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„Warum gerade ich?“

Manuela Schab traf vor vier Jahren ein privater Schicksalsschlag. Die Görlitzerin ging trotzdem weiter arbeiten. Warum sie jetzt geehrt wurde.

Die Altenpflegerin Manuela Schab wurde jetzt ausgezeichnet, weil sie eine Doppelbelastung gut gemeistert hat.
Die Altenpflegerin Manuela Schab wurde jetzt ausgezeichnet, weil sie eine Doppelbelastung gut gemeistert hat. © Nikolai Schmidt

So richtig kann es Manuela Schab bis heute nicht fassen. Mit Auszeichnungen wurde die Altenpflegerin aus dem Seniorenzentrum Am Stadtpark im Ständehaus in ihrem Leben bisher nicht überschüttet. Und nun durfte sie plötzlich nach Dresden fahren, um dort den Sonderpreis beim Preis „Sachsen, deine besten Pflegekräfte“ entgegenzunehmen. „Warum gerade ich?“, fragt sich Manuela Schab, „es gibt ja so viele, die ihre Arbeit gut machen.“

Da hat sie schon recht, sagt Pflegedienstleiter Andreas Pelz. Letztlich sei sie stellvertretend für das gesamte Team des Wohnbereiches ausgezeichnet worden, das in der schweren Zeit hinter ihr stand und lange Dienste übernommen hat, damit sie die kurzen Dienste machen kann.

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Die schwere Zeit, von der beide sprechen, begann im Juni 2015. Ihr Mann, damals gerade 56 Jahre alt und Berufskraftfahrer, erlitt auf Arbeit einen schweren Schlaganfall – von jetzt auf gleich. „Zum Glück nicht während der Fahrt, sondern im Stützpunkt, wo er schnell gefunden wurde“, sagt Manuela Schab. Dennoch: Er war halbseitig gelähmt, konnte nicht mehr sprechen. „Ich bekam einen Anruf, dass er in Hoyerswerda auf der Intensivstation liegt“, sagt die heute 57-Jährige. Was folgte, war unerfreulich: Drei Wochen Krankenhaus, drei Wochen zu Hause, dann vier Woche Reha. Erst während der Reha kam die Sprache zurück, er lernte wieder laufen und die Hand zu bewegen. Die ersten zweieinhalb Wochen hat Manuela Schab eine Freistellung von ihrer Arbeit im Seniorenzentrum Am Stadtpark erhalten, um bei ihrem Mann in Hoyerswerda zu sein. In dieser Zeit zog sie wieder in ihr altes Kinderzimmer ein: Sie stammt ursprünglich aus Hoyerswerda, begann ihre berufliche Laufbahn in der Kohle, im Tagebau Welzow.

Doch schon zu DDR-Zeiten zog sie nach Polen, weil ihr Mann von dort stammt: „Wir haben damals ein Haus in Lagow gebaut, gleich außerhalb von Zgorzelec.“ Dort leben sie bis heute gemeinsam – und dorthin kam ihr Mann nach dem Krankenhausaufenthalt. „Ich bin nach den ersten Wochen in Hoyerswerda gleich wieder arbeiten gegangen“, sagt Manuela Schab, die im Jahr 2000 eine Umschulung zur Altenpflegerin gemacht hat und jetzt seit 13 Jahren im Ständehaus tätig ist. In der schweren Zeit dauerhaft zu Hause zu bleiben, kam für sie nicht infrage. „Ich habe damals funktioniert und durch die Arbeit wohl auch Ablenkung gehabt“, sagt sie rückblickend. Ihr Arbeitgeber habe sie sehr unterstützt – und sie ihn, indem sie weiter gearbeitet und damit keine Lücken in den Dienstplan gerissen hat. Dafür, dass sie diese Doppelbelastung so gut gemeistert hat, gab es nun die Auszeichnung.

Pflegedienstleiter Andreas Pelz, der damals noch Wohnbereichsleiter und damit direkter Vorgesetzter von Manuela Schab war, hat sie dafür vorgeschlagen: „Für mich war es eine immense Hilfe, dass sie nicht zu Hause geblieben ist.“ Der Preis wird verliehen von der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) Sachsen, um engagierte Pflegekräfte zu würdigen. Pelz erfuhr per E-Mail davon: „Ich habe mir gedacht, da machen wir einfach mal mit.“ Seiner Mitarbeiterin erzählte er nichts – und so fiel sie aus allen Wolken, als sie jetzt kurz vor dem Ende ihres Urlaubs den Anruf bekam, dass sie am nächsten Tag in Dresden ausgezeichnet werden soll: „Ich war total überwältigt, musste mich erst einmal fassen.“

Ihr Sonderpreis besteht aus zwei Übernachtungen für zwei Personen in der Kurklinik Bad Elster sowie diversen Anwendungen in der Klinik. Im Herbst will sie mit ihrem Mann dort hinfahren. Ihm geht es jetzt besser. Er ist Invalidenrentner, kann aber zum Glück wieder Auto fahren und sich selbst versorgen, während seine Frau arbeiten geht. Sie hat ihre Wochenarbeitsstunden inzwischen von 30 auf 35 erhöht, weil seine Rente nicht allzu hoch ist.

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