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Warum Meißener auf Wind im Wald setzen

Die Strompreis-Debatte setzt die Windenergiebranche unter Druck. Die Firma UKA geht deshalb ungewöhnliche Wege.

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Von Christoph Scharf

Jahr für Jahr steigt der Strompreis – nicht zuletzt wegen der starken Förderung erneuerbarer Energien. Die Bundesregierung plant deshalb, das Ausbautempo grüner Energien zu drosseln, um den Strom bezahlbar zu halten. Die geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sorgt in der Windkraft-Branche für Unruhe. Ein bekannter Vertreter sitzt auch in Meißen: das Unternehmen Umweltgerechte Kraftanlagen, kurz UKA. Im Bürogebäude gegenüber des Bahnhofs lässt man sich vom drohenden Gegenwind allerdings nichts anmerken. „Wir sind schon häufigere Novellen des EEG gewohnt“, sagt Prokurist Polo Palmen. „Und wir sind jedes Mal weiter gewachsen.“ Tatsächlich ist aus dem Betrieb mit anfangs drei Mitarbeitern mittlerweile ein Unternehmen mit knapp 270 Beschäftigten geworden, von denen rund die Hälfte noch immer in Meißen sitzt.

Die anderen arbeiten vor allem in Cottbus und Rostock: Dort hat die Gesellschaft, die sich seit 15 Jahren mit der Projektierung, dem Bau, Verkauf und Betrieb von Windparks beschäftigt, neue Standorte geschaffen. Der Grund ist einfach: Windräder sind in Brandenburg oder Mecklenburg deutlich mehr gefragt, als im heimischen Sachsen. „Am Wind liegt das aber nicht“, sagt Wieland Zeller der als Prokurist bei UKA für den Bereich Technik zuständig ist. „Sachsen hat im Deutschland-Vergleich ganz ordentliche Windverhältnisse. Und beim Ausbau der Netz-Infrastruktur steht der Freistaat sogar weit vorn.“ Dennoch ist es gut ein Jahrzehnt her, dass die Meißner das letzte Projekt in der Heimat realisiert haben. „Wir haben den Fokus auf Bundesländer gelegt, die Windenergie-freundlicher sind“, sagt Wieland Zeller. „Die Frage ist einfach, was politisch gewollt ist.“

Brandenburg zum Beispiel will: Dort ist es mittlerweile auch möglich, Windparks mitten in Wälder hinein zu setzen. Nicht weit hinter der Landesgrenze hat UKA gleich mehrere Projekte zu laufen – etwa bei Finsterwalde. Acht Windräder werden aktuell gebaut, am Ende sollen dort mehr als 20 stehen. „Die Gemeinde wollte, dass wir die Anlagen in den Wald stellen. Dort stören sie keinen“, sagt Wieland Zeller.

Windräder im Wald? Für viele ist das eine merkwürdige Vorstellung. Man denkt an alte Buchen, Eichhörnchen und Spechte. Wie soll das zusammenpassen? Ingenieur Zeller sieht da kein Problem. „Wir reden hier nicht von naturnahen Forsten, sondern von reinen Wirtschaftswäldern.“ Nur solche sind für den Bau von Windanlagen freigegeben. Zuvor schauen die Behörden, ob der Naturschutz, der Artenreichtum oder eine besondere Bedeutung des Walds dagegen sprechen. „Man muss keine Angst haben, dass etwa mitten in der Sächsischen Schweiz plötzlich Windräder aufgestellt werden“, sagt Henrik Oliver von Oehsen, bei UKA für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Monotone Nadelwälder allerdings bietet Brandenburg genug. In so einem entstand 2012 auch der erste Wald-Windpark des Meißner Unternehmens – bei Calau, nahe der Autobahn A 13.

So ein Standort im Wald bietet einen weiteren Vorteil: einen guten Sichtschutz zu den Anwohnern. Stehen die Windräder mitten zwischen den Bäumen, sind sie aus der Nähe kaum zu entdecken. Erst aus der Ferne sieht man die Rotoren hoch über den Spitzen der Nadelbäume – kein Vergleich etwa zum Windpark am Katzenberg im Kreis Meißen, wo UKA seine ersten Anlagen errichtete. Denn auch wenn sich eine Mehrheit der Deutschen für erneuerbare Energien ausspricht – vor der Haustür möchte niemand einen der oft weit mehr als 100 Meter hohen Kolosse stehen haben.

Kein Wunder, dass sich regelmäßig Bürgerinitiativen bilden, wenn in der Nähe von Ortschaften neue Windparks geplant sind. Auch im Kreis Meißen ist da noch Bewegung zu erwarten: Zu den bestehenden 67 Anlagen sollen noch 23 weitere kommen – so viele Anträge liegen dem Landkreis aktuell von verschiedenen Unternehmen vor. Auch UKA hat noch einiges vor. Zwischen Ostsee und Sachsen wollen die Meißner dieses Jahr 83 Windkraftanlagen bauen – nach Angaben des Unternehmens reicht das aus, um etwa 200 000 Drei-Personen-Haushalte zu versorgen. „Wenn man die Energiewende will, führt an Windkraftanlagen an Land kein Weg vorbei“, sagt Prokurist Polo Palmen.