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Warum gibt es so wenig Frauen in der Politik?

Im Kreistag und in Stadträten sieht es mau aus. Doch von einer Frauenquote halten die meisten hier nichts.

Allein unter Männern fühlen sich wohl einige politisch aktive Frauen im oder in Stadträten. Von 98 Kreisrätinnen und Kreisräten sind beispielsweise nur 14 weiblich. Ähnlich sieht es in den Stadträten zwischen Königsbrück und Rödertal aus.
Allein unter Männern fühlen sich wohl einige politisch aktive Frauen im oder in Stadträten. Von 98 Kreisrätinnen und Kreisräten sind beispielsweise nur 14 weiblich. Ähnlich sieht es in den Stadträten zwischen Königsbrück und Rödertal aus. ©  dpa

Kamenz/Bautzen. Wie kann ich mich politisch engagieren, ohne im Hinterkopf den Gedanken zu haben, die Quotenfrau zu sein? Es ist eine Frage, die sich Stadträtin Elisabeth Hauswald schon öfter gestellt hat. Eine, die sie ärgert. Eine, über die sie auch schon mit ihrer Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer gesprochen hat. Denn es ist ein Dilemma: Hauswald engagiert sich als Stadträtin, Quoten gefallen ihr eigentlich nicht. Und doch besteht das Problem. Ein Blick auf die Zahlen macht es ganz deutlich: Lokalpolitik ist in Männerhand.

Im Kreistag ist es so: Nur 14 Frauen stehen den 84 männlichen Kreisräten gegenüber. Von 45 CDU-Kreisrätinnen und Kreisräten sind beispielsweise nur drei weiblich. Von den 17 Linken-Abgeordneten sind immerhin fünf Frauen. In den Stadträten der Region Kamenz sieht es ähnlich mau aus. Bürgermeister ausgeklammert sind in Kamenz vier von 25 Räten Frauen. In Großröhrsdorf zählen 5 von 25 Abgeordneten zum weiblichen Geschlecht. Wobei allein drei die Bretnig-Hauswalde-Fraktion stellt, die es künftig nicht mehr in der Form geben wird. In Elstra liegt der Frauenanteil bei zwei Abgeordneten in Pulsnitz bei drei von 19.

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Debatte neu auf dem Tisch

Stadträte, der Kreistag, der Landtag: Es ist die Aufgabe von Parlamenten, die Gesellschaft abzubilden, um die Interessen der Bevölkerung zu vertreten. Aber ist das möglich, wenn eines der Geschlechter kaum vertreten ist? „Grundsätzlich sollten Frauen und Männer gleichermaßen über alle Themen nachdenken“, findet Maria Michalk, ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Frauen Union im Kreis. Dass bestimmte Themen mehr von Männern oder Frauen bearbeitet werden, sieht sie nicht unbedingt. Dennoch besteht das Problem: „Unsere Gesellschaft ist bunt, besteht aus Männern und Frauen. Sind zu wenig Frauen in den Parlamenten, ist eben nicht die Gesellschaft widergespiegelt.“ Nur wie könnte man das ändern? Diese Debatte ist angesichts der vielen anstehenden Wahlen wieder auf den Tisch geholt worden. In Brandenburg, zum Beispiel, wird gerade ein Gesetzentwurf mit dem Titel „Parité-Gesetz“ diskutiert. Der Entwurf sieht vor, dass 50 Prozent der Landtagsabgeordneten weiblich sein sollen. Und auch die konservative CDU hat das Thema im sächsischen Landtag für sich entdeckt und besetzt jetzt jeden zweiten Listenplatz bis zum 20. Platz mit einer Frau.

Familienfreundlichere Sitzungszeiten

Könnte eine Quote also helfen? „Um Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Politik und Wirtschaft auch umzusetzen, wird aus meiner Sicht eine verbindliche Frauenquote von 50 Prozent benötigt“, findet die Kamenzerin Marion Junge, Kreisvorsitzende der Linken. Ihre Partei versucht, das umzusetzen allerdings gibt es Ausnahmen. Junge wirft ein: „Auf der kommunalen Ebene gibt es häufig zu wenige Frauen, die für die Parlamente kandidieren.“ Es ist ein Problem, das sich durch die Bank weg abzeichnet. Von einem Frauenüberschuss berichtet keine der Parteien auf Kreis-Ebene, im Gegenteil. „In den vergangenen 24 Monaten sind nur zwei Frauen unserer Partei beigetreten“, sagt Mike Hauschild (FDP). „Wir würden nicht genügend Frauen finden“, sagt er. Ähnlich geht es der SPD, den Grünen und auch der CDU.

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„Vielen ist das Amt zu viel Arbeit“, erklärt Maria Michalk. Für viele Frauen sei das Amt mit einer hohen Belastung durch Familie und Beruf verbunden. Um mehr Frauen dazu zu bringen, sich in der Politik zu engagieren, schlägt sie vor: Die Sitzungszeiten müssten familienfreundlicher werden, Politiker müssten interessierten Frauen Mut machen. Kurz darauf wirft aber auch Michalk ein: „Wir reden seit den 1990er-Jahren darüber. Es ist frustrierend, denn es hat sich seitdem nicht viel geändert.“

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