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Warum „Franzis“ Ostritz verlässt

Inhaberin Franziska Seitz fällt der Schritt nach Görlitz sehr schwer. Aber dort kann sie den großen Ketten den Kampf ansagen.

Von Elke Schmidt
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Franziska Seitz zieht mit ihrem Geschäft von Ostritz nach Görlitz.
Franziska Seitz zieht mit ihrem Geschäft von Ostritz nach Görlitz. ©  Matthias Weber

Das Kinderwarengeschäft „Franzis“ auf dem Ostritzer Marktplatz wird demnächst umziehen. Am 20. April wird dort ein letztes Mal geöffnet sein, denn ab Mai will sie ihren kleinen Laden in der Görlitzer Jakobspassage neu eröffnen. Den letzten Tag in Ostritz möchte Inhaberin Franziska Seitz nutzen, um ihren Kunden Dankeschön zu sagen.

Denn leicht fällt ihr der Schritt nicht. Sie fühlte sich von Anfang in der Stadt an der Neiße angenommen. Franziska Seitz wollte immer in Ostritz bleiben, arbeitete gern dort. Seit sie es im August 2014 eröffnet hat, ist ihr Geschäft direkt am Markt gut besucht. Der große Kundenstamm schaut regelmäßig herein und manchmal kommen die Leute auch einfach so auf einen kleinen Schwatz. Diese Gespräche wird sie vermissen, sagt sie.

Als die Geschäftsfrau mit der Frage nach einem Umzug konfrontiert wurde, war dann auch ihr erster Gedanke ein klares: „Nein, das mache ich nicht“. Das war im Dezember vorigen Jahres. Da war Franziska Seitz zu Gast auf der laut Veranstalter ersten deutsch-polnischen Babymesse in Görlitz. Julia Kießling, eine der Verantwortlichen, erzählte ihr von einem neuen Projekt in der Jakobspassage und fragte, ob sie sich vorstellen könne, dort mitzumachen.

Die Gründer der Jakobpassage in der Innenstadt setzen derzeit nach dem Laden und ihrem Lokal „Jakobs Söhne“ im Nachbarhaus ihre neueste Idee „Jakobs Enkel“ um. Hier soll ein Ort entstehen, der sowohl Eltern als auch ihren Kindern gerecht wird. Es soll Platz zum Entspannen und zum gemeinsamen Spielen geben. Ein Eltern-Kind-Café lädt zum Verweilen ein. Es soll ein deutsch-polnisches Projekt sein, bei dem auch polnische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mitwirken werden. 

Die Inhaber wünschten sich als Ergänzung ein Einzelhandelsfachgeschäft für Kinderwaren. Eine der Bedingungen war, dass es privat geführt sein sollte, sagt Franziska Seitz. So etwas gibt es in Görlitz nämlich nicht mehr. Aber Einzelhändler können ein ganz anderes Sortiment als die großen Ketten anbieten. Also sprach Lisa Kießling die Ostritzer Unternehmerin an.

Obwohl sie zunächst nichts davon wissen wollte, setzte sich der Gedanke in ihr fest. Lange schwankte sie. Sie und ihr Mann hatten eine Menge Arbeit in die Räume in Ostritz gesteckt und sie aufwendig hergerichtet. Dazu bekam sie im Februar die Ehrenurkunde der Stadt Ostritz. Das habe sie sehr gefreut, sagt sie. Und umso schwerer fiel ihr ein möglicher Abschied.

Je länger sie aber über Lisa Kießlings Vorschlag nachdachte, umso mehr konnte sie ihm abgewinnen. Das Konzept von „Jakobs Enkel“ gefiel ihr. Als sie eröffneten, setzten sie vor allem auf Second Hand Ware. Kindersachen müssen nicht immer neu und damit automatisch teuer sein, sagten sie sich. Dieses Prinzip funktionierte lange gut. Doch inzwischen beobachtet Franziska Seitz, dass die Leute lieber neue Sachen kaufen und dafür ein paar Euro mehr ausgeben.

Auch wenn sie in Ostritz weiterhin gute und treue Kunden hat, braucht sie auf die Dauer auch Laufkundschaft, sagt sie. Die sei nötig, damit sie das Geschäft auch langfristig betreiben könne. In Görlitz, so hofft sie, wird ihr Laden von noch viel mehr Menschen sozusagen im Vorbeigehen entdeckt. Also wird sie ihr Geschäft zum 20. April schließen und mit ihm nach Görlitz umziehen. Dann wird sie die Sachen einpacken und im Mai in der Jakobspassage wieder eröffnen.

Sie wird oft gefragt, ob sie selbst auch umzieht. Das wird nicht passieren, sagt sie ganz klar. Sie und ihre Familie bleiben in Dittersbach wohnen, denn sie fühlen sich dort sehr wohl. Besonders für die beiden Kinder sei es ein ideales Umfeld. Rundum gebe es viel Grün und auch die Großeltern sind vor Ort.

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