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Pirna

Elbsandstein-Riffkiefern gehen baden

Die Sächsische Schweiz zieht im Mini-Format an den Bodensee. Zuvor gingen Förster auf spezielle Baum-Suche.

Revierförster Olav Spengler ist mit diesem Bäumchen fündig geworden.
Revierförster Olav Spengler ist mit diesem Bäumchen fündig geworden. © SZ/Gunnar Klehm

Schon von Weitem hört man die Holzernte-Maschine anrollen. Der Harvester bahnt sich seinen Weg über schmale Forstwege am Zschirnstein im linkselbischen Elbsandsteingebirge bei Schöna. Dann biegt er in eine kleine Schneise ab ins Dickicht und fährt mit Getöse seinen meterlangen Greifarm aus. Passgenau schnappt sich die Maschine das allerkleinste Bäumchen im Umkreis. Ist das nicht etwas übertrieben?

Keineswegs, erklärt Revierförster Olav Spengler. Denn in diesem Fall müssen die Wurzeln - anders als bei gewöhnlichen Forstarbeiten - möglichst unversehrt bleiben. Die kleine Kiefer hat nämlich den Auftrag, in Überlingen am Bodensee für Bad Schandau und die Sächsische Schweiz zu werben.

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Dazu geht das Bäumchen zusammen mit weiteren Exemplaren seiner Art, zwei Sandsteinplatten sowie alten, teilweise bemoosten Ästen auf einer künstlichen Insel baden. Auf dem Rund mit einem Durchmesser von fünf Metern wird die typische Natur des Elbsandsteingebirges nachgestellt. Dazu gehören natürlich Felsen und Riff-Kiefern.

Viele dieser Bonsai-Bäume klammern sich schon hundert Jahre und mehr hoch oben auf den Felsen fest. Sie stehen deshalb unter besonderem Schutz und dürfen keinesfalls herausgerissen werden. Deshalb bat die Stadt den Sachsenforst um Hilfe.

Eine kleine Kiefer mit speziellem Charakter wird aus einem Wald am Zschirnstein geholt.
Eine kleine Kiefer mit speziellem Charakter wird aus einem Wald am Zschirnstein geholt. © Stadt Bad Schandau

So stromerten Revierförster Olav Spengler und ein Praktikant mehrere Tage durch den Wald, um Bäume zu finden, die den Charakter einer Riff-Kiefer haben und an ihrem Standort aus dem Boden geholt werden dürfen. Wo sie suchen mussten, war Spengler klar: auf nahrungsarmen Böden mit wenig Licht. "Wo hier das Pfeifengras wächst, ist es meist ein Indiz dafür, dass darunter eine Felsplatte liegt", sagt Spengler. 

Drumherum wachsen die großen Bäume. Mitten im Gras kämpfen aber auch fünf kleine Kiefern ums Überleben. Und das schon seit Jahren. Der Fachmann zählt kurz die Astringe nach und kommt auf ein Alter von fast 20 Jahren. Dabei ist der Baum höchstens zwei Meter hoch. Der Stamm ist mehrmals gebogen. "Spuren von Wildverbiss gibt es auch", erklärt Spengler. Diese gemeine Kiefer hatte zu kämpfen, ähnlich wie ihre Artgenossen auf den Felsriffen.

Vier Leute  rollten getrennt mit vier Fahrzeugen in den Wald. In Corona-Zeiten soll das so sein. Doch es wurden neben dem Harvester tatsächlich zwei Multicars gebraucht. Zudem war der Revierförster mit seinem Dienstfahrzeug unterwegs. Der Reporter musste laufen.

Auf der einen Multicar-Pritsche wurden die Bäumchen geladen, eingepackt in feuchte Jute-Säcke. Auf dem anderen luden die Schandauer Bauhof-Mitarbeiter Reisig und eine trockene Wurzel auf. Was erst mal wirkt wie Brennholz, geht auch mit auf die Reise nach Überlingen. Das ist Gestaltungsmaterial, das Designer Jürgen Bretschneider persönlich im Wald ausgesucht und mit einem weißen Bändchen markiert hatte.

Das ist kein Müll. Die Äste sollen - künstlerisch bearbeitet - auf einer Mini-Insel im Bodensee für die Sächsische Schweiz werben.
Das ist kein Müll. Die Äste sollen - künstlerisch bearbeitet - auf einer Mini-Insel im Bodensee für die Sächsische Schweiz werben. © SZ/Gunnar Klehm

Am Sonntag ging alles zusammen mit den Bäumchen und zwei schweren Sandsteinplatten in einem Lkw-Transport Richtung Bodensee. Ein Begleitschreiben mit dem Auftrag der Stadt war mit an Bord. In Corona-Zeiten weiß man ja nie.

Die Steinscheiben haben die Sächsischen Sandsteinwerke in Pirna gesponsert. Geschäftsführer Johannes Roßrucker hat eine Außenseite eines Blocks ausgesucht, die bestens die raue, leicht verwitterte Struktur des Elbsandsteins zeigt.

Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack und Johannes Roßrucker (r.) Geschäftsführer der Sandsteinwerke, zeigen die Platten, die nach Überlingen geliefert werden.
Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack und Johannes Roßrucker (r.) Geschäftsführer der Sandsteinwerke, zeigen die Platten, die nach Überlingen geliefert werden. © Stadtverwaltung Bad Schandau

Die Inseln sind Teil der geplanten Landesgartenschau in Überlingen. Zwar ist auch dort nicht damit zu rechnen, dass sie wie geplant im April eröffnet werden kann. Doch sie soll bis in den Oktober laufen, deshalb wird erst mal alles vorbereitet, wie geplant. Die hiesigen Förster haben auch gleich noch ein paar Pflegetipps für die Bäumchen mitgegeben. "Das wird eine Umstellung für die kleinen Bäume sein, wenn sie plötzlich ganz viel Sonnenlicht bekommen", sagt Spengler. Dass die Kiefer in ihrem Alter aber noch mal kräftig ausschlagen und in die Höhe schießen wird, ist eher unwahrscheinlich.

Überlingen ist Partnerstadt von Bad Schandau. Die baden-württembergische Stadt liegt direkt am Ufer des Bodensees. Dort ist zur Gartenschau auch ein u-förmiger Steg geplant, von dem aus die im Wasser schwimmenden Inseln betrachtet werden können. Alles in allem kostet das die Stadt Bad Schandau mit Planung und Transport etwa 15.000 Euro. Das ist gut angelegtes Geld, wenn die avisierten 800.000 Besucher zur Schau kommen. Aber auch danach wird weiter mit dem Mini-Elbsandsteingebirge geworben. Die Insel soll später einen würdigen Platz an Land in Überlingen bekommen.

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