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Warum Motorradfahren in Sachsen verboten bleibt

Der frühere MZ-Chef Martin Wimmer fordert freie Fahrt. Denn in anderen Bundesländern ist die trotz Corona möglich.

Was in anderen Bundesländern erlaubt ist, geht in Sachsen nicht: Die Ostertour mit dem Mottorrad fällt aus.
Was in anderen Bundesländern erlaubt ist, geht in Sachsen nicht: Die Ostertour mit dem Mottorrad fällt aus. © dpa

Anfang April startet für gewöhnlich die Motorradsaison. Die Bikes sind geputzt, das Wetter passt perfekt. Doch Ausfahrten mit dem Motorrad sind in Sachsen verboten – auch über Ostern. So will es die Corona-Schutzverordnung für den Freistaat, nach der das Verlassen der häuslichen Unterkunft ohne triftigen Grund nicht gestattet ist. „Lediglich für den Weg zur Arbeit ist das Motorrad erlaubt“, erklärt Katharina Strack, Sprecherin des Sozialministeriums.

Das stößt bei vielen Bikern auf Unverständnis. Denn in den meisten Bundesländern sind Ausfahrten auch in Corona-Zeiten gestattet – so dabei die allgemeinen Abstandsregeln eingehalten werden. ADAC-Jurist Stefan Bergmann erklärt den Unterschied: „In Ländern, die nur ein Kontaktverbot verhängt haben, sind Biketouren zum reinen Freizeitvergnügen möglich.“ Das gelte aber nicht für Länder mit Ausgangsbeschränkungen, wie Sachsen und Bayern. 

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Der frühere MZ-Chef und Grand Prix Rennfahrer Martin Wimmer hält das Verbot für „Unsinn“. In einem offenen Brief an die Ministerpräsidenten von Sachsen und Bayern fordert er „freie Fahrt für Motorradfahrer“. Denn die seien durch den Helm geschützt – besser als durch eine Gesichtsmaske. Und besser als die vielen Radfahrer, die am Wochenende nicht nur an der Elbe unterwegs waren. „Fahrradfahren gehört zu den festgelegten Ausnahmen – nämlich Sport und Bewegung an der frischen Luft“, dazu Ministeriums-Sprecherin Strack. Motorradfahren dagegen sei ein Hobby, das über die Grenzen des Wohnumfeldes hinausgehe. Es signalisiere vor allem den Menschen auf dem Land, dass die Beschränkungen zwar für sie gelten, nicht aber für Motorradfahrer, die aufgrund der Lautstärke und Gefährlichkeit ohnehin keine große Akzeptanz besäßen.

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Laut Innenministerium Sachsen wird die Polizei gerade angesichts des frühlingshaften Wetters über Ostern die Einhaltung des Verbots kontrollieren – besonders an beliebten Ausflugszielen. „Verstöße können mit einem Bußgeld von 150 Euro geahndet werden“, sagt Sprecher Jan Meinel. Denn Motorradfahren sei eine Risikosportart, so Katharina Strack. Unfälle könnten Rettungskräfte und Krankenhäuser belasten, deren Ressourcen jetzt geschont werden müssten.

Einen Anspruch auf Rückerstattung von Kfz-Steuer und Versicherung haben Motorradfahrer laut ADAC-Anwalt Bergmann aber nicht.

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