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Warum Lockerungen der Pferdebahn kaum helfen

Die Eröffnung der Döbelner Pferdebahnsaison ist ausgefallen. Und auch das Museum ist nur eingeschränkt geöffnet.

Bilder aus besseren Tagen: Im vergangenen Jahr besuchte eine dänische Reisegruppe die Stadt, fuhr mit der Pferdebahn und besuchte das Museum.
Bilder aus besseren Tagen: Im vergangenen Jahr besuchte eine dänische Reisegruppe die Stadt, fuhr mit der Pferdebahn und besuchte das Museum. © Lars Halbauer/Archiv

Döbeln. Eigentlich hätten die Pferdebahner Anfang Mai wie jedes Jahr ihre Saison eröffnet. Aber der historische Pferdebahnwagen des Vereins ist in der Corona-Krise noch kein einziges Mal gefahren. Und es ist auch noch nicht absehbar, wenn es soweit sein wird.

„Der Fahrbetrieb ist derzeit völlig ausgeschlossen“, sagte der Vereinsvorsitzende Jörg Lippert. „Wegen der Abstandsregeln könnten versetzt drei Personen im Pferdebahnwagen sitzen. Mit Fahrer wären das vier Leute. Damit schaffen wir nicht einmal ein Viertel der Kapazität. Finanziell ist das sinnlos“, sagte er. „Wenn uns jemand 280 Euro für einen Wagen zahlt, könnten wir fahren.“

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Für den Verein ist die Situation finanziell ein Fiasko. „Wir hätten diesen Monat viele Fahrten, manchmal zwei bis drei am Tag. Der Mai wäre richtig gut gelaufen“, sagte Lippert. Und selbst wenn der Verein mit mehr Leuten fahren könnte, wäre das keine Lösung. „Wir sind fast ausschließlich auf Touristen angewiesen. Die würden nicht kommen“, sagte Lippert.

Auch beim Deutschen Pferdebahnmuseum fährt der Verein auf Sparflamme. Nach den ersten Lockerungen hatte er noch von einer Wiedereröffnung abgesehen. „Der Aufwand wäre enorm gewesen. Das hätte uns 7.000 Euro gekostet für drei Besucher am Tag. Deshalb haben wir entschieden, dass wir nicht aufmachen“, sagte der Vorsitzende. 

Nach weiteren Lockerungen sei die Situation jetzt entspannter. Der Verein hat Plaxiglan-Schutzwände aufgestellt – das Material sei ohnehin für einen anderen Zweck schon angeschafft worden, sagte Lippert. Desinfektionsmittel hatte die Beiersdorf AG spendiert.

Museumsbesuch nur nach Anmeldung

Allerdings wird das Museum auch jetzt noch nicht in den Regelbetrieb zurückkehren. Museumsbesuche sind nur auf telefonische Anmeldung hin möglich. „Bei drei Besuchern am Tag brauchen wir noch nicht aufzumachen“, sagte Lippert. Der Museumsbetrieb wird durch Mitglieder abgesichert, die im Ruhestand sind und deshalb Zeit haben. „Ohne diese Bereitschaft würde es nicht gehen“, sagte Lippert.

Eine finanzielle Hilfe hat der Verein nicht zu erwarten. „Das ist eine Ungerechtigkeit, die ich nicht verstehen“, sagte Lippert. In Bedrängnis bringen die Ausfälle den Verein indessen noch nicht. „Zwei bis drei Monate schaffen wir das. Wir haben Rücklagen. Aber ein ganzes Jahr würde es nicht gehen“, so Lippert. Auch die Sponsoren hielten zur Stange, sodass zumindest einige Grundkosten abgedeckt sind.

Lippert schaut aber recht optimistisch in die Zukunft. Es gebe schon viele Anmeldungen für Fahrten im kommenden Jahr. Von Reiseunternehmen, die dieses Jahr absagen mussten. Und der Verein kann eine größere Investition realisieren. 

Der alte reparaturbedürftige Lift, der das Museum behindertengerecht macht, kann gegen einen neuen ausgetauscht werden. Der Verein bekommt für die 15.000-Euro-Investition Fördermittel vom Landkreis aus dem Programm „Lieblingsplätze.“ Gerade einmal 500 Euro müssen die Pferdebahner selbst aufbringen, sagte Lippert.

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