und so etwas helfe mehr als Kredite. "Selbst wenn die zinslos wären, ist doch völlig unklar, ob die jemals zurückgezahlt werden können", sagt Leupold. Für Unternehmer jenseits der 60 bringe auch eine Streckung auf 15 Jahre wenig.

Welche Lockerungen sollte es jetzt geben?

Umso mehr fiebert Leupold jetzt den ersten Lockerungen entgegen. "Ich freue mich auf den 19. April wie ein Kind auf Weihnachten", sagt er. Bis zu diesem Tag gelten die harten Einschränkungen. Dann müsste spätestens verkündet werden, wie es weitergeht.

Für die Gastronomie wäre es schon mal wichtig, die Ausgangs-Beschränkungen zu lockern, damit man tatsächlich an jemanden etwas auf die Hand verkaufen kann. Bei entsprechender Abstands-Regelung müssten wieder Tische im innern oder wenigstens Freisitze draußen wieder bedient werden können. "Auch Familienfeiern bis zu einer bestimmten Größe würden weiterhelfen. Und wenn es nur 20 Personen sind", sagt Leupold.

Offener Brief an den Ministerpräsidenten

In seiner ersten Wut hatte er einen Offenen Brief mit den akuten Problemen der Gastronomie an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) weitergeleitet, der von mehr als 30 Wirten aus der Dresdner Region unterschrieben wurde. Da gab es den Sofort-Hilfe-Zuschuss des Bundes noch nicht.

Seit jenem 19. März hat sich zwar schon einiges getan. Für Leupold ist aber klar: "Es kann nach der Krise jedenfalls nicht so weitergehen, wie bisher." Es hatte ihn aber gefreut, dass er ziemlich schnell eine Antwort aus der Staatskanzlei bekommen hat, die auch kompetent und teilweise hilfreich war.

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