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Warum Sachsen kein Zentralabitur einführen will

Sollen alle Abiturienten die gleichen Prüfungen schreiben? Sachsen sagt nein, plädiert aber für mehr Gemeinsamkeiten.

Bildung fällt in den Kompetenzbereich der Bundesländer – das führt zu unterschiedlichen Anforderungen und Aufgaben in den Abiturprüfungen.
Bildung fällt in den Kompetenzbereich der Bundesländer – das führt zu unterschiedlichen Anforderungen und Aufgaben in den Abiturprüfungen. © dpa

Die Lösung lautet: Zentralabitur. „Ein Abitur auf Landesebene macht genauso wenig Sinn, wie dass jeder Provinzfürst seine eigene Währung druckt“, sagt OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. „Am Ende bewerben sich die Schüler um die gleichen Hochschulen und Ausbildungsplätze.“ Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung organisiert unter anderem die internationale Schul-Vergleichsstudie Pisa.

Nach Beschwerden über angeblich zu schwere Matheprüfungen in mehreren Bundesländern, diskutiert Deutschland über ein einheitliches Abitur für alle. Das soll innerhalb von fünf bis zehn Jahren eingeführt werden, fordert Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Am Ende müsse es nicht nur deutschlandweit dieselben Prüfungsaufgaben, sondern auch einheitliche Regeln dafür geben, welche Fächer ins Abitur eingebracht würden. Unterstützung bekam sie von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU): Die Vorstellungen gingen „in die richtige Richtung“. Auch Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU) hat sich für eine Vereinheitlichung der bundesweiten Abiturprüfungen ausgesprochen. Das Ziel müsse letztlich ein „inhaltlich zentral vorgegebenes Abitur“ sein.

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Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sieht den Vorschlag kritisch. „Ein Einheits-Abitur, mit identischen Aufgaben an einem gemeinsamen Tag, ist derzeit unrealistisch“, sagte er. Es wäre ein Kompromiss auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, „ein Einheits-Abitur-light“. „Das ist mit Sachsen nicht zu machen! Das sächsische Abitur steht für eine hohe Leistungserwartung und ein Qualitätsversprechen.“.

Zuvor hatte schon Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Forderungen nach einem Zentralabitur eine klare Absage erteilt. „Ein Zentralabitur wird es auf keinen Fall mit Bayern und der CSU geben“, sagte er. Sachsen und Bayern belegen mit Thüringen und Baden-Württemberg seit Jahren die vorderen Plätze in Vergleichsstudien der Schulsysteme.

Bildung fällt in den Kompetenzbereich der Bundesländer – das führt zu unterschiedlichen Anforderungen und Aufgaben in den Abiturprüfungen. In den vergangenen Jahren gab es allerdings Bemühungen um mehr Vergleichbarkeit. „Die Länder stehen in der Verantwortung, nach mehr Gemeinsamkeiten im deutschen Bildungssystem zu streben“, sagt Sachsens Kultusminister. Die Bürger würden zu Recht eine Vergleichbarkeit der Abschlüsse erwarten.

Gleiche Aufgaben in sieben Ländern

Sachsen setzt sich seit Jahren innerhalb der Kultusministerkonferenz für die Entwicklung und Nutzung gemeinsamer Aufgaben ein. In diesem Jahr mussten zum dritten Mal Schüler aus allen 16 Bundesländern in ihre schriftlichen Abiturprüfungen Aufgaben aus dem gemeinsamen Pool lösen. In Mathematik, Deutsch und Englisch schreiben Schüler aus Sachsen, Bayern, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zur selben Zeit mit identischen Aufgaben oder Aufgabenteilen das Abitur. „Wir müssen hier weiter schrittweise vorgehen, da die Unterschiede in den einzelnen Bundesländern zu groß sind“, sagt Christian Piwarz. Er appelliere an alle Länder, die Nutzung des gemeinsamen Abitur-Aufgabenpools konsequent umzusetzen.

Doch die Länder legen die Absprachen unterschiedlich aus: Einige Länder verwenden nur Aufgaben aus dem Pool, andere verwenden sie nur teilweise oder gar nicht. In diesem Jahr haben Hamburg, Bremen und Saarland nach den Beschwerden über den Schwierigkeitsgrad des Matheabiturs sogar die Bewertungen korrigiert. „Das ist nicht konsequent“, sagt Piwarz. „Unser gemeinsames Ziel für mehr Vergleichbarkeit bei den Prüfungen wird damit torpediert.“ Er forderte alle Länder auf, sich für „die Manöverkritik“ an einen Tisch zu setzen.

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Nach Ansicht des Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Alexander Lorz, ist ein Zentralabi keine Lösung. Der CDU-Politiker und hessische Bildungsminister verteidigte den gemeinsamen Aufgabenpool. Die Aufgaben hätten vergleichbare Anforderungen und müssten deshalb nicht zwingend identisch sein. Es brauche Zeit, bis der Aufgabenpool seine Wirkung entfalten könne, sagte Lorz. (mit dpa)

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