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Bautzen

Warum gibt’s keinen Superfahrschein, Herr Harig?

Ein einheitliches Ticket von Görlitz bis Dresden - das wollte der Bautzener Landrat. Jetzt findet er eine Alternative besser.

Bautzens Landrat Michael Harig hofft auf ein günstiges Sachsen-Ticket mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat.
Bautzens Landrat Michael Harig hofft auf ein günstiges Sachsen-Ticket mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Noch immer verläuft die Tarifgrenze zwischen den Verkehrsverbünden Oberelbe (VVO) und Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) quer durch den Landkreis Bautzen. Im VVO zahlen Fahrgäste nach Tarifzonen, im Zvon nach Entfernung. Bautzens Landrat Michael Harig (CDU) wollte das ändern. Die Gelegenheit schien günstig – Vorsitzender des Zvon ist er ohnehin, im Herbst 2016 wählte ihn auch noch der VVO zum Verbandschef. Erst schwebte Harig eine Fusion der Verbünde vor, dann wollte er bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 zumindest einen gemeinsamen Fahrschein für VVO und Zvon. Warum auch das nicht klappte und welchen Fortschritt es trotzdem gibt, erklärt er im SZ-Gespräch.

Herr Harig, hatten Sie sich das mit dem gemeinsamen Nahverkehrsfahrschein zu einfach vorgestellt?

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Mir war schon klar, dass das für die Mitarbeiter in beiden Verkehrsverbünden ein hartes Stück Arbeit würde. Zwei grundsätzlich verschiedene Tarife unter einen Hut zu bekommen, das glich schon irgendwie der Quadratur des Kreises. Natürlich hatten wir alle die Hoffnung, im Interesse der Fahrgäste eine Lösung zu finden. Die haben wir ja nun auch, wenngleich sie anders aussieht als ursprünglich gedacht und nur als Übergangslösung dienen kann.

Sie meinen den Kompromiss mit dem Katzensprung-Ticket der Länderbahn. Bevor wir darauf zu sprechen kommen, erklären Sie doch bitte, welche anderen Möglichkeiten geprüft wurden.

Ich möchte voranstellen, dass wir ja nicht beim Punkt null gestartet sind. Für die Inhaber von Zeitkarten gibt es ja bereits einen Übergangstarif von VVO und Zvon, der für die Bahnstrecken zwischen Dresden und Görlitz sowie Zittau gilt. Für Buslinien haben wir die Regelung getroffen, dass entweder der VVO- oder der Zvon-Tarif zu zahlen ist. Nun wollten wir den Übergangstarif auch auf Einzelfahrscheine und Tageskarten ausweiten. Dazu wurden fünf verschiedene Varianten untersucht.

Die da waren?

Eine Variante war, für die Preisgestaltung auch das Zvon-Gebiet in Tarifzonen zu gliedern. Innerhalb des Zvon wäre es bei der Berechnung nach der Entfernung geblieben, für Fahrten zwischen beiden Verbünden hätte es überall Tarifzonen wie im VVO gegeben. Doch das hätte uns als Landkreis Bautzen etwa 1,2 Millionen Euro jährlich an Zuschuss gekostet. Auch noch mit 900.000 Euro Zusatzkosten verbunden gewesen wären die Varianten zwei und drei. Da hätten die Fahrpreise von VVO und Zvon addiert werden müssen, plus ein Zusatz-Anteil für den Übergang zwischen den Verbünden. Die vierte Variante ist die, auf die in Sachsen alle warten: ein einheitlicher Sachsen-Tarif mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat. Da wir aber nicht wissen, wann dieser Tarif kommt, haben wir uns letztlich für die von uns untersuchte fünfte Variante entschieden.

Das Katzensprung-Ticket?

Richtig. Das bietet die Länderbahn ja schon einige Jahre an, und es wird gern gekauft. Das Katzensprung-Ticket gilt derzeit ab 9 Uhr und nur für Züge. Wir sind mit der Länderbahn in guten Gesprächen, diese Einschränkungen auszuweiten. Also, dass es auch für eine Anschlussfahrt vor und nach der Zugfahrt gilt. Ich möchte das mal an einem Beispiel erklären. Wer jetzt aus Bautzen-Gesundbrunnen zu einem Konzert in der Dresdener Messehalle möchte, braucht drei Fahrscheine: einen für den Stadtbus in Bautzen, einen für die Zugfahrt, einen für die Straßenbahn oder den Stadtbus in Dresden. Künftig soll das Katzensprung-Ticket für die gesamte Reisestrecke gelten.

Was meinen Sie mit „künftig“?

Unser Ziel ist, damit im April 2020 zu starten. Bis dahin sind, wie gesagt, noch einige Abstimmungen und Gespräche nötig. Aber wir sind guter Dinge, dass das klappt.

Was kostet das Katzensprung-Ticket?

Für Fahrten zwischen Bautzen und Dresden oder zwischen Wilthen und Dresden kostet es derzeit 16 Euro. Zwischen Bischofswerda und Dresden sind es elf Euro. Der Preis gilt auch, wenn nicht die ganze Strecke ausgereizt wird. Wer also von Seitschen oder Neukirch nach Dresden möchte, kann das auch für 16 Euro. Der Clou an diesem Ticket ist, dass es auf der gebuchten Strecke unbegrenzt gilt. Sie können also theoretisch damit vormittags von Bautzen bis Dresden-Hauptbahnhof fahren, zwischendurch mal nach Radeberg, wieder nach Dresden, zurück bis Bischofswerda, erneut bis Dresden und spätabends wieder nach Bautzen – alles für 16 Euro.

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