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Warum eine 16-Jährige Kaninchen züchtet

Nur ein Hobby für alte Leute? Janina Musembi aus Freital sieht das anders. In Pretzschendorf will sie nun punkten.

Janina Musembi aus Freital züchtet im Osterzgebirge Kaninchen. Auf dem Hof ihres Opas Jürgen Rausch in Klingenberg hält sie 75 Tiere der Rasse Castor Rex.
Janina Musembi aus Freital züchtet im Osterzgebirge Kaninchen. Auf dem Hof ihres Opas Jürgen Rausch in Klingenberg hält sie 75 Tiere der Rasse Castor Rex. © Egbert Kamprath

Vorsichtig öffnet Janina Musembi die Tür zum Stall und holt das Kaninchen auf ihren Arm, das sich am liebsten sofort verstecken würde. „Castor Rexe sind sehr schüchtern“, sagt die 16-Jährige, die ihre Tiere genau kennt. Das kommt vor allem ihrem außergewöhnlichen Hobby zugute: Denn Janina Musembi züchtet Kaninchen – und das, seit sie zehn Jahre alt war. Die meisten ihrer Altergenossen haben noch nie etwas von Kaninchenzucht gehört, sagt die 16-Jährige und lacht. Der Großteil ihrer Freunde finde es aber „ganz cool“.

Sie selbst steht voll und ganz zu ihrem Hobby. Ihre mittlerweile 75 Tiere hat die Freitalerin auf dem Hof ihrer Großeltern in Klingenberg untergebracht. „Oma und Opa unterstützen mich sehr, ohne sie wäre es gar nicht möglich“, sagt die Jungzüchterin, die noch zur Schule geht und derzeit die 11. Klasse des Berufsschulzentrums „Otto Lilienthal“ in Freital besucht. „Die Schule steht für mich im Vordergrund. Ich kann das mit der Zucht nur machen, weil ich weiß, dass es Menschen gibt, auf die ich mich verlassen kann, wenn es zeitlich mal eng wird.“

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Ihre Liebe zu den possierlichen Tierchen hat Janina Musembi bereits als Kind entdeckt – gefühlt schon immer habe ihr Opa Kaninchen gehabt, sagt sie. Jürgen Rausch züchtet selbst Großchinchillas. Doch anders, als man es womöglich erwarten würde, kam der 70-Jährige erst über seine Enkelin zur Kaninchenzucht. An die Umstände erinnern sich beide noch gut: Gemeinsam besuchten Großvater und Enkeltochter 2012 die Schau der Colmnitz Kaninchenzüchter in der Pretzschendorfer Parkbaude. Beim Blick auf die Castor Rexe sei es damals um sie geschehen. „Das war ein richtiger Wow-Moment, die Tiere waren einfach richtig schön“, erinnert sich die quirlige 16-Jährige. Ihren Opa hatte sie schnell überzeugt, und so ging sie mit zwei Weibchen und einem Männchen nach Hause. Damit begann ihre Zucht.

Dann ging alles ganz schnell. Im September 2013 wurde sie Mitglied beim Rassekaninchenzuchtverein S 78 Colmnitz. „Und meine erste Schau war dann im November“, erinnert sich Janina. Seither sind viele Schauen dazugekommen, auch auf Bundes- und Landesebene. Ihr größter Erfolg bisher ist der Landesvizemeistertitel 2016, bei der Bundesschau hat sie schon einen Ehrenpreis gewonnen. Was ihre Zucht angeht, ist Janina Musembi durchaus ehrgeizig. „Es ist ein Wettbewerbshobby. Im Großen und Ganzen zählt zwar der Spaß, aber man will als Züchter natürlich auch Erfolge sehen.“

Für die Zucht eignen sich besonders die Tiere, die möglichst dem rassetypischen Ideal entsprechen. Die Merkmale finden sich im sogenannten Standard, einem Nachschlagewerk, das europaweit gilt. Der Fokus bei ihrer Kaninchenrasse liege vor allem auf dem Fell. Um damit bei den Schauen punkten zu können, muss die 16-Jährige schon bei der Zucht darauf achten, dass passende Tiere zusammenkommen. Kleine Makel können auf diese Weise ebenfalls noch ausgeglichen werden, erklärt die Schülerin. Hat die Häsin zum Beispiel nicht so dichtes Fell, muss der Rammler umso dichteres haben.

In den Wochen vor der Schau hat Janina verstärkt ein Auge darauf, dass ihre Tiere vom Körpergewicht her in der für die Rasse typischen Spanne liegen, denn nur dann geben die Preisrichter volle Punktzahl. Bewertet wird in mehreren Kategorien, auch auf den Pflegezustand kommt es an. Insgesamt 100 Punkte kann ein Tier maximal erreichen. „Üblicherweise werden aber nie mehr als 98 Punkte vergeben“, sagt Janina Musembi.

„Wir sind erst bei einer 96 zufrieden“, sind sich Großvater und Enkeltochter einig. Um bei den Preisrichtern zu punkten, werden sie ihre Kaninchen kurz vor der Schau noch mal ordentlich herausputzen: Die Krallen müssen geschnitten und das Fell gebürstet werden, damit der optische Eindruck stimmt. Und wer weiß, vielleicht küren die Preisrichter am Ende sogar eines von Janina Musembis Tieren zum Sieger.

Rassekaninchenschau:

Der S78 Colmnitz e.V. veranstaltet am Wochenende, 16. und 17. November, seine jährliche Rassekaninchenschau.

Die Parkbaude Pretzschendorf ist am Sonnabend von 9 bis 18 Uhr und am Sonntag von 9 bis 15 Uhr für Besucher geöffnet. Siegerehrung ist am Sonntag, zwischen 14 und 15 Uhr.

208 Tiere unterschiedlicher Größen und Färbungen gibt es zu sehen, insgesamt sind 47 Rassen vertreten.

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