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Warum einmal im Jahr Theater ist

Gemordet und gelogen wurde im Arnsdorfer Kino bereits. Und das Beste: Das Publikum war begeistert.

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Von Sylvia Gebauer

Die Jahrhundertflut 2002 ist nicht vergessen. Das Hochwasser hielt die Region damals in Atem. Eigentlich kein Grund zur Freude. Doch für Kinochefin Monika Nitsche und die Arnsdorfer war das Ganze ein Glücksfall. Bis heute ist das so. Denn seit den Ereignissen gibt‘s im Kino Theater. Und die Akteure kommen extra aus Berlin.

Die Leinwand bleibt schwarz, der Vorhang ist zu. Trotzdem strömen die Besucher ins Arnsdorfer Kino. Sie wollen dabei sein, wenn hier Theater ist. Mit Mord, Maskerade oder einem Raubüberfall. Keine Wünsche bleiben offen. Und zu verdanken haben es die Arnsdorfer den Mitgliedern des Kleinen Theaters Berlin-Mitte. 2002 verfolgten sie die Flut-Ereignisse im Fernsehen. Und so machten sie sich auf die Suche, genauer nach einer Spielstätte in der Umgebung des Hochwassergebietes, „um etwas Spaß und Amüsement an die Leute zu bringen“, sagt Siggi Brennemann bei ihrem ersten Besuch im Arnsdorfer Kino. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Theaterwissenschaftler Hansjörg Schneider, gründete sie 1968 das Theater. Und weil Arnsdorfs Filmschau bei den Flutereignissen in Mitleidenschaft gezogen wurde, entschieden sich die beiden, zu helfen. Spendeten den gesamten Erlös aus der Veranstaltung Kinochefin Monika Nitsche. Und im Kino spielt eine Theatergruppe ja auch nicht oft. Vier Stücke des russischen Schriftstellers Anton Tschechow hatten sie damals im Gepäck. Das Premierenpublikum und die Kinochefin waren begeistert. Über die Jahre entstand eine Verbundenheit, die die Schauspieler immer wieder ins Kino zurückkehren lässt. Gage nehmen sie nach wie vor keine, sie spenden die Einnahmen ans Kino. 2012 überraschte Kinochefin Monika Nitsche einmal die Mitglieder. Sie ließ für jeden Schauspieler ein handgeschliffenes Glas als Erinnerung an alle bisherige Auftritte im Kino anfertigen. So bleibt auch diese Geschichte in Erinnerung. Gibt es ein Wiedersehen 2014?

„Definitiv“, bestätigt Monika Nitsche. Zwar werden in der Filmschau keine Kinofilme mehr gespielt. Der Vorhang bleibt zu. Arnsdorfs Kino ist Geschichte. Vielleicht greifen die Schauspieler die bewegende Historie der Arnsdorfer Filmschau einmal in einem Stück auf: Stoff gibt‘s genug.