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Zittau

Warum Robert Habeck im Regen steht

Der Bundesvorsitzende der Grünen ist als Wahlkampfhelfer nach Zittau gekommen. Seinen Dienstplan wollte er nicht über den Haufen werfen.

Robert Habeck, der Bundes-Chef der Grünen ist als Wahlhelfer für Franziska Schubert nach Zittau gekommen - bei jedem Wetter.
Robert Habeck, der Bundes-Chef der Grünen ist als Wahlhelfer für Franziska Schubert nach Zittau gekommen - bei jedem Wetter. ©  Rafael Sampedro

Mit Robert Habeck kommt der Regen. Kaum ist der Bundesvorsitzende der Grünen an diesem Dienstagnachmittag am Zittauer Tierpark aus dem Auto gestiegen, gießt es auch schon in Strömen. Auch das noch! Tierpark-Direktor Bernd Großer, der schon eine Weile ziemlich aufgeregt wartet, hatte doch so einen schönen Rundgang geplant. Und er hat sich an diesem Dienstagnachmittag extra ein weißes Hemd und Jackett angezogen, um den hohen Besuch zu begrüßen. Ausgerechnet in den Tierpark wollte er kommen, der Herr Habeck. Das ist doch eine Ehre für Großer und sein Team.

Robert Habeck kommt lässig in Jeans und Blouson. Der 49-Jährige gilt ja auch so ein bisschen als der Rockstar unter den Bundespolitikern. Aber laut ist er ganz und gar nicht. Dafür sehr interessiert an dieser Einrichtung, die über Mittel aus dem Kulturraum finanziert wird. Kultur-Gelder für einen Tierpark? Habeck will das ganz genau wissen. Vom Sächsischen Kulturraumgesetz hatte der Bundespolitiker, der aus Flensburg ganz am anderen Ende Deutschlands stammt, noch nie etwas gehört. So ein Gemeinschaftswerk zur Finanzierung von Kultureinrichtungen, das gibt es ja auch nur in Sachsen.

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Robert Habeck lässt sich das genau erklären. Er muss ja auch einiges nachholen. Erst kürzlich hatte er in einem SZ-Interview gesagt, dass er sich bisher viel zu wenig für den Osten interessiert habe. Im östlichsten Osten hat er nun viel Gelegenheit zu erfahren, wie es den Leuten hier geht, und was sie denken. Er ist als Wahlkampfhelfer für seine Parteifreunde gekommen, die um jede Stimme für die Landtagswahl kämpfen - für Franziska Schubert zum Beispiel, die in Görlitz antritt, und die ihm den Tierpark-Besuch vorgeschlagen hatte.

Zittaus Tierparkdirektor Bernd Großer (Mitte) erklärt dem Bundesvorsitzenden der Grünen Robert Habeck (rechts) das Konzept der Einrichtung, die mit Mitteln des Kulturraums finanziert wird.
Zittaus Tierparkdirektor Bernd Großer (Mitte) erklärt dem Bundesvorsitzenden der Grünen Robert Habeck (rechts) das Konzept der Einrichtung, die mit Mitteln des Kulturraums finanziert wird. ©  Rafael Sampedro

Tierpark-Besuch? Bei dem Wetter? Bernd Großer schlägt vor, sich ins Trockene zurückzuziehen. Aber Habeck schüttelt energisch den Kopf: "Kommt, wir ziehen das jetzt durch", sagt er und stapft energisch durch die Pfützen voraus. Loris füttern, das wollte er immer schon mal machen. Zum Glück flattern auch die 45 bunt schillernden Vielfarben-Loris freiwillig in den strömenden Regen. "Tierpark", sagt Habeck, "das klingt irgendwie viel freundlicher als Zoo." Er findet es toll, was die Zittauer hier machen, vor allem für Kinder: Spielerisches Lernen und grünes Klassenzimmer, Feriencamps und Kindergeburtstage mit Niveau. "Das ist ja dann tatsächlich Kultur", sagt der Grünen-Politiker.

Robert Habeck und die anderen in der Runde haben sichtlich Spaß beim Lori-Füttern. Beinahe hätten sie dabei den nächsten Termin verpasst, der auf dem Wahlkampfprogramm in Zittau steht: Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) will ihm die Zittauer Kulturhauptstadtbewerbung vorstellen. Auf diesem Gebiet kennt Habeck sich aus. Das dänische Sønderborg auf der anderen Seite der Grenze zu seiner Heimatstadt Flensburg hatte vor zwei Jahren eine Bewerbung abgeliefert, die am Ende gescheitert ist. Es habe eben nicht gereicht, sich nur darauf zu verlassen, so eine Bewerbung alleine mit einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu begründen.

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Umso interessierter hört er sich an, wie die Zittauer das machen wollen. Und ist sehr beeindruckt. Vor allem über den Elan und den Tatendrang, die er in der kleinen Runde erlebt. "Ich erlebe das sehr besonders hier in Zittau", sagt er mit echter Anerkennung. Er habe zwar nur eine Dreiviertelstunde Zeit gehabt, sich in der Stadt umzusehen, erzählt er, aber das, was er gesehen habe, habe ihn sehr beeindruckt. "Ich habe viel Tolles in Zittau gesehen, aber auch noch viel Potenzial." Das passt ja gut für die Kulturhauptstadtbewerbung.

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