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Warum Schwimmen jung hält

Hannelore Büttner aus Reichenbach ist so alt wie das Freizeitbad. Auch heute schwimmt sie regelmäßig ihre Runden.

Von Constanze Junghanß

Mit ihren fast 80 Jahren schwimmt Hannelore Büttner Runde um Runde im Reichenbacher Bad. Die agile Seniorin ist hier bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Nicht nur, weil sie genauso viele Lebensjahre zählt wie die beliebte Freizeiteinrichtung. Sondern, weil sie jahraus jahrein hierher zum Schwimmen kommt. „Zum Wasser zieht es mich von Kindesbeinen an“, erzählt die Rentnerin mit französischen Vorfahren.

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Geboren wurde Hannelore Büttner in Reichenau, dem heutigen Bogatynia. Der Vater arbeitete als Auslandskorrespondent. Die Mutter als Schererin in einer Weberei. Für sechs Kinder und Vollbeschäftigung fiel die Freizeit der Eltern knapp aus. „So ging ich mit meinen jüngeren Geschwistern im Sommer ins Freibad, lehrte ihnen sozusagen das Schwimmen von klein auf“, erinnert sie sich. Die Liebe zum Wassersport blieb ihr bis heute. Hannelore Büttner wurde Lehrerin, später arbeitete sie als Erzieherin im ehemaligen Reichenbacher Internat. Mit ihren Schulklassen ging es bereits seit Anfang der 1970er Jahre ins Freibad Reichenbach. Erinnerungen daran sind fest im Kopf verankert: „Damals sah hier einiges noch ganz anders aus.“ So gab es früher noch einen Drei-Meter-Sprungturm. Auch Frau Büttner sprang hier so manchen „Köpper“ nach unten. Der Turm wurde jedoch wegen der geringen Wassertiefe abgebaut. Statt der heutigen drei Becken mit Kleinkindbereich und Rutsche bestand die Anlage aus einem einzigen Großbecken. Das änderte sich mit der Sanierung 1994.

„Ebenso gab es damals keine Wasseraufbereitungsanlage. Wer viel baden ging, hatte Grünstich im Haar“, schmunzelt sie. Der kam vom Chlor. Eine genaue Dosierung war nämlich nicht möglich. Das Chlorgranulat wurde in Eimern ins Wasser geschüttet, um Keimen und anderen Verunreinigungen vorzubeugen. Heute passiert das automatisch und einen Grünschopf muss niemand mehr befürchten.

1994 änderte sich für Hannelore Büttner der persönliche Bezug zum Bad. Da war sie 64 Jahre alt und seitdem ehrenamtliche Betreuerin der Badegäste als Bauaufsicht. Zeit zum selber Schwimmen blieb da weniger. „Gemeinsam mit der damaligen Schwimmmeisterin der Anlage zogen wir unsere Bahnen noch vor den Öffnungszeiten“, erzählt sie. Schwere Unfälle mit Todesfolge wären in dieser Zeit keine passiert. Aber brenzlige Situationen habe es manchmal gegeben. Vor allem, wenn sich Badegäste überschätzten. Aus dem beliebten Strudelkanal musste sie so manchen Schwimmer, der seine Kraft und seine Fähigkeiten zu hoch eingeschätzt hatte, herausholen. Auch der Krankenwagen wurde manchmal gerufen. Allerdings nicht, weil Leute untergegangen waren. Sondern wegen allergischer Reaktionen auf Insektenstiche, zu hohem Alkoholkonsum in der prallen Sonne oder weil sie sich auf der Skaterbahn Knochenbrüche zuzogen.

Noch heute geht Hannelore Büttner dreimal die Woche ins Bad. Beim Brustschwimmen schlägt sie in der Ausdauer so manchen Jungspund. Bis zu 15 Bahnen schwimmt sie noch. Das sind immerhin 375 Meter am Stück. Und dafür ist das kontinuierliche Training auch notwendig. „Wer rastet, der rostet“, lautet das Motto der 80-Jährigen. Denn schließlich fühle sie sich immer noch als „Wasserratte“, auch wenn sie seit einer schweren Operation im Vorjahr keine Badaufsicht mehr macht. Die Augen werden trotzdem immer offen gehalten, um im Notfall Hilfe anzubieten.