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Brücklein, Brücklein, Du musst wandern

Für eine Million Euro wird eine Problembrücke in Kunnersdorf bei Bernstadt 50 Meter verlegt. Das löst im besten Fall mehrere Engpässe.

Kunnersdorf, hier wird die neue Brücke gebaut.
Kunnersdorf, hier wird die neue Brücke gebaut. © Matthias Weber/photoweber.de

Berge versetzen können die Bernstädter nicht - aber bei Brücken geht das zuweilen schon. Zumindest im Ortsteil Kunnersdorf, wo nach Ostern die letzten Vorbereitungen für die Versetzung der Baldauf-Brücke getroffen werden. 50 Meter stromaufwärts soll sie künftig ihren Bogen über die Pließnitz schlagen. Und das für insgesamt rund eine Million Euro - nach hartem Kampf und vielen Verwirrungen.

Die ersten Vorboten des Umzugs werden die Anwohner und Autofahrer bereits in der kommenden Woche zu spüren bekommen: Die Ausweichstrecken für den innerörtlichen Verkehr werden in Schuss gebracht, beispielsweise der Sonnenlandweg oder auch der Mühlberg in Rennersdorf, der für Bus- und Lasterverkehr als Umleitung dienen soll. Auch die Bushaltestelle für die Bauzeit wird an der Euroimmun-Kita eingerichtet, zählt Bernstadts Bauamtsleiter Marko Fröhlich auf. Ab Mai kommen dann die Straßensperrungen - dann geht es richtig los.

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Anfang des Jahres stand es noch, das alte Haus an der schmalen Straße "Am Pließnitztal". Mit dem Abriss kann auch die Straße übersichtlicher gestaltet werden.
Anfang des Jahres stand es noch, das alte Haus an der schmalen Straße "Am Pließnitztal". Mit dem Abriss kann auch die Straße übersichtlicher gestaltet werden. © Matthias Weber/photoweber.de

Der künftige "Brückenlandeplatz" ist schon blank geputzt. Einst stand dort ein Haus - unbewohnt zuletzt und mehrfach ein Hindernis für größere Fahrzeuge. Zwar sollen Laster & Co. die kleine Straße "Am Pließnitztal" nicht entlangfahren - manche Brummifahrer verfransten sich aber mit ihrem Navi und kamen nicht mehr vorwärts. Sie dann durch die Engstellen zu lotsen und auch noch über die Baldaufbrücke mit ihrer Grenze von neun Tonnen zu bekommen, war stets heikel.

Das wird sich mit der neuen Brücke ändern, verspricht Fröhlich. Denn die neue wird 40 Tonnen und damit nicht nur im Notfall einen Laster tragen können. Dass es in Kunnersdorf Bedenken gibt, mit der neuen Brücke komme auch mehr schwerer Verkehr auf die kleine Straße "Am Pließnitztal", wehrt Bauamtsleiter Fröhlich ab: "Ja, diese Sorge gibt es, aber die Straße wird weiter für den Schwerlastverkehr gesperrt bleiben", betont er und ergänzt: "Da auch Entsorgungsfahrzeuge oder Lieferfahrzeuge dann von der Herrnhuter Straße über die Brücke direkt zum Viebig fahren können, wird es eigentlich sogar ruhiger."

Kritik der Anwohner

Unmut gab es auch bei den Vorbereitungen der Baumaßnahme: Sechs, sieben Bäume mussten gefällt werden - darunter eine 80-jährige Eibe und alte Apfelbäume. "Das war nötig, damit die Ufermauer dann abgeböscht werden kann", erklärt der Bauamtsleiter. Und davon haben auch die Anwohner was: Bliebe die Ufermauer bestehen, müssten sie die Anwohner unterhalten, so ist der Freistaat zuständig.

Generell aber sehen viele im Neubau etwas Gutes: Abgesehen davon, dass die alte Baldaufbrücke gelegentlich nervig klapperte, war sie stark verrostet und im Hochwasserfall ein Abflusshindernis. An der Situation etwas zu ändern, war überfällig. Da zeitgleich der Landkreis die Herrnhuter Straße sanieren wollte - was wegen fehlender Gelder vom Freistaat nun aber nicht wird - wäre das Projekt fast noch ins Wasser gefallen. Ein Kompromiss rettet: Die Stadt übernimmt erst einmal die Mehrkosten beispielsweise für neue Straßenanschlüsse von etwa 200.000 Euro mit, bekommt sie dann zu 90 Prozent vom Freistaat und zu zehn Prozent vom Kreis zurück.

Klein, marode und wenig Tragkraft: Die Baldaufbrücke in Kunnersdorf wird abgerissen und 50 Meter flussaufwärts wieder neu aufgebaut.
Klein, marode und wenig Tragkraft: Die Baldaufbrücke in Kunnersdorf wird abgerissen und 50 Meter flussaufwärts wieder neu aufgebaut. © Matthias Weber/photoweber.de

Bis November wird an der alten Brücke erst einmal straff gebaut, dann sollen die Sperrungen über den Winter aufgehoben und die Straße passierbar gemacht werden. Im Frühjahr 2021 geht es aber zum Endspurt weiter, damit am Ende eine Betonbrücke steht, die aber aussieht, als ob sie mit Lausitzer Granit verblendet wäre.

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