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Bischofswerda

Warum gibt's in Schiebock keine Zebrastreifen?

Europaweit bringen die Übergänge mehr Sicherheit für Fußgänger, nur nicht in Bischofswerda. Stadträte machen deshalb jetzt Druck.

Fußgängerüberwege bringen in der Regel einen Gewinn an Sicherheit - nach dem Willen von Stadträten künftig auch vor den Schulen an der Kirchstraße in Bischofswerda.
Fußgängerüberwege bringen in der Regel einen Gewinn an Sicherheit - nach dem Willen von Stadträten künftig auch vor den Schulen an der Kirchstraße in Bischofswerda. © dpa

Bischofswerda. Viele Kinder überqueren mehrmals am Tag die Kirchstraße in Bischofswerda: früh auf dem Weg zur Schule und nach Unterrichtsschluss auf dem Weg zum Hort oder nach Hause. Steht Sportunterricht auf dem Stundenplan,  müssen ganze Schulklassen über diese wichtige Innenstadtstraße, weil sich die Sportanlagen rund 200 Meter entfernt befinden.  Würde ein Zebrastreifen die Sicherheit für Schüler und weitere Fußgänger erhöhen? Stadträte mehrerer Fraktionen sagen vorbehaltlos ja, die Stadtverwaltung äußert Bedenken. 

In einem Schreiben der Verwaltung an die gemeinsame Stadtratsfraktion von Linke und SPD, das Sächsische.de vorliegt, heißt es, Fußgängerüberwege seien "aus verkehrspsychologischer Sicht nicht unumstritten". Gerade Kinder könnten die Situation falsch einschätzen. An sensiblen Einrichtungen wie Kitas oder Schulen sei  das nicht zu unterschätzen, da gerade Kinder darauf vertrauen, dass Autofahrer an einem Fußgängerüberweg anhalten.

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Rein rechtlich ist es zwar so. Aber in der Praxis sieht es mitunter anders aus. Fußgängerüberwege sollten deshalb "nur mit größter Vorsicht unter Abwägung aller Vor- und Nachteile" angeordnet werden. Eine falsche Anwendung könne zu weniger statt zu mehr Sicherheit führen, argumentiert die Stadtverwaltung. 

Stadträte reagieren auf Schulweg-Aktionen

Nach mehreren morgendlichen Schulweg-Aktionen von Stadträten, Stadtverwaltung  und Autoclub Europa (ACE) hatten Linke und SPD  im Stadtrat ein Paket mit Vorschlägen eingereicht,  wie Kinder in Bischofswerda sicherer zur Schule kommen können. Zum Thema Zebrastreifen erklärte die Fraktionsvorsitzende Simone Keimel: "Überall in Deutschland  und Europa schaffen Zebrastreifen Sicherheit, aber in Bischofswerda soll das nicht gehen."  

Von der AfD liegt ein ähnlicher Vorschlag vor. Sie reagierte auf einen Schulweg-Unfall an der Bushaltestelle vor dem Kulturhaus, die vor allem von Grund- und Oberschülern genutzt wird. Die AfD nahm diesen Unfall zum Anlass, Zebrastreifen an der Kirchstraße und am Kulturhaus zu beantragen. Auch hier lehnte die Stadtverwaltung ab.  

Simone Keimel  hält einen Zebrastreifen vor den Schulen an der Kirchstraße nach wie vor für sinnvoll. Ihre Fraktion will deshalb nun den offiziellen Antrag stellen, auf Höhe des Fußgänger-Durchganges vom Parkplatz Zetkinstraße einen Fußgängerüberweg  einzurichten. Dann muss sich der Stadtrat beziehungsweise der zuständige Ausschuss auf einer seiner nächsten Sitzungen mit dieser Frage beschäftigen. 

An der Grundschule Süd hingegen stellt sich die Situation anders dar - schon aufgrund der Steigung der Straße, sagt Simone Keimel. Darauf verweist auch die Stadtverwaltung. Und sie nennt weitere Gründe, die aus ihrer Sicht gegen einen Zebrastreifen an dieser Stelle sprechen: die unmittelbar daneben liegende Bushaltestelle, die Zufahrt zu einem Parkplatz, die Feuerwehrzufahrt zur Schule und Pkw-Stellplätze am Straßenrand.   

Hohe Anforderungen an einen Fußgängerüberweg

In der Region ist Bischofswerda eine der wenigen Städte, wo es keinen einzigen Zebrastreifen gibt. Schon vor Jahren scheiterten Stadträte mit dem Vorschlag,  auf der Neustädter Straße in Höhe Lidl einen solchen Überweg zu errichten. Auch dort hätte er Sinn, da viele ältere Menschen aus dem Wohngebiet die Straße überqueren, wenn sie einkaufen gehen.  

In Bautzen gibt es vier solcher Übergänge, zum Beispiel am Gesundbrunnenring und in den Schilleranlagen. "An Kreisverkehren gehören Fußgängerüberwege zur Regel-Ausstattung. Demnach sind auch an den beiden Kreisverkehren Schliebenstraße und Allendestraße die sogenannten Zebrastreifen zu finden",  sagt Laura Ziegler vom Amt für Pressearbeit und Stadtmarketing. In Großröhrsdorf findet man einen Zebrastreifen am Gymnasium. Für den Großröhrsdorfer Ortsteil Bretnig gibt es Pläne, an der Straße nach Pulsnitz einen sicheren Überweg für Fußgänger  zu errichten. 

Richtiges Verhalten mit Kindern üben

Die Anforderungen an einen Zebrastreifen sind hoch.  Er muss beleuchtet und barrierefrei sein. Mindestens 10.000 Euro kostet es, einen solchen Übergang zu schaffen. Hinzu kommen strenge Verwaltungsvorschriften, etwa eine Mindestzahl an Fußgängern und Fahrzeugen, die einen solchen Übergang rechtfertigen, sagt Ilko Keßler, Regionalvorsitzender des ACE Ostsachsen. Jeder Fall müsse gesondert betrachtet werden.

Andreas Becht, Schulwegexperte  beim ACE, hält das Argument der Bischofswerdaer Stadtverwaltung, Kinder könnten sich an einem Fußgängerübergang in trügerischer Sicherheit wägen, für nicht stichhaltig. "Eltern müssen mit ihren Kindern den Schulweg trainieren. Dazu gehört auch, das richtige Verhalten am Zebrastreifen zu üben. Eben, dass man nicht gleich los läuft, sondern erst mal am Straßenrand stehen bleibt und schaut."

Eine denkbare Alternative zu einem Zebrastreifen könne eine Fußgängerampel sein, sagt Andreas Becht. Die wäre allerdings noch teurer. Doch es gibt auch dafür ein Beispiel. Am Pulsnitzer Rathaus wurde der Zebrastreifen durch eine solche Ampel ersetzt und damit die Sicherheit für Fußgänger noch weiter erhöht.

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