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Warum sie den Dresdner "Tatort" verlassen hat

Alwara Höfels erklärt, was ihr am Konzept nicht gepasst hat. Jetzt ist sie im ZDF mit Dieter Hallervorden zu sehen.

Alwara Höfels als Trixi im ZDF-Film "Mein Freund, das Ekel"
Alwara Höfels als Trixi im ZDF-Film "Mein Freund, das Ekel" © ZDF/Conny Klein

Es klang nach Zoff hinter den Kulissen, als die Schauspielerin Alwara Höfels Ende 2017 verkündete, dass sie keine Lust mehr hat auf den "Tatort" aus Dresden: "Unterschiedliche Auffassungen zum Arbeitsprozess und ein fehlender künstlerischer Konsens haben dazu geführt, dieses renommierte Format zu verlassen, da ich meine Verantwortung als Künstlerin ansonsten gefährdet sehe", so damals ihre etwas umständliche Begründung. Inzwischen hat die Dresdner Schauspielerin Cornelia Gröschel als Kommissarin Leonie Winkler die Nachfolge angetreten. Worin genau die "unterschiedlichen Auffassungen" bestanden, blieb aber bislang unklar.

Jetzt hat Alwara Höfels in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung etwas konkreter erklärt, was ihr damals nicht gepasst hat: "Für mich war der 'Tatort' zu wenig Abbild der Dresdner Gesellschaft", sagte sie. "Man erkannte die Stadt nicht wieder. Nach vielen Kämpfen um die einzelnen Drehbücher und Themen musste ich dann einfach gehen."

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Mit Blick auf den jüngsten Dresdner "Tatort", der vor zwei Wochen zu sehen war, scheint sich Höfels Kritik zu bestätigen: Dresden als Ort war in dem Krimi fast gar nicht mehr zu erkennen. Allerdings wurde gerade diese Folge von den meisten TV-Kritikern und von vielen Zuschauern überschwänglich gelobt als besonders gelungen und spannend.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärte Höfels zu ihren Differenzen: "Für mich war es notwendig, das so klar anzusprechen." Sie glaube, die Zuschauer wären ihr auf Dauer "auf die Schliche gekommen", weil sie gespürt hätten, dass sie nicht hinter ihrer Arbeit steht. Ein Kompromiss sei für sie nicht infrage gekommen, auch wenn der "Tatort" für Schauspieler als sichere Bank gilt. "Für meinen Lebensweg war die Entscheidung am Ende richtig", sagt sie.

An diesem Donnerstag ist Höfels zusammen mit Komiker Dieter Halllervorden in dem ZDF-Film "Mein Freund, das Ekel" zu sehen. Darin spielt Hallervorden den pensionierten Lehrer Olaf Hinz, der im Rollstuhl sitzt - und eigentlich nur rummeckert. Hintz lebt in einer schönen Altbauwohnung, verbessert selbst die Rechtschreibung von Graffitisprayern und mag Kirschstreuselkuchen. Den besorgt normalerweise seine Schwester, aber die hat die Faxen langsam dicke und will auf Kreuzfahrt gehen. Deswegen sucht sie eine Haushaltshilfe.

Trixi (Alwara Höfels) und "Ekel" Olaf (Dieter Hallervorden)
Trixi (Alwara Höfels) und "Ekel" Olaf (Dieter Hallervorden) © ZDF/Conny Klein

Die Abmachung: Jemand kann mit in der Wohnung wohnen, muss dafür aber den Haushalt erledigen. Für die alleinerziehende Mutter Trixi, gespielt von Alwara Höfels, ist das eine perfekte Gelegenheit. Gut, sie kommt zwar zum Vorstellungsgespräch erst mal zu spät. "Wir haben auf Sie gewartet", sagt Hintz' Schwester. "Ja scheiße, ick weiß", sagt Trixi. "Meine Ablöse im Café ist nicht gekommen. Und mein Chef, das Arschgesicht.... die Wohnung ist weg, wa?"

Nein, die Wohnung ist noch nicht weg, und so zieht sie mit ihren drei Kindern bei Hintz ein. Dass der das alles andere als lustig findet, kann man sich denken. Ein wenig erinnert die Komödie von Regisseur Marco Petry an den Kinohit "Ziemlich beste Freunde". Die Geschichte ist zwar recht absehbar, aber Höfels und Hallervorden geben ein gutes, überzeugendes Duo auf dem Fernsehbildschirm ab.

Das liegt auch daran, dass man eher selten Typen wie Trixi sieht: Ziemlich schlagfertig und fleißig, herzlich und keine typische Bildungskarriere. Irgendwann räumt sie ein, dass sie nicht lesen und schreiben kann. Höfels, die mal "Tatort"-Kommissarin war, kann ihrer Figur viel abgewinnen: "Es ist eine Frau aus der Mitte unserer Gesellschaft, die für mich exemplarisch für viele Alleinerziehende in Deutschland steht."

"Alleinerziehende fallen häufig durch den sozialen Rost. Diese Frau entwickelt natürlich besondere Überlebensstrategien und Kräfte, um für sich und ihre Kinder zu sorgen", sagte Höfels. Man müsse nur recht und links gucken in der Gesellschaft. Es passiere überall, dass Alleinerziehende in Nöten sind.

Alwara Höfels als Kommissarin Henni Sieland mit ihrer Partnerin Karin Hanczewski als Kommissarin Gorniak.
Alwara Höfels als Kommissarin Henni Sieland mit ihrer Partnerin Karin Hanczewski als Kommissarin Gorniak. © Foto: MDR

"Diese Themen sind keine lustigen Drehbucheinfälle, sondern Realität in unserer Gesellschaft", sagte Höfels. Die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Haushalt sei für Alleinerziehende eine enorme Herausforderung. "Meine Mutter war auch größtenteils alleinerziehend. Und es gab aber auch einen tollen Stiefvater in meinem Leben, der Verantwortung übernommen hat. Aber auch wenn man sich in Bekanntenkreis umschaut, dann sind das einfach Realitäten."

Hallervorden sieht man in Film mit Hut, Anzug und Rollstuhl. Ob es Spaß gemacht hat, mal so viel zu nörgeln? "Es kommt ja immer in erster Linie darauf an, dass die Zuschauer an meinem Spiel Spaß haben", teilte er mit. "Deshalb hab ich mir beim Nörgeln viel Mühe gegeben, damit das möglichst glaubwürdig rüberkommt."

Der 83-Jährige steht regelmäßig vor der Kamera und leitet in Berlin das Schlosspark Theater. Dort steht er auch auf der Bühne. Demnächst plant er das erste gemeinsame Stück mit seinem Sohn Johannes.

Nun jedenfalls ist Hallervorden in "Mein Freund, das Ekel zu sehen". Das ZDF zeigt den Film bereits in der Mediathek, falls ihn jemand früher schauen will. Die Komödie bietet einen Abend mit guter Unterhaltung. Und zwar im Wissen, dass am Ende - so viel sei verraten - doch alles gut ausgeht. Für manche Abende passt das. (SZ/dpa)

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"Mein Freund, das Ekel", Donnerstag, 9. Mai, 20.15 Uhr, ZDF. Der Film ist vorab schon in der ZDF-Mediathek zu sehen.

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