merken
PLUS Görlitz

Warum Touristen den Neißeradweg lieben

Vier Oberlausitz-Besucher erzählen, warum sie hier radeln, was sie erlebt haben – und wohin die Reise geht.

Heike und Andreas Grothe wollen nach Ückermünde. Ihnen gefallen die Eisdielen und Cafés am Wegesrand.
Heike und Andreas Grothe wollen nach Ückermünde. Ihnen gefallen die Eisdielen und Cafés am Wegesrand. ©  Nikolai Schmidt

Wenn es sein müsste, könnte Christian Dittmann sogar draußen schlafen. Einen Schlafsack hat er dabei, eine Isomatte und eine Plane, aus der sich eine Überdachung machen lässt. „Ich habe zu viel eingepackt, man müsste sich mehr beschränken.“ Denn er ist nicht mit Koffer und Auto unterwegs – sondern mit dem Rad. Christian Dittmann kommt aus Prenzlau und hat sich für den Urlaub den Oder-Neiße-Radweg vorgenommen. „Das hatte ich schon seit Jahren vor“, erzählt er.

An der Neißequelle ging es los, und dann immer gen Norden, zurück in Richtung Prenzlau. Seine Frau hat Christian Dittmann nach Jablonec nad Nisou gebracht, zur Neißequelle. Die Radtour nimmt er aber alleine in Angriff. „Ich möchte einfach die Ruhe genießen.“ Er betreibt einen Internet-Shop – für Feuerwehr-Fanartikel. Eine Woche nun soll nichts schnell gehen müssen. „Mir geht es auch nicht um die Kilometer.“ Auf dem Oder-Neiße-Radweg kann man auf 630 Kilometern vom tschechischen Nova Ves bis zur Ostsee gelangen. Das Optimal-Ziel für Christian Dittmann wäre Schwedt an der Oder, dann müsste er nur eine kurze Strecke mit dem Zug fahren, um wieder nach Prenzlau zu kommen. Einerseits sei es eine Motivation, zu sehen, wie sich die Kilometer auf dem Zähler sammeln. „Andererseits möchte ich was sehen“, sagt Dittmann. Von Jablonec nad Nissou ging es, mit einem Abstecher über Bogatynia, nach Zittau. Die Fastentücher hat er sich dort angesehen. Und in Ostritz das Kloster St. Marienthal. „Das Highlight sind für mich die Abschnitte direkt am Wasser“, sagt er, „viele Tiere habe ich gesehen. Ich war etwas erstaunt, wie zutraulich die Rehe bei Bogatynia sind.“ Den Schlafsack brauchte er noch nicht, bisher hat sich immer ein Hotelzimmer für die Nacht finden lassen. In Görlitz checkte er direkt am Wegesrand ein, beim Hotel Zum Hothertor. Nun geht es weiter nach Rothenburg und Bad Muskau. Zwei Abstecher stehen fest: In Forst und Eisenhüttenstadt will Christian Dittmann Freunde besuchen.

Sachsenbessermachen.de
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

Christian Dittmann (li.) hat es inzwischen schon geschafft. Er fuhr von Süden nach Norden, nach Prenzlau.
Christian Dittmann (li.) hat es inzwischen schon geschafft. Er fuhr von Süden nach Norden, nach Prenzlau. © SZ/sdn

Wo denn das Siemens-Werk in Görlitz ist, will Ingo Fischer wissen. Er ist Programmierer für Werkzeugmaschinen – und arbeitet bei einem Schwesterwerk in Berlin. Von dem Kampf für den Erhalt von Siemens in Görlitz hat er natürlich gehört.

Alle zwei Jahre begibt er sich auf eine XXL-Fahrradtour. Zuletzt war die Strecke Berlin – Rotterdam dran. Dieses Mal ist ein Rundweg geplant: Von seinem Heimatort Falkensee ging es nach Osten auf den Oder-Neiße-Radweg, den er gen Süden fährt, dann geht es nach Westen bis Frankfurt am Main und zurück nach Brandenburg. Einen Monat hat Ingo Fischer sich dafür freigenommen. „Ich hatte es langweiliger eingeschätzt“, sagt er. Auch er fährt alleine, mal abschalten, zur Ruhe kommen. Allerdings könne es auf Dauer auch eintönig werden, wenn eine Strecke immer nur am Flussdeich entlangführt, sagt Ingo Fischer aus Erfahrung. „Aber der Neiße-Radweg ist wirklich sehr abwechslungsreich. Eine schöne Gegend.“ Einziges Manko: der Internetempfang. „Es ist ein bisschen kurios. Ich kann mich problemlos im polnischen Netz anmelden, im deutschen hat es jetzt häufig nicht funktioniert.“ Etwas, das auch Christian Dittmann auffiel, der mit digitaler Karte unterwegs ist.

Ingo Fischer will bis nach Frankfurt am Main. Fotos: SZ/sdn
Ingo Fischer will bis nach Frankfurt am Main. Fotos: SZ/sdn © SZ/sdn

Ingo Fischer fährt von Norden nach Süden. Was Christian Dittmann vielleicht noch entdeckt, hat er schon gesehen: den Pückler-Park und das Schloss in Bad Muskau zum Beispiel. „Übernachtet habe ich auf dem Campingplatz der Kulturinsel Einsiedel.“ Doch nicht so schlecht also, einen Schlafsack mitzunehmen. „Ich fahre eigentlich immer nach der Ausschilderung oder wie der Weg passt“, erzählt Fischer. Aber für Innenstädte am Wegesrand legt er auch gerne Pausen ein. So auch in Görlitz. Neben dem Siemens-Werk sucht er hier nach einem Café zum Frühstücken – und macht sich auf den Weg in die Altstadt. Am Donnerstag hat er das Dreiländereck erreicht. „Für mich geht es heute weiter nach Westen“, schreibt er per Mail an die SZ.

Heike und Andreas Grothe kommen aus Merseburg. Zunächst haben sie Freunde besucht, von Dresden aus fuhren sie danach mit ihren Rädern per Zug nach Zittau – ihr Startpunkt für den Oder-Neiße-Radweg. Ihr Optimalziel: Ückermünde. Durch Freunde sind sie auf den Oder-Neiße-Radweg aufmerksam geworden. „Der Radweg ist super ausgebaut“, so der erste Eindruck bei Heike Grothe. Gesehen haben sie und ihr Mann bereits die Fastentücher in Zittau, das große ist in der Kirche zum Heiligen Kreuz zu sehen, das kleine im Kulturhistorischen Museum. Zum Kleinen Fastentuch haben sich Grothes bei ihrer Zittau-Erkundung einen Vortrag angehört. Ein bisschen günstiger könnte die Akustik im Ausstellungsraum sein, so der Eindruck des Ehepaars. „Das fand ich ein bisschen schade, denn das war wirklich ein interessanter Vortrag“, sagt Heike Grothe. Dann ging es weiter zum Kloster St. Marienthal. Besonders aufgefallen sind den beiden die Cafés und Eisdielen am Wegesrand, „das finden wir schön.“ In Görlitz haben sie nur einen kurzen Übernachtungsstopp eingelegt, die Stadt kennen Grothes bereits. Görlitz, finden sie, sei gut auf Radfahrer vorbereitet. Bei ihrem Hotel Am Goldenen Strauß in der Innenstadt, gab es zum Beispiel einen Fahrradschuppen, erzählt Andreas Grothe, „sowas ist super“.

Vom Sattel steigen für:

Zittau: Großes und Kleines Fastentuch, Schmalspurbahn, O-See-Challenge vom 16.-18. August

Ostritz: Kloster St. Marienthal mit dem Klostermarkt

Berzdorfer See: Rundweg, Besichtigung Schaufelradbagger, Schwimmgeräte-Verleih am Nordost-Strand

Görlitz: Tierpark, Führung durch den Drehort „Brauner Hirsch“ am 17. August um 16 Uhr, Altstadtfest vom 23.-25. August

www.sommer-goerlitz.de

Zentendorf: Kulturinsel Einsiedel

Krauschwitz: Erlebniswelt und Therme

Bad-Muskau: Fürst-Pückler-Park

Auf der Neiße: Bootstouren bei Obermühle Görlitz, Boats & Friends Zgorzelec, Neiße-Tours Rothenburg

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/goerlitz

www.sächsische.de/niesky

www.sächsische.de/zittau

www.sächsische.de/loebau

Mehr zum Thema Görlitz