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Warum Sachsen beim Bildungsmonitor vorn ist

Zum 15. Mal belegt der Freistaat im bundesweiten Vergleich den ersten Platz. Doch es gibt auch Nachholbedarf.

Viertklässler einer Grundschule melden sich während des Unterrichts.
Viertklässler einer Grundschule melden sich während des Unterrichts. © Frank Molter/dpa (Symbolbild)

Sachsen ist auch in diesem Jahr im bundesweiten Ländervergleich der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wieder Klassenbester bei der Bildung – zum 15. Mal hintereinander. Im „Bildungsmonitor 2020“ landen Bayern, Thüringen, Hamburg, Baden-Württemberg und das Saarland hinter dem Freistaat auf den weiteren Plätzen. Am Ende der Rangliste steht Sachsen-Anhalt, vor Bremen, Brandenburg und Berlin. Was der Bildungsmonitor bewertet.

Wer bringt den Bildungsmonitor raus?

Die jährliche Vergleichsstudie wird vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag der Lobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft durchgeführt. Die Initiative wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert. Damit orientieren sich die Studien an den Bedürfnissen von Unternehmen.

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Welche Kriterien zählen?

Die Studie bewertet anhand von zwölf Handlungsfeldern und 93 Indikatoren die Bildungssysteme der Bundesländer – gesucht wird das aus Sicht der Initiative „leistungsfähigste“ – quasi eine betriebswirtschaftliche Dimension. Es zählt, „inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beträgt und Wachstum fördert“, heißt es. 

Ausgewertet wird neben dem Leistungsstand der Schüler unter anderem, wie viel Geld ein Bundesland pro Schüler ausgibt, wie das Verhältnis Lehrer-Schüler zahlenmäßig aussieht, wie hoch der Anteil jüngerer Lehrer ist und die Schul- und Ausbildungsabbrecherquote. Das ist auch der Grund, warum Sachsen-Anhalt in diesem Jahr Schlusslicht ist. Die Schulabbrecherquote sei „erschreckend hoch“ und die Sicherung der Lehrkräfteversorgung besonders schwierig.

In welchen Bereichen ist Sachsen vorn?

Sachsen wird unter anderem für seine Förderinfrastruktur und die Schulqualität gelobt. Im Freistaat werden überdurchschnittlich viele Kinder in den Kindertageseinrichtungen und Grundschulen ganztags betreut. So besuchten 87,4 Prozent der Grundschüler im Jahr 2018 eine Ganztagsschule, im Bundesdurchschnitt sind es nur 42 Prozent. 

Auch bei den kleinen Kindern ist Sachsen vorn: 2019 gingen von den Drei- bis Sechsjährigen 82,3 Prozent der Kinder ganztägig in eine Kita. Nur in Thüringen ist die Quote noch höher. In Baden-Württemberg besuchen nur 25 Prozent der Kinder ganztags eine Kita, in Niedersachsen und Bayern sind es etwa ein Drittel der Kinder. Positiv wurde auch bewertet, dass viele Erzieher einen Hochschulabschluss haben und der Anteil der Ungelernten am Personal vergleichsweise niedrig ist.

Für die Schulqualität zählen die Ergebnisse der letzten IQB Schulleistungstests. In der Kompetenzerhebung für die Neuntklässler aus dem Jahr 2018 erreicht Sachsen in Mathematik und in den Naturwissenschaften jeweils den ersten Platz. Punkte sammelte Sachsen auch, weil viele Berufsschüler Fremdsprachen lernen.

Wo gibt es Nachholbedarf?

Mangelnde Teilhabechancen, Knappheiten an Lehrkräften, fehlende digitale Ressourcen seien deutschlandweit die offensichtlichsten Probleme, hieß es. In Sachsen gibt es besonders in der beruflichen Bildung Defizite. Ein Grund sei die Zahl der Ausbildungsplätze: 2019 war in Sachsen rechnerisch für nur 59,6 Prozent der Schulabgänger eine betriebliche Ausbildung möglich – zu wenig, heißt es in der Studie. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 68,1 Prozent. 8,1 Prozent der Bewerber bekommen keinen Ausbildungsplatz. Auch die Zahl derjenigen, die keinen Schulabschluss schaffen, ist immer noch zu hoch: 2018 lag die Schulabbrecherquote bei 8,6 Prozent, bundesweit waren es 6,6 Prozent.

Im neuen Schuljahr 2020/21 spiele vor allem die Digitalisierung eine große Rolle. Für den Fernunterricht muss der Zugang zum schnellen Internet in ländlichen Regionen ausgebaut werden, heißt es. Die Schulen brauchen entsprechende Ausstattung, die Lehrer eine Weiterbildung. Schülerinnen und Schüler ohne eigenes Equipment sollten leihweise mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden.

Welche Kritik gibt es am Bildungsmonitor?

Der Deutsche Lehrerverband bemängelt schon seit Jahren, dass die Bildungssysteme nach den Vorstellungen der Wirtschaft beurteilt werden – es zählten nicht nur nachvollziehbare Leistungskriterien. Der Anteil von Ganztagsangeboten sage etwa nichts über deren Qualität aus oder ob er im jeweiligen Bundesland bedarfsdeckend sei oder nicht. In westdeutschen Bundesländern werden traditionell weniger Kinder betreut.

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Auch die Zahl der Ausbildungsplätze ist nur wenig aussagekräftig. Schließlich macht etwa ein Drittel der Schüler in Sachsen Abitur und strebt damit ein Hochschulstudium an. Im Bildungsmonitor werden außerdem entscheidende Kriterien nicht untersucht: Es zählen für die Schulqualität nur die Kompetenztests, aber nicht wie durchlässig das Schulsystem ist, wie viele Kinder in einer Klasse sitzen, welche Chancen Kinder mit Migrationshintergrund im Schulsystem haben oder wie viele Sozialarbeiter an den Schulen tätig sind.

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