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Görlitz

Warum sterben Birken am Stausee?

In den Königshainer Bergen sind dagegen die Eichen betroffen. Dafür gibt es zwei unterschiedliche Ursachen.

Die Laubfärbung fällt in diesem Jahr aus, denn einige Birken werfen schon jetzt ihre Blätter ab. Besonders am Quitzdorfer Stausee ist das Phänomen in diesem Jahr zu beobachten.
Die Laubfärbung fällt in diesem Jahr aus, denn einige Birken werfen schon jetzt ihre Blätter ab. Besonders am Quitzdorfer Stausee ist das Phänomen in diesem Jahr zu beobachten. ©  André Schulze

Es ist unübersehbar, den Birken um den Quitzdorfer Stausee geht es schlecht. Wanderern, Anglern, Urlaubern und Erholungsuchenden fällt das besonders in diesen Tagen auf, wo doch alles grünt. Warum verlieren da schon die Birken ihre Blätter, ohne dass sie die typische Herbstfärbung bekommen? Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die noch vorhandenen Blätter trocken an den Zweigen hängen und schon ein Windstoß reicht, sie abzuwerfen.

„Das Wasser ist die Ursache für das Sterben der Bäume“, sagt Thomas Kölbel. Er ist der Nieskyer Revierleiter vom Kreisforstamt. Und das in zweierlei Hinsicht: Fehlt den Bäumen das Wasser, sterben sie ab. Haben sie zu viel Wasser oder stehen gar darin, tritt die gleiche Erscheinung auf. Sie ertrinken regelrecht.

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Beide Phänomene sind am Stausee zu beobachten. Was den Wassermangel betrifft, führt Thomas Kölbel die Ursache auf den heißen Sommer 2018 zurück. „Die monatelange Trockenheit, dazu noch die Hitze, das hat den Bäumen geschadet. Die Auswirkungen des Wassermangels zeigen sich besonders in diesem Jahr“, so der Revierleiter. Den Laien verwundert das, stehen doch einige der betroffenen Birken in unmittelbarer Nähe der Wasserfläche des Stausees. Hier kommt ein zweiter Aspekt dazu: dass im vergangenen Jahr die Talsperre abgestaut wurde, um Arbeiten am Staudamm vorzunehmen. Dadurch fehlte den sonst nahe am Wasser stehenden Bäumen über mehrere Monate das Wasser für ihre Wurzeln. Aber es gibt auch Bäume, die mit dem Wiederanstieg des Wasserspiegels mehr Wasser abbekommen haben, als ihnen zuträglich ist. Das führt ebenfalls zum Absterben der Gehölze.

Grundwasser steigt wieder

Das Baumsterben ist nicht allein am Stausee zu beobachten. Auch in anderen Abschnitten seines Reviers trifft Thomas Kölbel auf blattlose oder bereits abgestorbene Bäume. „Es ist nicht nur die Trockenheit, die unseren Wäldern zu schaffen macht, sondern auch der Anstieg des Grundwassers“, berichtet der Revierleiter. Das ist besonders in und an den ehemaligen Tagebauen in der Oberlausitz zu beobachten. Die Natur hat sich über Jahrzehnte darauf eingerichtet, mit wenig Wasser im Boden auszukommen. Aber nach dem Ende der künstlichen Wasserhaltung und mit dem Anlegen von Tagebauseen steigt das Grundwasser so nach und nach wieder. Das spüren nicht nur die Pflanzen und Bäume, auch so mancher Hausbesitzer, der auf einmal wieder Wasser im Keller hat, das nicht aus einer Leitung kommt.

Trockene Bergkuppen und Südhänge

Mit zu wenig Wasser hat es dagegen der Wald in den Königshainer Bergen zu tun. Das bestätigt Revierleiter Ingo Weber. „Besonders betroffen sind die Bergkuppen, aber auch die Südhänge“, sagt der Revierleiter von Sachsenforst. Und: Die Schäden sind in diesen Bereichen inzwischen unübersehbar. Weber nennt als Ursache ebenfalls das trockene und heiße Jahr 2018. Die intensive Sonneneinstrahlung, besonders auf der Südseite, aber auch der nicht sehr tief reichende Mutterboden aufgrund des Granitgebirges sorgen dafür, dass der Boden kaum Wasser speichern kann, was zum Nachteil aller Pflanzen ist.

In den Königshainer Bergen sind davon besonders die Eichen betroffen, weil es sie hier in großer Anzahl gibt. Wie bei den Birken fällt das Eichenlaub vorzeitig ab. Eine Rettung der Bäume durch Menschenhand ist kaum möglich, das muss die Natur regeln, sagen beide Forstfachleute übereinstimmend. Die Untere Naturschutzbehörde argumentiert in die gleiche Richtung. Kreissprecherin Franziska Glaubitz sagt: „Dagegen kann nichts unternommen werden. Günstig würde sich ein Normaljahr hinsichtlich Niederschlagsmenge und -verteilung auswirken, das die Vitalität der Gehölze wieder stärkt.“

Das ist auch im Interesse der Waldbesitzer, denn das Baumsterben schmälert den wirtschaftlichen Ertrag ihrer Waldflächen. Das Totholz muss beseitigt und neue Gehölze aufgeforstet werden. Wobei das nicht die einzige Sorge der Waldbesitzer ist. Borkenkäfer, Kiefernbuschhornblattwespe und Stürme sind weitere Feinde des Waldes und damit auch seiner Eigentümer. Hinzu kommt, dass hühnereiergroße Hagelkörner am Sonnabend nicht nur Dächer durchlöcherten, sondern in den Wäldern in und um Thiemendorf und Wiesa ebenfalls beträchtlichen Schaden anrichteten. Der Wald kommt einfach nicht zur Ruhe.

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