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Görlitz

Wie Gemeinderatswahl auf dem Dorf läuft

Wahlplakate, Wahlkampf – alles Fehlanzeige. Auf dem Land hat eine Gemeinderatswahl eigene Gesetze. Das zeigt sich auch in Vierkirchen.

Symbolbild
Symbolbild ©  dpa

Mit bunten Pappen bestückte Laternen. Einladungen zum Hexenfeuer, zum Tanz und anderen Veranstaltungen hängen an den Masten. Kein einziges Wahlplakat dazwischen. Die sucht man in Melaune und umliegenden Dörfern aktuell vergebens. Wobei die Parteien in Vierkirchen, zu dem Melaune gehört, so oder so bei der Kommunalwahl kaum eine Rolle spielen.

Die Gemeinde setzt auf parteilose Kandidaten. Hier treten – bis auf eine Kandidatin der SPD – ausschließlich Wählervereinigungen an. Die tragen ähnlich klingende Namen. Es gibt eine „Freie Wählervereinigung Arnsdorf-Hilbersdorf“, eine „Aktive Wählervereinigung Döbschütz/Melaune/Prachenau“ und eine „Wählervereinigung Buchholz/Tetta“. „Wir wählen nach Gesicht“, erklärt dazu Ilona Richter aus Melaune. Wichtig sei, dass man sich kennt. „Hier müssen die Bewerber auch nicht Klinken putzen gehen“, sagt Frau Richter, die selbst im Gemeinderat saß. Die „große Politik“ habe sich noch nie aufs Dorf bemüht, so Frau Richter weiter. Zumindest nicht bis nach Melaune. Wozu sollte da ein Wahlkampf im Kommunalen nützen? Der sei eigentlich nicht notwendig. Das bestätigt Gemeinderat Udo Gleisenberg. In der Gemeinde wüssten die Leute, wer sich für was engagiert. Da brauche es keine Plakate der Kandidaten. Udo Gleisenberg gehört zu den dienstältesten Ratsmitgliedern. Einen Wahlkampf zwischen den Wählervereinigungen gebe es ebenso wenig wie einen Fraktionszwang. „Wir machen das in Buchholz/Tetta so, dass das Programm unserer Wählervereinigung zur Wahlversammlung vorgestellt wird“, sagt er.

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Ilona Richter ist Inhaberin von „Richters Kaufpunkt“. Im Laden tauscht man sich aus. Auch über Probleme, die die Dörfer betreffen. Nach der Wende seien viele junge Leute aus Vierkirchen in den Westen gegangen. „Die fehlen hier nun und kommen nicht zurück“, nennt Frau Richter einen Knackpunkt. Dabei hat der kleine Ort einiges zu bieten: beispielsweise Kindergarten, Jugendscheune, sanierte Straße, Wassermühle, Kirche, Einkaufsladen und sogar ein Eisstadion. Für die ehemalige Hausärztin fand sich dagegen kein Nachfolger. „Ich habe die Kassenärztliche Vereinigung angeschrieben. Da hieß es, wir seien überversorgt“, schüttelt Frau Richter den Kopf.

Die Ladentür bimmelt. Herein kommt Dennis Tschirner. Dem Wehrleiter brennt einiges unter den Nägeln. Die große Politik einerseits, mit der er unzufrieden ist. Aber auch die kleine Politik: Kameraden für die Feuerwehr zu gewinnen beispielsweise. „Das ist ein Problem“, sagt er. Die Tageseinsatzbereitschaft für Melaune und die zugehörigen Ortsteile stünde auf dem Spiel. „Wären wir noch weniger Leute, müssten wir mit der Wehr Arnsdorf/Buchholz zusammen gehen“, erklärt Dennis Tschirner. Die Feuerwehr hat beim Gerätehaus einen Zettel aufgehängt. „Wir suchen Sie“, steht da drauf. Und auch, dass sich Interessenten bei der Bürgermeisterin melden können. Das ist Andrea Weise. Sie arbeitet ehrenamtlich. Vor ihrer Amtszeit machte das Horst Brückner. Der durfte kein Vierkirchener Bürgermeister mehr sein. Denn Brückner war gleichzeitig Bürgermeister von Waldhufen. Der Freistaat sah darin einen Interessenkonflikt. Andrea Weise setzte sich 2016 durch. In ihrem Heimatort tagt der Gemeinderat. Melaune, das kleine Zentrum der Kommunalpolitik. Neue Leute wollen ab dem 26. Mai im Gemeinderat mitmischen. 16 Bürger bewerben sich aus allen Ortsteilen insgesamt für einen Ratssitz – die Hälfte von ihnen Neulinge. Bis auf eine Ausnahme kandidieren alle für eine der drei Wählervereinigungen. Dazu kommen noch 19 Kandidaten für die Ortschaftsräte, von denen sich ein Teil gleichzeitig für den Gemeinderat bewirbt. Ob noch die Wahlwerbetrommel von Parteien zur Europawahl auf den Dörfern gerührt wird, kann Frau Weise noch nicht sagen. „Anmeldungen für die Wahlplakate laufen über die Verwaltungsgemeinschaft Reichenbach“, sagt sie.

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