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Bautzen

Deshalb fahren so viele Laster durch Bautzen

Lkw nach Tschechien werden schon in Bautzen-Ost von der A 4 geleitet. Entlastung könnte ein Lückenschluss bringen.

Kleines Schild, große Wirkung: An der Abfahrt Bautzen-Ost werden Lkws nach Tschechien von der A 4 geleitet. Dabei könnten sie noch weiter auf der Autobahn fahren.
Kleines Schild, große Wirkung: An der Abfahrt Bautzen-Ost werden Lkws nach Tschechien von der A 4 geleitet. Dabei könnten sie noch weiter auf der Autobahn fahren. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wenn Steffen Thomas nachmittags von der Arbeit kommt, ärgert er sich. Nicht, weil er Freizeit nicht mag und lieber weiter arbeiten möchte – es ist der Weg von der Arbeit nach Hause, der ihm Sorge bereitet. Von Bautzen fährt er in Richtung Wurschen – und muss sich täglich in eine lange Schlange von Lkws reihen. An den Ampeln steht er hinter Lastwagen, die immer wieder halten und neu anfahren. „Die verpesten doch unnötig die Luft“, findet er. Und es bereitet Steffen Thomas Sorge, wenn er den Straßenrand der neuen S 111 anguckt: Die Straße geht bereits kaputt, dabei ist sie doch noch so neu. Steffen Thomas fragt sich: Warum fahren die Lastwagen überhaupt durch Bautzen und über die Staatsstraße 111?

Deshalb fahren die Lkw nach Tschechien über Bautzen und die S 111

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Dass die Lastwagen nach Tschechien über die S 111 fahren, führt Steffen Thomas vor allem auf eines zurück: Über der Autobahnausfahrt Bautzen – Ost der A 4 in Richtung Görlitz hängt ein Schild. „LKW– CZ“ steht darauf und deutet den Lkw-Fahrern an, die Autobahn hier über die Ausfahrt zu verlassen. Normalerweise fahren die 40-Tonner dann ein Stück durch Bautzen, schließlich dann über die B 6 in Richtung Löbau. Weil die B 6 gerade aber gesperrt ist, wird der Verkehr über die S 111 umgeleitet.

Mögliche Lösung: Problem-Schild abnehmen

Für den regelmäßigen Pendler Steffen Thomas ist klar: Das Schild über der Ausfahrt muss weg – wenigstens für die Zeit, in der auf der B 6 gebaut wird, also bis Mitte August. Überhaupt gefiele es ihm eigentlich besser, wenn die Laster in Richtung Tschechien generell bis Weißenberg auf der A 4 blieben. „Das hätte keinen Nachteil für die Lastwagen; Maut müssen sie so oder so zahlen“, findet er. „Wir haben doch extra eine schöne Autobahn, warum sollen die Lastwagen diese nicht möglichst lange nutzen?“, fragt er.

Das sagen Bürgermeister aus der Region zur Schilder-Idee

Angetan von der Idee ist Norbert Wolf (CDU), seit 1994 Bürgermeister von Hochkirch. Er kennt die Belastung seiner Gemeinde durch den Schwerlastverkehr seit Jahrzehnten. Immer nachmittags herrsche auf der Ortsdurchfahrt Lkw-Rushhour. „Besonders sonntags nach 21.30 Uhr, wenn sie wieder fahren dürfen, ziehen die Lkw hier im Rudel durch“, beschreibt Wolf die Situation und sagt: „Alles, was die B 6 entlastet, entlastet auch Hochkirch. Da bin ich sofort dabei.“ Weißenbergs Bürgermeister Jürgen Arlt (parteilos) glaubt nicht, dass eine Versetzung der Wegweiser an der Autobahn irgendetwas bewirken würde. „Wer glaubt, Lkw würden dort lang fahren, wo die Wegweiser stehen, der irrt“, sagt er. Moderne Navigationsgeräte hätten in den Lkw-Cockpits längst die Rolle von Wegweisern übernommen. Und die wiesen nicht nur die kürzeste, sondern auch die je nach Verkehrsaufkommen schnellste Route, so Arlt. Auch die Maut spiele in den Berechnungen der Lkw-Fahrer durchaus eine große Rolle. „Die Route über die Abfahrt Weißenberg ist 13 Kilometer länger“, sagt er.

Das sagt das Landesamt für Straßenbau und Verkehr zu der Idee

Vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr ist vorerst keine Änderung der Verkehrsführung zu erwarten. Wenn die Lastwagen erst bei Weißenberg von der A 4 abfahren würden, würden sie über die S 112 fahren müssen. „Die B 6 ist grundsätzlich besser geeignet, überörtlichen und Schwerlastverkehr aufzunehmen als die Staatsstraße 112“, erklärt die Behörde auf SZ-Anfrage. „Die Straßenklasse der Staatsstraßen ist grundsätzlich geeignet und sogar ausdrücklich entsprechend errichtet, um den allgemeinen Verkehrsbelastungen durch Pkw- und Lkw-Verkehr standzuhalten“, sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert. Die Schäden auf der S 111, etwa an Banketten in Kurven, werden repariert. Ganz verschlossen zeigt sich die Behörde gegenüber der Schilder-Idee aber nicht: Man wolle sich das Ganze noch einmal ansehen. Klappen würde die Verkehrsführung über Weißenberg aber vor allem dann, wenn die Lücke zwischen der B 178 n und der Autobahn geschlossen würde.

Eine andere Idee: Lückenschluss der B 178

Eine andere Variante, den Verkehr umzuleiten, bestünde, wenn die Lücke zwischen dem bereits gebauten Abschnitt der B 178 ab Nostitz und der A 4 geschlossen würde. Seit vielen Jahren ist der Bau der B 178 im Gespräch, mehrere Kurswechsel hat es dabei gegeben. Auf dem Abschnitt von Löbau bis Nostitz rollt seit 2010 der Verkehr. Nach jetzigem Stand soll der nächste Abschnitt, von Nostitz bis zur A 4, nun nur noch dreispurig ausgebaut werden. Die Trasse soll von Nostitz aus an Maltitz vorbeiführen und über eine Brücke in Richtung Wasserkretscham, über das Tal bis Weißenberg. Als Anschlussstelle soll die bereits bestehende A 4-Auffahrt genutzt werden.

Derzeit werden die Unterlagen zum Vorentwurf erarbeitet. Im nächsten Jahr sollen die dem Bundesverkehrsministerium vorgelegt werden, sodass sie 2020 im Rahmen einer Informationsveranstaltung präsentiert und dann in den Gemeinden ausgelegt werden könnten. „Der gesamte Prozess wird absehbar noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen“, erklärt Kathleen Brühl, Sprecherin des Sächsischen Verkehrsministeriums. „Das Bundesverkehrsministerium hat aber mit der Aufnahme des Vorhabens in den Bundesverkehrswegeplan 2030 die Absicht dokumentiert, das Projekt zu finanzieren.“ Auch ein neuer Gedanke steht noch im Raum: Könnte die B 178 sogar bis zur A 15 bei Cottbus weitergeführt werden? Dazu wird gerade eine Machbarkeitsstudie erstellt.

Die Geschichte der B 178 n – aufgelockert mit Grafiken, Interviews, Zitaten und geschichtlichen Hintergründen – gibt es unter www.szlink.de/B178, Passwort B178

© SZ-Grafik

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