merken
PLUS

Freital

Warum sind Sie so beliebt, Herr Rother?

Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother über den neuen Stadtrat und seinen Erfolg bei der Kreistagswahl.

Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) in seinem Büro. Freude bei der Arbeit ist sein Erfolgsrezept, auch jenseits der Ratsarbeit.
Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) in seinem Büro. Freude bei der Arbeit ist sein Erfolgsrezept, auch jenseits der Ratsarbeit. © Andreas Weihs

Der Wilsdruffer Stadtrat ist bunter geworden – zumindest, was die Zahl der dort vertretenden Parteien angeht. 

Gehörten dem Stadtparlament bisher Stadträte der Freien Wählern und von den drei Parteien CDU, Die Linke und SPD an, so gibt es nach der Wahl Ende Mai nun auch Räte mit dem Mandat der AfD und Grünen. Damit gelangten auch neue Gesichter in den Stadtrat, der Ende August erstmals zusammentreten wird. Bürgermeister Ralf Rother (CDU) erklärt im SZ-Gespräch, wie er mit den Neuen umgehen will, was er von ihnen erwartet und wie er die für ihn erfolgreich ausgegangene Kreisragswahl bewertet.

Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!
Nichts anbrennen lassen und ab nach Weinböhla!

Schon Goethe wusste: Essen soll zuerst das Auge erfassen und dann den Magen. Das gelingt besonders gut in einer schicken neuen Küche. Jetzt zum Küchen-Profi-Center Hülsbusch und sich beraten lassen.

Herr Rother, wie fällt Ihr Urteil zur Stadtratswahl Ende Mai aus?

Ich habe mich über die gestiegene Wahlbeteiligung gefreut. Lag sie bei der letzten Wahl noch bei 53,1 Prozent, so gingen diesmal fast 70 Prozent der Wahlberechtigten zur Abstimmung. Das heißt auch, fast ein Drittel hat von der Mitbestimmung keinen Gebrauch gemacht. Dabei gab es in diesem Jahr mit 171 Frauen und Männern als Kandidaten für die Ortschafts-, Stadtrats- und Kreistagswahlen eine große Bereitschaft, sich im Ehrenamt zu engagieren. Bei dieser Auswahl dürfte jeder Wähler einen Kandidaten seines Vertrauens gefunden haben.

Neu im Stadtrat sind zwei Parteien, die Grünen und die AfD. Haben Sie das erwartet?

Grüne und AfD sind erstmals zur Wahl in den Wilsdruffer Stadtrat angetreten. Damit war klar, dass sich an der Sitzverteilung im Stadtrat etwas ändern wird. Es war erwartbar, dass sich der bundesweite Trend auch in den Stadtratswahlen widerspiegelt. Die Kandidaten beider Parteien haben davon profitiert.

Die Wilsdruffer CDU büßte bei dieser Wahl ein. Statt 13 Sitze wird sie nur noch neun haben. Woran lag es?

Wenn zwei Parteien mehr als bisher für die gleiche Anzahl an Sitzen im Stadtrat antreten, müssen andere Sitze abgeben. Linke und CDU haben am meisten Federn gelassen. Die Freien Wähler verloren einen Sitz. Der Wähler hat schon zwischen Europawahl und der kommunalen Ebene unterschieden. Allerdings nicht in dem Maße, wie ich gehofft hätte.

Der Wilsdruffer Stadtrat hat bislang ohne Fraktionen gearbeitet. Wird sich das nun ändern?

Wenn wir uns weiter um Sachthemen kümmern und Wilsdruff gestalten wollen, braucht es keine Fraktionen. Wir haben bisher im Stadtrat eine gemeinsame und vertrauensvolle Zusammenarbeit gepflegt. Das hat uns erfolgreich gemacht. Ich gehe davon aus, dass auch der neue Stadtrat die gute Arbeit fortsetzen möchte. Im Übrigen ist jeder Einzelne nur so stark, wie er mit seiner guten Idee andere überzeugen kann. Das heißt, es kommt auf das Miteinander an. Und gute Ideen waren und sind in Wilsdruff immer willkommen.

Einige langjährige Stadträte wurden nicht wiedergewählt. Werden die fehlen?

Es sind leider sehr engagierte Stadträte nicht mehr dabei. Und ja, die werden Lücken hinterlassen. Ich bin gespannt, wie die neu gewählten Stadträte diese füllen. Sie haben eine große Aufgabe. Denn der Wilsdruffer Stadtrat zeichnet sich durch eine weit über die Sitzungstermine hinausgehende Arbeit aus. Engagierte Stadträte sind zum Beispiel bei kulturellen Veranstaltungen, in Heimatvereinen, beim Sport oder der Feuerwehr, einfach im Dorfleben engagiert.

Wie gut kennen Sie die neu gewählten Stadträte?

Vom Sehen sind mir einige bekannt und Aktivposten wie Herr Lettau natürlich durch seine ehrenamtliche Arbeit.

Wie werden Sie mit den AfD-Kandidaten umgehen?

Alle Stadträte sind dem Wohl der Stadt Wilsdruff und seiner Einwohner verpflichtet. Wie sich die Zusammenarbeit gestaltet, wird sich in den ersten Sitzungen zeigen.

Sie selbst standen Ende Mai auch zur Wahl – allerdings für den Kreistag. Dort holten Sie 8 555 Stimmen, so viele wie kein anderer Bewerber. Wie fühlt man sich als „Stimmenkönig“?

Ich bin sehr dankbar für dieses tolle Ergebnis. Das ist ein großer Vertrauensbeweis. Nach der Bürgermeisterwahl, die ich 2017 mit einem guten Ergebnis gewinnen konnte, ist das eine weitere Bestätigung meiner Arbeit. Die Wähler haben nicht nur mir viel Vertrauen entgegengebracht, sondern auch den anderen Bewerbern aus unserem Wahlkreis, zu dem Tharandt und Dorfhain gehören. Gemeinsam können wir so Einfluss auf die Entscheidungen des Landkreises nehmen, der unter anderem für Infrastruktur, den Kreisstraßenbau und den Schülerverkehr zuständig ist. Dort geht es auch um unser Geld. Denn der Kreis finanziert seine Aufgaben über die Kreisumlage, die jede Gemeinde aus ihren Steuereinnahmen an den Landkreis abführen muss.

Gibt es ein Erfolgsrezept?

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Ich gehe jeden Tag mit Freude meiner Arbeit nach, bin gern nah an den Menschen, höre zu und nehme die Anregungen auf. Mit einem tollen Team in der Verwaltung erledigen wir dann unsere Aufgaben.

Wenn jemand so populär ist wie Sie, traut man ihm auch andere Ämter zu, zum Beispiel das des Landrates. Würde Sie dieser Posten reizen?

Eine Landratswahl steht aktuell nicht an. Ich fühle mich in Wilsdruff sehr wohl und sehe noch viele Aufgaben zu lösen.

Das Gespräch führte Maik Brückner.

Mehr zum Thema Freital