merken
PLUS

Warum kommen die Bäume weg?

Auf dem Schulgelände in der Pestalozzistraße werden 20 Bäume gefällt. Die Stadt hat eine Erklärung dafür.

Arbeiter fällen die Bäume auf dem Schulcampus in Radebeul-Ost. Dort sollen der Pausenhof und die Sportflächen für rund 735 000 Euro neu gemacht werden. Bürger und Naturschützer kritisieren die Rodungen. Doch laut der Stadt geht es nicht anders.
Arbeiter fällen die Bäume auf dem Schulcampus in Radebeul-Ost. Dort sollen der Pausenhof und die Sportflächen für rund 735 000 Euro neu gemacht werden. Bürger und Naturschützer kritisieren die Rodungen. Doch laut der Stadt geht es nicht anders. © Arvid Müller

Radebeul. In der Pestalozzistraße kreischen die Kettensägen. Arbeiter fällen die Bäume auf dem Außengelände von Schillerschule und Lößnitzgymnasium in Radebeul-Ost. Bis zum Ende der Winterferien sollen insgesamt 20 große und kleinere Exemplare vom Schulareal verschwinden. Etliche Stämme sind schon gefallen, die Einzelteile werden auf einen Lkw-Hänger verladen und abtransportiert.

Doch warum das Ganze? Die Stadt hatte im Vorfeld der Rodungen angekündigt, dass die Bäume im Zuge der Neugestaltung des Schulhofes gefällt werden. Eine Nachricht, die etliche Radebeuler verärgert. „Furchtbares Zeichen an die Kinder“, schreibt ein SZ-Leser bei Facebook. Und ein anderer ergänzt: „Man kann alte Bäume nicht einfach ersetzen, die brauchen Jahrzehnte, um wieder diese Größe und Leistungskraft zu erreichen.“

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

Auch Sylvia Preißler von der Radebeuler Regionalgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) meldet sich zu Wort. „Sicherlich gibt es viele Radebeuler, die es traurig macht, dass erneut Bäume in Radebeul gefällt werden“, schreibt sie an die SZ. Auch die Ankündigung der Stadt, sieben neue Bäume und viele Sträucher zu pflanzen, findet sie nicht ausreichend. „Neu gepflanzte Strauchgehölze ersetzen nie den Wert der genommenen Bäume, ersetzen nie den verlorenen Sauerstoff und Schatten.“ Bäume sollten ein wichtiger Bestandteil für unsere Kinder, Enkel und weitere Generationen sein, findet die Boxdorferin.

Aus Sicht der Stadt sind die Rodungen aber dringend notwendig. Schon in den 90er-Jahren, als auf dem Gelände eine neue Laufbahn errichtet wurde, wiesen sie wegen der starken Hofnutzung Schäden auf, sagt Heike Funke, Leiterin des Sachgebietes Stadtgrün. In den folgenden Jahren sei der Zustand immer schlechter geworden. „Die Wurzeln der Bäume hoben entlang der Laufbahn den Belag an“, so Funke.

Jetzt, da der Schulhof mitsamt Sportplatz saniert wird, soll dieser Zustand nicht mehr bleiben. Abgesehen davon, seien die Schäden an den Bäumen inzwischen so groß, dass sie nicht mehr erhalten werden können. „Die Bäume würden eine nochmalige Veränderung im Wurzelbereich nicht überstehen“, sagt Heike Funke. „Daher wurde alles abgewogen und entschieden, die Bepflanzung neu zu gestalten und neuen Bäumen von vornherein genügend Raum zu geben.“ Neben den Ersatzpflanzungen auf dem Schulhof sollen auch neue Straßenbäume kommen.

Das Thema Baumrodungen erregt nicht nur beim Schulcampus an der Pestalozzistraße die Gemüter. Auch in der Clara-Zetkin-Straße in Radebeul-Ost sind Anwohner verärgert über Baumfällungen. Dort wird von der Besitzgesellschaft der Stadt gerade eine alte Jugendstilvilla saniert und im Zuge der Bauarbeiten sind große, alte Bäume vom Grundstück verschwunden, darunter eine hochgewachsene Douglasie, berichtet Nachbarin Katja Schleicher. „Das war ein wunderschöner, riesiger Baum“, sagt die Radebeulerin. Besonders ärgert sie, dass alle Bäume gefällt wurden, auch solche, die gesund waren und weit weg von der Hausfassade standen. „Man hat nicht den Eindruck, dass mit Augenmaß vorgegangen wurde “, sagt sie.

Von der Stadt wird dazu erklärt, dass der Garten zum Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht. Daher könnten die freien Bäume gefällt werden. Das betreffe in diesem Fall Nadel- und Obstgehölze, Nuss- und Walnussbaum und Bäume, deren Umfang in einem Meter Höhe weniger als ein Meter beträgt. Für die alten Bäume seien umfangreiche Nachpflanzungen geplant.

Große Baum-Aufregung hatte es vor gut eineinhalb Jahren auch bezüglich der Bahnhofstraße gegeben. Damals kam als eine von mehreren möglichen Varianten der Vorschlag auf, die alten Bäume zu fällen, um mehr Raum für Parkplätze zu schaffen. Das wurde von vielen Radebeulern vehement abgelehnt. Unbekannte hängten sogar Protestzettel an den Stämmen auf. Bei einer Befragung auf der Straße nannten viele Passanten die großen Bäume als Stärke der Straße, die unbedingt erhalten bleiben soll. Gerade arbeitet die Stadt zusammen mit einem Stadtplanungsbüro an einem neuen Konzept für die Umgestaltung der Einkaufsstraße.

Baumfällungen nur noch bis Ende Februar erlaubt

Weiterführende Artikel

Bäume können auf Schulhof stehen bleiben

Bäume können auf Schulhof stehen bleiben

Eigentlich sollte die Oberschule Mitte in Radebeul schon längst einen neuen Pausenhof haben. Nun ist die Finanzierung für 2021 gesichert.

An der Meißner Straße, auf dem Schulhof von Schiller- und Pestalozzischule und auch in Wohngebieten fallen derzeit Bäume. Das liegt daran, dass Rodungen außerhalb des Waldes nur in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 28. Februar genehmigungsfrei erlaubt sind. Ab dem 1. März beginnt laut Sächsischem Naturschutzgesetz die Vegetationszeit der Bäume. Damit soll sichergestellt werden, dass wildlebenden Tieren genügend Lebensraum zum Verweilen, zur Fortpflanzung, zum Unterschlupf, aber auch als Futter und Nistmaterial zur Verfügung stehen.

Mehr lokale Nachrichten unter:
www.sächsische.de/meissen
www.sächsische.de/radebeul