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Warum Freital in Rutschen und Planschbecken investiert

Das bisherige Konzept ging nicht mehr auf – und hat die Stadt zunehmend finanziell belastet.

Von Matthias Weigel

Auf den ersten Blick überrascht die Millionen-Investition ins Hains. Denn über die Jahre hatte Freital bewusst auf ein Konzept gesetzt, das vor allem auf eine sportliche Nutzung ausgerichtet war. Ein Spaßbad als finanzielles Fass ohne Boden hatte man bewusst vermieden, als die alte Volksschwimmhalle 1998 saniert und moderat ergänzt worden war. So entstand damals auch im Wesentlichen das Hains mit seinen unterschiedlichen Bereichen.

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Für Freital und seine Stadtwerke TWF ging das Konzept auch bis 2010 auf. Mit dem jährlichen Zuschuss zum Bad über 400 000 Euro konnten beide Seiten planen. Investitionen und Betrieb sicherten die TWF allein ab. Überzogen wurde der Rahmen über die Jahre nie, zuweilen fiel der Betrag sogar geringer aus. 2010/11 aber meldete das Hains erstmals Mehrbedarf an, der auch in den kommenden Jahren mit 470 000 bis 570 000 Euro höher ausfiel.

Das hatte einige Ursachen. Die Betriebskosten waren massiv angestiegen. Allein die Strompreise verdreifachten sich über den Zeitraum – immerhin verbraucht das Hains gut 1,5 Millionen Euro Kilowattstunden pro Jahr, so viel wie über 400 Durchschnittshaushalte. Zwar gelang es, über neue Kurse und Angebote wie Babyschwimmen, oder über Optimierungen, die Erlöse auf zuletzt rund drei Millionen Euro pro Jahr zu steigern. Allerdings gingen auch die Besucherzahlen in der Schwimmhalle zurück, langsam, aber kontinuierlich. Waren es 2004 noch über 100 000 zahlende Gäste pro Jahr, sank die Zahl zuletzt auf rund 79 000. Und diese Tendenz wird wohl weiter anhalten.

Als Gründe dafür ist nicht nur der demografische Wandel auszumachen. Über die Jahre war die Zahl der Mitbewerber in der Region gewachsen – ob Dresden, Pirna, Neustadt, Meißen oder Paulsdorf. Und die hatten mehr im Angebot, gerade was die Zielgruppe, Kinder, Jugendliche und Familien anbelangt. „Und natürlich darf man nicht vergessen, dass auch die Ansprüche und Erwartungen der Menschen gestiegen sind“, sagt Hains-Chef Jörg Schneider. Das Bad habe seine alte Anziehungskraft verloren, das einstige Erfolgskonzept wurde mehr und mehr zum Auslaufmodell.

Nicht auszublenden ist auch der Babyboom in der Region. Dem muss ein Bad mit einem speziellen (Klein-)Kinderangebot begegnen. Und auch die Nutzung der Schwimmhalle vom Vereins- und Schulsport hat so in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Gut 45 000 Besucher sind das noch einmal zusätzlich im Jahr. Mit den aktuellen Gegebenheiten brachte das aber enorme Einschränkungen fürs öffentliche Schwimmen mit sich.

Gelöst werden soll der Engpass nun mit dem Erlebnisbecken, das auch zwei 20-Meter-Schwimmbahnen bietet. So ist in der Regel zwischen 6.30 und 22 Uhr öffentliches Schwimmen möglich, 106 statt derzeit 54 Stunden die Woche. Die alte Schwimmhalle wird bei Vereins- und Schulsport über eine mobile Glaswand abgetrennt – außerhalb dieser Nutzung aber ist sie für alle zugänglich. Auch die Umkleiden für den Schul- und Vereinsport stehen dann allen zur Verfügung.

Mit der Investition will Freital nun die Attraktivität der Stadt und des Badestandortes in der Großregion steigern – und zugleich die Finanzierung und damit letztlich die Existenz des Bades absichern. Gerechnet wird mit rund 600 000 Euro mehr an Einnahmen. Abzüglich der höheren Betriebskosten bliebe ein Fünftel als Gewinn – und damit für die Stadt ein künftig planbarer Zuschuss über gut 500 000 Euro pro Jahr zum Bad. Ohne, so die Prognosen, wären es in fünf Jahren schon fast eine Million Euro gewesen. „Bei den Rutschen, die vom Betrieb her preisintensiv sind, haben wir auch übers Weglassen diskutiert. Aber wir denken, wir brauchen das als Highlight, als Magnet für den Standort“, so Schneider.