merken
PLUS

Warum es auf dieser Straße immer wieder kracht

Auf der Umfahrung Dreistern-Cölln häufen sich die Unfälle. Vor allem die Kreuzung bei Salzenforst gilt als Problem.

© Thorsten Eckert

Von Christoph Scharf

Die Kreuzung am Ortsrand von Salzenforst sieht aus wie aus einem Lehrbuch für Straßenbau: Sie hat vier Abbiegespuren, vier Verkehrsinseln, zahlreiche Verkehrsschilder und etliche Leitpfosten. Kein Wunder: Wurde die Umfahrung von Dreistern nach Cölln doch erst 2006 für den Verkehr freigegeben. Und doch gilt die mustergültig ausgebaute Kreuzung seit Jahren als Unfallschwerpunkt. Erst kürzlich hat sie der Freistaat als gefährlichste Ecke im Landkreis gekürt. Nur warum?

Anzeige
„Wir geben zurück, was wir erhalten haben“
„Wir geben zurück, was wir erhalten haben“

Den Dresdnern war während der Jahrhundertflut 2002 bundesweit geholfen worden. Nun will Dresden den aktuellen Hochwasseropfern helfen.

Warum zählt die Kreuzung bei Salzenforst als Unfallschwerpunkt?

Innerhalb der vergangenen drei Jahre gab es bei Salzenforst acht Unfälle mit Verletzten. Allein fünfmal wurden dabei Leute schwer verletzt. Damit steht die Kreuzung ganz oben in der Unfall-Statistik, die der Freistaat für den Landkreis Bautzen erhoben hat. Zählt man die Blechschäden mit, krachte es an der Stelle seit 2010 bereits 14-mal. Laut Polizei waren fast immer Vorfahrtsverstöße Ursache für die Unfälle.

Was wurde bislang getan, um den Unfallschwerpunkt zu entschärfen?

Die Unfallkommission der Stadt hat die Kreuzung längst mehrfach unter die Lupe genommen. Allerdings waren dabei überhaupt keine Missstände festzustellen: Weder bei der Gestaltung der Kreuzung noch bei der Sicht auf die Hauptstraße oder die Verkehrszeichen. Viel konnten die Fachleute deshalb noch nicht tun. Sie stellten auf den Nebenstraßen aus Richtung Salzenforst und Bolbritz zusätzliche Schilder auf, um die Aufmerksamkeit der Fahrer zu erhöhen. Auch die Staatsstraße selbst bekam Schilder, die vor einem Unfallschwerpunkt warnen. Eine Tempo-70-Regelung gilt dort bereits. „Erfolg hatten die bisherigen Maßnahmen noch nicht“, sagt Matthias Almert vom Bautzener Ordnungsamt. Deshalb wird die Kreuzung auch dieses Jahr wieder Thema in der Unfallkommission sein.

Wie soll es jetzt mit der gefährlichen

Kreuzung weitergehen?

Bis Anfang 2014 untersuchen zusätzliche Experten die Kreuzung bei Salzenforst. Die Stelle ist in einem neuen Programm dabei, das der Freistaat Anfang August gestartet hat. Dabei werden in jedem sächsischen Landkreis die zehn gefährlichsten Stellen analysiert, um Tipps zu deren Entschärfung zu geben. Daran ist auch die TU Dresden beteiligt. Am Ende könnte auch ein kompletter Umbau der Kreuzung stehen – etwa zu einem Kreisverkehr.

Was sagt die Wissenschaft

zu diesem Problem?

Für den Bautzener Verkehrsrechtler Professor Dieter Müller kommt die Zahl der Unfälle nicht überraschend. „Die baulichen Maßnahmen und die Verkehrszeichen sind nur die halbe Miete“, sagt der 54-Jährige. „Genauso wichtig ist es, die Einhaltung der Verkehrsregeln zu überwachen.“ Denn durch mangelnde Kontrollen würden Verkehrsunfälle geradezu provoziert „Die Leute wissen, dass nicht kontrolliert wird – und dementsprechend fahren sie auch.“ Auf einer Hauptstraße Tempo 70 anzuordnen, nutze eben nur dann etwas, wenn hin und wieder auch geblitzt wird. Und genauso würden Vorfahrts- oder Stoppschilder oft nur dann ernst genommen, wenn Verstöße geahndet werden. Ähnlich sehe es mit dem Handyverbot am Steuer aus. „Wir brauchen systematische Kontrollen zu unterschiedlichen Tageszeiten!“

Auf ein Wort