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Warum Polen Löbauer Häuser lieben

Investoren aus dem Nachbarland sanieren in der Altstadt. Einer erzählt, was ihn an der Stadt so fasziniert - und was ein Landsmann mit einem besonderen Löbauer Haus vorhat.

Der Polin Aleksandra Nowak gehört ein Haus in der Rittergasse.
Der Polin Aleksandra Nowak gehört ein Haus in der Rittergasse. © Matthias Weber

Die Fassade strahlt in hellem Blau, Fenster und Türen sind grün. Ein echter Farbtupfer in der Schulgasse ist das frisch sanierte Haus. Dass es einmal so aussehen könnte, war vor einigen Monaten noch undenkbar. Da war die Fassade des Hauses mit der Hausnummer 8 einsturzgefährdet, musste sogar mit einem Gerüst notdürftig abgesichert werden. Der Landkreis hatte das angeordnet, zum Schutz von Passanten. "Das Haus war schon zu einer Gefahr geworden", erzählt der heutige Besitzer. Der Mann stammt aus Polen und die Schulgasse 8 ist nicht sein erstes Bauprojekt in Löbau. 

Der Mann aus Krakau, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte, gerät ins Schwärmen, wenn er von Löbau spricht. Die schöne Innenstadt mit den historischen Häusern, den barocken Fassaden - ein Traum. "So etwas gibt es nicht oft." Und in seiner Heimat Polen, sagt er, seien solche geschichtsträchtigen Häuser unbezahlbar. 

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Er hat selbst mit seiner Familie einige teils marode Häuser in der Stadt am Berge gekauft und saniert, vermittelt aber auch Bauprojekte an Landsleute. So haben bereits weitere Investoren in Löbau saniert. Ein Umstand, den die Stadtverwaltung mit Freude sieht. Rund zweieinhalb Millionen Euro haben polnische Investoren in den letzten fünf Jahren in Löbau investiert, schätzt Bauamtsmitarbeiter Scheibler von der Löbauer Stadtverwaltung. 

"Wir haben mehr ausländische Investoren als deutsche", stellt der Bauamtsmitarbeiter fest. Auch Tschechen und Türken beispielsweise hätten bereits in Löbau Häuser gekauft. Bauherren können Fördermittel aus dem Städtebauförderprogramm (städtebaulicher Denkmalschutz) nutzen, wenn ihre Häuser im festgelegten Fördergebiet liegen. Das Geld, so Scheibler, ist dazu da, die Innenstadt zu verschönern und auch mit mehr Leben zu füllen. Denn mit den sanierten Wohnungen ziehen auch wieder mehr Menschen ins Zentrum. 

Keine Angst vor großen Herausforderungen

Kontakte nach Löbau, so erzählt der Bauherr aus Krakau, pflegt er schon seit 30 Jahren. Der Mann, der als Projektleiter für Denkmalschutzsanierungen auch viel in Deutschland arbeitet, hat einen Geschäftspartner in Löbau, der mit Bauchemikalien handelt. So lernte er die Stadt kennen - und verliebte sich in die historischen Häuser. 

Auch vor großen baulichen Herausforderungen schreckt er nicht zurück. Fast alle Häuser, die er selbst in Löbau sanierte, waren in äußerst marodem Zustand. Aber ihn reizt es, sagt der Denkmal-Experte, solche scheinbaren Ruinen zu retten und wieder mit Leben zu füllen. 

Die Schulgasse 8 war so eine Herausforderung. "Das Haus war eigentlich abbruchreif", erzählt der Bauherr. Nun ist es als letztes im Viertel um die Johannisstraße und die Schulgasse saniert worden. 

Auch ein schwieriger Fall, dessen der Pole sich angenommen hat: die Johannisstraße 1 gleich neben dem Technischen Rathaus. Auch dessen Zustand war ein Desaster, schildert der Investor. "Die Statik war problematisch." Sämtliche Decken mussten ausgetauscht werden, in den Jahrhunderten und Jahrzehnten zuvor waren drei Decken übereinander eingezogen worden. Heute sind in dem sanierten Haus drei hochwertige Wohnungen, eine davon in den zwei obersten Geschossen erstreckt sich über 140 Quadratmeter und zwei Etagen. 

Diese Häuser sind schon saniert:

Der letzte Schandfleck im Viertel glänzt wieder mit heller Fassade und grünen Türen und Fenstern: die Schulgasse 8 ist bald bezugsfertig. 
Der letzte Schandfleck im Viertel glänzt wieder mit heller Fassade und grünen Türen und Fenstern: die Schulgasse 8 ist bald bezugsfertig.  © Matthias Weber
Das Eckhaus an der Johannisstraße war jahrelang verfallen, jetzt ist es wieder schick und bewohnt. 
Das Eckhaus an der Johannisstraße war jahrelang verfallen, jetzt ist es wieder schick und bewohnt.  © Matthias Weber
Die sechs Wohneinheiten im sanierten Haus an der Äußeren Zittauer Straße waren sehr gefragt. 60 Mietinteressenten haben sich gemeldet. 
Die sechs Wohneinheiten im sanierten Haus an der Äußeren Zittauer Straße waren sehr gefragt. 60 Mietinteressenten haben sich gemeldet.  © Matthias Weber

Dass auch in Löbau viel Wohnungsleerstand herrscht, macht ihm keine Sorgen. Sein Rezept: "Ich baue die Wohnungen so, dass ich selbst auch darin wohnen würde", sagt der Mann aus Krakau. Die Leute wollen heute lieber individuell wohnen, weiß er. Mit Rauhfasertapete und einfachen, weißen Fliesen im Bad würde man keine Mieter locken. Er setzt deshalb in seinen Mietwohnungen auf Farbe, viele Details und auch mal ungewöhnliches Design.

Die Nachfrage nach den sanierten Wohnungen gibt ihm und seinen Landsleuten Recht. Für das Mehrfamilienhaus an der Äußeren Zittauer Straße 50, das ein Verwandter des Krakauers gekauft und saniert hat, hätten sich für die sechs Wohnungen 60 Mietinteressenten gemeldet. 

"Man muss sich ein bisschen Mühe geben und auch Seele ins Haus stecken", sagt der Denkmal-Experte aus Polen. Mit der Vermietung habe er jedenfalls keine Probleme. In der Rittergasse hat ebenfalls eine Polin investiert. Auch diese Wohnungen wurden gut angenommen, die vier Wohnungen und ein Ladengeschäft sind vermietet - obwohl mit 5,50 Euro Kaltmiete der Mietsatz etwas über dem Mietspiegel liegt. So liegt er in Löbau aktuell im Durchschnitt bei 4,73 Euro pro Quadratmeter, hat das Internetportal Wohnungsbörse.net ermittelt. Zum Vergleich: Deutschlandweit liegt der Durchschnitt bei 8,71 Euro pro Quadratmeter. 

Der Bauherr aus Krakau erklärt, warum polnische Investoren auf Löbaus Immobilienmarkt so aktiv sind: "In Polen ist der Immobilienmarkt ganz anders aufgebaut." Im Nachbarland gebe es nur wenige potenzielle Mieter. Die meisten Leute wollen lieber Wohneigentum. Ein großes Haus zu kaufen und die einzelnen Wohnungen dann zu vermieten, dieses Modell funktioniert in Polen also nicht so gut. Daher investieren finanzkräftige Bauherren gern hier. 

Und noch etwas motiviert die östlichen Nachbarn hier zu investieren: die unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Behörden. Da schließt der Pole vor allem das Denkmalschutzamt und die Stadtverwaltung ein. Absprachen und Termine seien stets kurzfristig möglich, Dinge ließen sich unkompliziert regeln, kleine Probleme würden schnell abgewickelt. Das sei in Polen undenkbar. "Wir haben nur gute Erfahrungen in Löbau gemacht." 

Weitere Projekte stehen an

Polnische Investoren planen derweil noch mehr Sanierungen in Löbau. Auf der Inneren Zittauer Straße sollen demnächst die Häuser mit den Hausnummern 11 und 13 saniert werden. Fast 1.000 Quadratmeter haben sie zusammen, rund 1,4 Millionen Euro wird die Sanierung kosten. Von den Investitionen würden auch einheimische Baufirmen profitieren. Oft beschäftigen die Polen Unternehmen aus der Region. 

In der Rittergasse sollen zwei weitere historische Häuser saniert werden und an der Äußeren Bautzner Straße sind mehrere der leerstehenden Häuser im Plan. Auch das ist so ein Problemviertel, wo man sich im Rathaus freut, dass es nun hier Bewegung gibt. Die Stadt hat hier jüngst ein neues Fördergebiet ausgewiesen, damit Bauherren auch von Fördermitteln profitieren können und das Areal nahe Löbaus Zentrum aufgewertet wird.

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Vor Jahren kündigte ein Investor den Umbau zum Hotel an. Dieses Jahr soll sich endlich etwas tun. Zuvor gibt es Veränderungen an einem anderen Gebäude am Theaterplatz. 

Durch die Kontakte des Krakauers könnte bald auch ein ganz besonderes Löbauer Haus aus dem Dornröschenschlaf aufgeweckt werden. Das Gewandhaus am Theaterplatz sowie das gegenüberliegende Gebäude, das bisher den Klub Klinik beherbergte, hat ein Landsmann aus Lodz erworben. Er möchte aus dem Gelände ein Boutique-Hotel machen. Dazu habe der Investor durchaus das Know-how: Er sei bereits in der Hotel- und Gaststättenbranche tätig, betreibe mehrere Hotels und Lokale. Das Projekt stehe aber noch ganz am Anfang.

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