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Baubürgermeister: Darum will er nicht

Thomas Löser holte als einziger Grüner in Dresden ein Direktmandat für den Landtag. Noch vor Monaten wäre ihm die jetzige Entscheidung schwerer gefallen, sagt er.

"Mitzugestalten macht Spaß": Thomas Löser, Landes- und Stadtpolitiker der Grünen
"Mitzugestalten macht Spaß": Thomas Löser, Landes- und Stadtpolitiker der Grünen © Sven Ellger

Dresden. Er hatte sich schon einmal für diesen Job beworben. 2015 entschied sich die grüne Stadtratsfraktion jedoch gegen Thomas Löser und für Raoul Schmidt-Lamontain als Baubürgermeister. Doch der verlässt Dresden nun, um als Klimabürgermeister in Heidelberg zu starten. Seine Wahl dort gilt als sicher. Das wäre die Chance für Thomas Löser, erneut für das Amt zu kandidieren. Die Grünen haben das Vorschlagsrecht für den Bürgermeisterposten. Doch der 48-Jährige hat bereits bekanntgegeben, dass er nicht zur Verfügung steht. Die SZ sprach mit ihm über die Gründe der Absage und seine Wünsche für die Dresdner Stadtentwicklung. 

Herr Löser, die Chance, Baubürgermeister zu werden, gibt es in der Regel nicht so häufig. Was ist heute anders als vor fünf Jahren?   

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Ich bin vor einem dreiviertel Jahr mit einem Direktmandat in den Landtag gewählt worden. Das ist das erste Mal, dass es einem grünen Politiker in Dresden gelingt. Und das dazu noch im Wahlkreis Altstadt/Neustadt, also dem Herzen der Stadt. Ich möchte dieses Mandat auch wahrnehmen und das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler rechtfertigen. 

Aber natürlich wäre es eine großartige Aufgabe gewesen, Dresdens Bau- und Verkehrsbürgermeister zu sein. Wäre Raoul Schmidt-Lamontain vor einem Jahr gewechselt, hätte ich viel intensiver darüber nachgedacht, mich erneut zu bewerben.

Gab es keine Nachfragen aus ihrer Fraktion zu dieser Entscheidung?

Doch, die gab es, sowohl aus der Fraktion als auch aus der Stadtgesellschaft. Es gibt einige Menschen, die intensiv verfolgen, was ich mache, auch hinsichtlich meines Engagements in der Stadtentwicklung. Die sind an mich herangetreten und haben mir gesagt, dass sie es unterstützen würden, wenn ich mich für den Posten des Baubürgermeisters bewerben würde. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass ich mir nicht sicher bin, dass alle Leute in meiner Fraktion diese Bewerbung unterstützt hätten und eine weitere öffentliche Zerreißprobe wollte ich mir und meiner Fraktion ersparen. 

Was macht die Arbeit die Arbeit im Landtag für Sie so reizvoll? 

Für uns Grüne ist es nach fast 30 Jahren der Opposition das erste Mal, dass wir in einer Regierungskoalition mit der CDU und der SPD zusammenarbeiten. Ich bin Sprecher meiner Fraktion für Bau, Wohnen, Denkmalschutz und Stadtentwicklung. Wir wollen in diesen Bereichen einiges bewegen. Im Koalitionsvertrag haben wir ausgehandelt, dass die Bundesfördermittel für Wohnen komplett in den sozialen Wohnungsbau fließen statt wie bisher auch in Eigentumsförderung. 

Weiterhin sind Mietpreisbremse, Kappungsgrenze und Zweckentfremdungsverbot meine Themen. Dresden und Leipzig wollen die Mietpreisbremse einführen. Dazu wird derzeit ein Vorschlag vom Ministerium erarbeitet, wie das umgesetzt werden kann. In der vergangenen Woche hat das Kabinett beschlossen, die Kappungsgrenze um weitere fünf Jahre zu verlängern. Das heißt, die Miete darf in fünf Jahren um maximal 15 statt 20 Prozent erhöht werden. Das mag nach nicht viel klingen, hilft aber den Mietern.

Und speziell in den Großstädten wie Dresden und Leipzig steht bezahlbarer Wohnraum schon nicht mehr ausreichend zur Verfügung, weil er als Ferienwohnung zweckentfremdet wird. Da wollen wir gegensteuern, dass am Ende die Bewohner der Städte mehr Wohnungsangebote haben. Dies alles mitzugestalten macht Spaß.

Welche Inhalte würden Sie gern in die Landtagsarbeit einbringen?

Mein großes Anliegen ist neben dem Thema Baukultur das nachhaltige Bauen. Ich wünsche mir, dass das Land Sachsen eine Vorreiterrolle spielt bei der Dach- und Fassadenbegrünung sowie bei der Nutzung des Holzbaus. Das könnte dann auf die Kommunen durchschlagen. Aber nehmen wir die kommunale Dresdner Wohnungsgesellschaft WID. Die hat dafür kein Budget und benötigt dafür einen Zuschuss. Dann könnte zum Beispiel das geplante Neubauprojekt in Johannstadt als Modellprojekt in Holzbauweise entstehen. 

Sachsen will in der Lausitz ein Holzkompetenzzentrum einrichten. Damit das sichtbar wird, braucht es entsprechende Projekte. Der Freistaat könnte sich verpflichten, fünf Prozent seiner Neubauten in Holzbauweise zu errichten. Kommunen könnten nachziehen, indem sie Schulen, Kitas, Schwimmhallen so bauen. Da gibt es wunderbare Vergleichsobjekte in Österreich. 

Das könnte also durchaus auch ein Thema für den Dresdner Stadtrat sein, dem Sie auch angehören.

Absolut. Wir erleben die Folgen des Klimawandels in Dresden mit einer überhitzten Innenstadt direkt und ich werbe auch dort für nachhaltiges Bauen. Die Arbeit im Stadtrat erlebe ich in der Kooperation mit den Linken und der SPD sowie im Austausch mit der CDU und der FDP übrigens gerade als konstruktiv. Das tut der Stadt gut, wenn sich alle an Sachthemen orientieren.

Was ist Ihnen derzeit in der kommunalen Arbeit wichtig?

Ich möchte mich dafür stark machen, dass es am Königsufer eine öffentliche Nutzung geben soll und nicht nur hochpreisige Wohnungen und Geschäfte entstehen. Zum Beispiel könnte man darüber nachdenken, der Sächsischen Akademie der Künste dort eine Adresse zu geben. Gegenüber der Brühlschen Terrasse brauchen wir ein starkes zeitgenössisches Statement. Das könnte eine Ausstellungspavillon sein oder eine Kunsthalle. Dresden hätte damit die Chance, große private Sammlungen zu präsentieren.

Natürlich gibt es auch immer Verbindungen zwischen meiner Wahlkreis- und der Stadtratsarbeit. Als ich erfahren habe, dass der Freistaat ein neues Probebühnenzentrum im Zwingerpark plant, habe ich Öffentlichkeit hergestellt, weil die Stadt nichts von den Plänen wusste. Ich sehe sehr wohl, dass es hier einen Konflikt zwischen dem denkmalgeschützten Park gibt und dem Erfordernis eines neuen Bühnenzentrums. Dafür braucht es aber eine Debatte in der Stadt. Und vielleicht bietet auch das Gelände des Marstalls gegenüber dem Park eine Möglichkeit.  

Welche Eigenschaften des aktuellen Baubürgermeisters sollte der oder die Neue ebenfalls mitbringen?

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Raoul Schmidt-Lamontain hat dafür gesorgt, dass wichtige Fragen der Stadtentwicklung mit der Stadtgesellschaft diskutiert werden. Diese Transparenz ist für die Dresdner enorm wichtig und muss fortgeführt werden. Außerdem hat er die Verkehrswende angeschoben. Damit die weitergeht, ist auch die CDU gefordert, jetzt mal Farbe zu bekennen, wie das genau gehen könnte.    

Das Gespräch führte Kay Haufe.

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