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Warum fehlt das Wasser am Berzdorfer See?

Seit zwei Jahren liegen am Nordostufer Wasserleitungen. Aber die Gastronomen haben keinen Anschluss. Bis heute schleppen sie täglich Kanister.

Bernd und Martina Otto in ihrer Milchbar am Berzdorfer See. Was immer hier gebraucht wird - bis hin zum Wasser - bringen sie selbst mit. Und das Geschirr nehmen sie zum Spülen mit heim.
Bernd und Martina Otto in ihrer Milchbar am Berzdorfer See. Was immer hier gebraucht wird - bis hin zum Wasser - bringen sie selbst mit. Und das Geschirr nehmen sie zum Spülen mit heim. © nikolaischmidt.de

Was Bernd Otto, Ralf Richter und René Freigang gemeinsam haben: Sie sind Gastronomen am Nordostufer des Berzdorfer Sees. Otto und Richter sind mit der Milchbar und der Carari-Gastronomie schon viele Jahre bei Deutsch-Ossig zu finden, Freigang ist der Betreiber der neuen Strandbar ein Stück weiter nördlich. Aber auch er ist inzwischen ein geübter Wasserträger. Auch das eint die Gastronomen: Sie haben keinen Wasseranschluss. 

Gastronomen bringen Wasser selbst mit

Aber Wasser wird in jeder Gastronomie gebraucht, beispielsweise zur Reinigung. Und so packen René Freigang oder seine Leute morgens nicht nur frische Waren in den Transporter, sondern auch große Wasserkanister. An besonders guten Tagen wurden bei ihm auch schon mal hundert Liter gebraucht. In der Strandbar hat er ein Pumpsystem installiert. "Klar ist das machbar, aber es ist natürlich mühselig". Er nimmt es mit Humor. "Wir sind am See und haben ausgerechnet kein Wasser." 

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René Freigang hat die Strandbar zu Christi Himmelfahrt eröffnet und ist damit der dienstjüngste Akteur am Berzdorfer See.
René Freigang hat die Strandbar zu Christi Himmelfahrt eröffnet und ist damit der dienstjüngste Akteur am Berzdorfer See. © Nikolai Schmidt

Allerdings, mit Anschluss ließe es sich auch nachhaltiger arbeiten, findet er. Nachhaltigkeit bei den Materialien wie den Getränkebechern ist ihm wichtig. Mit Wasseranschluss könnte man aber auch auf die verzichten und stärker auf Gläser setzen. Wie der Name Strandbar schon sagt, gibt es hier - von Fassbrause über Bier bis zum Cocktail - vieles, was normalerweise im Glas serviert wird. "Besteck und was sonst an Geschirr anfällt, nehmen wir auch mit nach Hause zur Reinigung. Aber würden wir jeden Tag alle benötigten Gläser transportieren, das wäre zu viel." 

Genauso hält es Bernd Otto bei Deutsch-Ossig - seit vielen Jahren. An Hochsaison-Tagen braucht er um die 60 Liter frisches Wasser. Dazu kommt steriles Wasser für Kaffee und Softeis. Beides, Trink- und steriles Wasser, bringen Ottos in der Saison täglich in Kanistern mit. Auch er arbeitet mit Pumpsystem, "seitdem wir hier den festen Standort haben", und nimmt das Geschirr regelmäßig mit nach Hause zum Spülen. "Es ist eigentlich traurig." 

Wasser liegt seit zwei Jahren an

Denn eigentlich liegt Wasser an. Im Frühjahr 2018 gab es zwischen Deutsch-Ossig und Nordoststrand Erschließungsarbeiten - damit es mit dem Bebauungsplan weitergehen kann, erklärte die damalige Seebeaufragte Katharina Poplawski der SZ. So hatten die Stadt Görlitz und der Bergbausanierer LMBV  Wasser-, Abwasser- und Stromleitungen sowie Leer-Rohre für Breitband legen lassen.  

Viel Humor konnte Ralf Richter von der Carari-Wiese Anfang des Jahres nicht mehr aufbringen, als er in einer Sitzung des Planungsverbandes Berzdorfer See nachfragte, wie es mit dem Wasseranschluss steht. Offenbar, so lautete die Antwort damals, gibt es  Verzögerungen beim Vertragsabschluss mit den Stadtwerken. Soweit er wisse, sollen die Stadtwerke das Netz betreiben, erzählt Bernd Otto. Die Stadtwerke konnten am Montag,  auf kurzfristige Anfrage zum aktuellen Stand, noch keine Auskunft geben. Die Stadt Görlitz antwortete bis Redaktionsschluss nicht. 

Dass er sich um Manches bei der Infrastruktur selber kümmern muss, wusste René Freigang. "Das stand ja in der Ausschreibung", erzählt er. Anfang des Jahres hatte die Stadt Görlitz drei Imbiss-Standorte am Nordoststrand ausgeschrieben, auf einen hatte sich Freigang beworben. "Der zukünftige Betreiber ist für die normgerechte Verlegung der Stromversorgung selbst verantwortlich", hieß es beispielsweise.

Wasser würde nicht nur Gastronomen helfen

Bevor die Strandbar also vor einigen Wochen eröffnete, hatte Freigang nicht nur die Bar aufgebaut, sondern auch Strom verlegen lassen, von der Uferpromenade zur Bar. Eine Arbeit, die vor ihm bereits der Sicherheitsdienst K9 übernommen hatte: Bis Ende vorigen Jahres war K9 am Nordoststrand für Ordnung und Sicherheit wie auch für die Betreibung der Imbisse zuständig. Und hatte vor etwa zwei Jahren Strom verlegt. Allerdings einen etwas zu schwachen für die Strandbar mit ihren Geräten. Deshalb ließ Freigang noch mal graben. Darum muss sich Bernd Otto keine Gedanken machen. "Strom liegt bei uns an", über die Bebauung am Deutsch-Ossiger Ufer. Ums Wassertragen kommt aber auch er nicht herum. 

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Dabei würde das nicht nur die Gastronomen glücklich machen, sind sie sich sicher. Man könnte vielleicht auch die Toiletten-Kapazitäten ausbauen. Ein Sanitärgebäude - wie am Klittener Ufer des Bärwalder Sees im Kreisnorden - mit WC, Duschen, Umkleiden, Wickelraum könnte René Freigang sich auch für den Nordoststrand gut vorstellen. "Ich vermute aber, dafür würde es bestimmt auch den Bebauungsplan brauchen." Auch Bernd Otto würde seinen Gästen gerne ein WC zur Verfügung stellen, "das ist einfach etwas, das man den Leuten bieten möchte." 

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