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Warum gerade jetzt?

In sozialen Medien diskutiert Ramona Gehring seit Jahren fleißig mit. Der Zeitpunkt des Anschlages auf die Zittauerin hinterlässt deshalb einige Fragen.

Ramona Gehring an dem kaputten Fenster, vor dem der Sprengsatz explodiert ist.
Ramona Gehring an dem kaputten Fenster, vor dem der Sprengsatz explodiert ist. © Lausitz-News/Toni Lehder

Ramona Gehring ist für ihre klaren, teilweise provokanten Äußerungen in den sozialen Medien bekannt. Fleißig diskutiert die 55-Jährige mit, wenn es um Flüchtlinge und deren Rettung im Mittelmeer geht, wenn über Klimaaktivisten wie Greta Thunberg gestritten wird oder die Nichtzulassung der AfD-Kandidaten für die kommende Landtagswahl Thema ist. Vor allem in der Facebook-Gruppe "Politik in Zittau" finden sich die meisten ihrer Kommentare. Hier gibt sie bereits seit Jahren ihre Meinung zum Besten. 

Deshalb stellt sich eine Frage: Warum wurde gerade jetzt ein Anschlag auf sie verübt? Darauf hat Ramona Gehring selbst keine Antwort. Aktuelle Anlässe, die eine derartige Wut auf sie vermuten lassen, gibt es nicht. Sie initiierte mal für Flüchtlinge eine Spendenaktion. Das sei allerdings schon einige Jahre her, meint die Zittauerin. Der Infoladen, über den auch Flüchtlinge und Asylbewerber unterstützt wurden, ist seit einiger Zeit nicht mehr aktiv. Er soll aber wieder reaktiviert werden, kündigt Frau Gehring an. Sie habe wieder jemanden gefunden, mit dem sie sich im Infoladen engagieren will. Und das nicht nur für Flüchtlinge. Hier sollen alle Hilfe erhalten, die Hilfe brauchen.

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Aus dem Zittauer Stadtrat, dem sie seit 2014 angehörte, ist sie nun ausgeschieden. Bei der Kommunalwahl im Mai war sie nicht mehr für die Linken angetreten.

Und dennoch scheint Ramona Gehring für manche das Feindbild schlechthin zu sein. So verhasst, dass man vermutlich einen Sprengsatz auf ihr Wohnhaus wirft.

Vor etwa einem Monat erhielt sie eine Nachricht, in der man ihr mitteilte, dass man sie beobachte und wisse, was sie mache. Sie habe diese Nachricht nicht für voll genommen, sagt die 55-Jährige. Bei dem Absender handelte es sich nach ihrer Aussage um einen erfundenen Namen, wer tatsächlich dahinter steckt, konnte sie nicht feststellen. Nach dem Anschlag am Dienstagabend informierte sie die Sonderkommission Rex, in deren Händen der Fall liegt, über die Nachricht. "Sie finden sie auch interessant", sagt Ramona Gehring.

Von Seiten der Polizei ist bisher wenig zu erfahren. Eine politisch motivierte Tat wird aber in Betracht gezogen. Deswegen haben auch die Spezialisten der Soko Rex im Landeskriminalamt und ihre Kollegen vom Görlitzer Staatsschutz-Dezernat die weiteren Ermittlungen übernommen. Zu den bisherigen Erkenntnissen werde man sich aus taktischen Gründen nicht äußern, erklärte eine Sprecherin des LKA am Donnerstagnachmittag. Nur so viel: Es habe einen Zeugenhinweis gegeben, dem die Beamten zur Stunde nachgehen.

Zur Art des Sprengstoffs wollte sich die Polizei noch nicht äußern. SZ-Informationen zufolge soll es sich um einen Böller mit einer großen Sprengkraft handeln.

Einen Fall in dieser Dimension hat es bisher im Bereich der Görlitzer Polizeidirektion nicht gegeben. Es seien zwar schon mehrfach nächtliche Anschläge auf Parteibüros verübt worden, sagt Polizeisprecher Thorsten Jahn. Aber bewusst eine bewohnte Wohnung zum Ziel zu machen, auch im Wissen, dass da jemand drin ist, das sei eine neue Stufe der Gewalt.

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Ramona Gehring hat vor allem Angst um ihre Kinder und Enkel. Der siebenjährige Luca übernachtete bei seiner Oma, als der Anschlag geschah. Ihre Tochter habe jetzt entschieden, dass der Enkel erstmal nicht mehr bei seiner Oma schlafen darf. Ramona Gehring kann die Angst ihrer Tochter verstehen, ist aber auch traurig, da sie ihren Enkel gern bei sich hatte. Polizeischutz wolle sie nicht, erklärt die 55-Jährige. Und die Meinung wolle sie sich auch nicht verbieten lassen, betont die Zittauerin. Eine ihrer jüngeren Äußerungen bei Facebook passt dazu gut: "Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren."

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