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Wieso Fiel freiwillig auf seinen Top-Torjäger verzichtet

Dynamos Trainer hat Moussa Koné in Aue auf die Bank gesetzt, die Mannschaft ohne ihn gewonnen. Die Erfahrung ist für alle hilfreich.

© imago/Dennis Hetzschold (Archiv)

Es ist ein emotionales Bild. Moussa Koné umarmt Justin Löwe – der Torjäger den Torschützen. Das ist das Besondere an diesem Moment, denn die beiden Dynamo-Spieler haben sozusagen ihre Rollen getauscht. Der eine war bisher gesetzt, selbst wenn er angeschlagen war, der andere bestenfalls Bankdrücker. In Aue ist das plötzlich anders, Koné bleibt draußen, Löwe kommt rein und erzielt in seinem zweiten Profi-Einsatz sein erstes Tor. Wenn es so ist, wie es Cristian Fiel hinterher sagt, hat der Trainer ein sehr gutes Bauchgefühl. Das sei ihm ganz wichtig, erklärt er seine teils überraschenden Personalentscheidungen.

„Sie haben alle Gas gegeben, alle richtig gut trainiert“, sagt Fiel. „Deshalb hätte ich auch einen anderen einwechseln, andere von Anfang an spielen lassen können.“ Die richtige Aufstellung zu finden, ist so ziemlich die schwierigste Aufgabe im Trainer-Job. Es ist eben nicht damit getan, die elf besten Fußballer zu finden, sondern die am besten passen: als Mannschaft und zum Gegner. Darüber mache er sich Gedanken, betont Fiel. Jedes Spiel sei eine andere Situation. Deshalb hält er wenig von vermeintlichen Weisheiten wie der, ein erfolgreiches Team nicht zu verändern.

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Das hieße nämlich, er müsste am Donnerstagabend beim Nachholspiel in Fürth jene Elf anfangen lassen, die das Sachsenderby entschieden haben. Wenn es so einfach funktionieren würde, hätte er nicht mal etwas dagegen, räumt der 39-Jährige ein: „Aber das ist schwierig, sehr, sehr schwierig.“ Denn andererseits ist es üblich, in einer englischen Woche mit drei Spielen, noch dazu zwei Ost-Duellen, zu rotieren, also ausgeruhte Leute zu bringen. „Das hat schon Kraft gekostet in Aue. Deshalb bin ich glücklich darüber, viele Spieler im Kader zu haben.“

Mit Jannis Nikolaou und Niklas Kreuzer gibt es sogar zwei Alternativen mehr. Beide hatten vor ihren Gelb-Sperren einen Startplatz bei Fiel. Koné galt sogar als die „Lebensversicherung“, ohne seine Treffer – so schien es – könne Dynamo nicht gewinnen. Unfassbar wichtig sei er, hatte Mannschaftskollege Sören Gonther über den 22 Jahre alten Senegalesen gesagt, und der Trainer ihn gegen Magdeburg aufgestellt, obwohl er nach einer Bauchmuskelzerrung Trainingsrückstand hatte.

Ob Bauch oder doch eher Kopf: Für das Schlüsselspiel in Aue hat sich Fiel anders entschieden, das aber vorher mindestens angedeutet. Koné sei noch nicht wieder zu hundert Prozent so gut drauf, wie man ihn kennt. Es war ein wichtiges Signal vor allem nach innen, statt des besten Torschützen mit Lucas Röser und Erich Berko zwei Angreifer aufzustellen, die seit Monaten verletzungsfrei und demzufolge fit sind. Beide haben getroffen, Dynamo hat gewonnen, der Trainer also alles richtig gemacht.

Geteilte Freude ist doppelte Freude: Moussa Koné drückt nach Dynamos Sieg in Aue den Torschützen Justin Leo Löwe. Dabei haben die beiden Profis sozusagen ihre Rollen getauscht. 
Geteilte Freude ist doppelte Freude: Moussa Koné drückt nach Dynamos Sieg in Aue den Torschützen Justin Leo Löwe. Dabei haben die beiden Profis sozusagen ihre Rollen getauscht.  © dpa/Robert Michael

Trotzdem könnte er in Fürth wieder anders aufstellen. „Moussa ist auf jeden Fall eine Option für die Startelf“, sagt Fiel, holt kurz Luft und zählt auf: „Genau wie Aias Aosman, Niklas Kreuzer, Jannis Nikolaou und wie sie alle heißen.“ Haris Duljevic hat er nicht genannt, aber der Bosnier gehört zu denen, die das Spiel in Aue nach dem Rückstand gedreht haben. Das Fachmagazin Kicker hat ihn sogar in seine Elf des Tages gewählt, was außergewöhnlich ist für einen, der nur eine Halbzeit gespielt hat.

„Es darf nie als Nachteil ausgelegt werden, zur Nationalmannschaft zu fahren“, sagt Fiel. Trotzdem ließ er Duljevic, der mit Bosnien unterwegs war, und Aosman, der sogar drei Länderspiele für Syrien bestritten hat, zunächst draußen. „Es war halt so, dass wir in der Punktspielpause gut arbeiten konnten.“ In dieser Woche bleibt dagegen fürs Trainieren so gut wie keine Zeit, es kann sich also auch keiner aufdrängen.

Für Fiel ist es fast egal, ob und auf wie vielen Positionen er wechselt, er kommt nicht drumrum, wieder einige zu enttäuschen. „Ich versuche, es ihnen so zu sagen, dass sie verstehen, was meine Gedanken dahinter sind“, meint er, aber: „Ich war selber Spieler. Wenn mir der Trainer dreimal gesagt hat, du spielst nicht, weil… – beim vierten Mal habe ich gleich gesagt: Ich akzeptiere das, aber ich will keine Gründe mehr hören.“ Jeder, der nicht spielt, sei unzufrieden, egal, was man ihm sagt. „Das muss auch so sein, aber leicht ist es für mich als Trainer nicht, wirklich nicht.“

Dieses Bild mit Koné und Löwe, das in Aue entstand, drückt etwas aus, was selbstverständlich sein sollte, wie Fiel findet. „Das war auch für mich schön zu sehen“, sagt er, „aber Fußball ist ein Mannschaftssport, und wir hatten als Team lange nicht gewonnen. Es ist normal, sich dann gemeinsam zu freuen.“ Das ist schließlich auch klar: Löwe wird nun nicht in jedem Spiel treffen, und auf Koné kann Dynamo nicht verzichten.

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