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Warum Zeitzeugen in Pirna verfallen

Der Kiosk hat keine Scheiben mehr, die Straßenbahn bleicht aus. Das DDR-Museumsucht  nach einer Lösung.

Von Ronny Zimmermann

Conny Kaden schaut ganz traurig. Er steht auf dem Hof seines DDR-Museums an der Rottwerndorfer Straße in Pirna und zeigt auf den DDR-Kiosk: „Den haben wir seit 2012 hier rumstehen. Aber seitdem verfällt er nur noch. Das ist total bitter.“

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Er hatte so vehement um das Zeitdokument gekämpft. Die Stadt Pirna beschloss damals, dass der Kiosk am Dohnaischen Platz abgebaut werden soll. Er passte nicht mehr ins Stadtbild, und der Pachtvertrag mit dem Imbissbetreiber, der das DDR-Relikt nutzte, lief ohnehin aus. Da kam Kaden die Idee, den Kiosk in sein DDR-Museum zu holen, er sprach die Stadt an: „Wir haben uns schnell geeinigt, das lief ganz fair und quasi zum Nulltarif.“ Doch seitdem gammelt der Kiosk auf dem Museumsgelände vor sich hin. Kaden würde ihn gerne vor dem Verfall retten, doch alleine kann er sich das nicht leisten.

Denn es gibt gleich mehrere Probleme. Das Holz ist morsch, das Dach wellt sich an vielen Stellen. Immer wieder regnet es rein, der Wind hat leichtes spiel. Zudem verzieht sich der ganze Kiosk immer mehr, er ist instabil. „Das liegt vor allem daran, dass die Fensterscheiben fehlen“, erklärt Kaden. Noch vor einem Jahr hatte der 50-Jährige gehofft, dass zumindest die Fensterscheiben ersetzt werden. „Sie sind zum großen Teil beim Transport kaputtgegangen. Er rechnet mit rund 7 000 Euro dafür. Viel Geld, das der Museumsbetreiber alleine nicht aufbringen kann.

Deswegen setzte er auf einen guten Freund: Der Pirnaer Unternehmer Ralf Böhmer hatte mit seiner Firma den Transport vor rund zwei Jahren ermöglicht. „Wir als Firma Lohmen Bau Pirna haben kostenfrei den DDR-Kiosk am Dohnaischen Platz abgebaut und die Transportleistung zum DDR-Museum ausgeführt“, sagt der Bauunternehmer. Zu den bereits defekten Scheiben des Urzustandes sei sowohl bei der Demontage als auch beim Transport weiterer Glasbruch hinzugekommen. Böhmer half daraufhin, Sponsoren zu suchen, die sich an der Neubeschaffung der Scheiben beteiligen. Doch die Suche blieb ohne Erfolg.

Böhmer findet dies sehr schade und will die Hoffnung noch nicht aufgeben. Er sagt aber auch, dass die Initiative bei Conny Kaden und dem DDR-Museum liegen muss: „Natürlich helfen wir gern, sofern dies im wirtschaftlichen Rahmen möglich ist, aber letztendlich sollte das DDR-Museum der Initiator und Taktgeber sein, denn es profitiert in erster Linie davon.“

Wenn sich bald kein Unterstützer findet, wird der Stand irgendwann einfallen. Stück für Stück, bis er komplett abgerissen werden muss. „Vielleicht würde es schon helfen, wenn ein großes Dach über den Hof gebaut wird“, sagt Kaden. Das hätte gleichzeitig den Vorteil, dass nicht nur der Kiosk, sondern auch das benachbarte „Lottchen“ besser geschützt wäre. Die Dresdner Kinderstraßenbahn wird seit 2010 auf dem Gelände des DDR-Museums ausgestellt. Kaden hat die letzte Fahrt der Bahn selbst miterlebt: „Ich verbinde mit dem Stück viele persönliche Erinnerungen. Es schmerzt, wenn ich sehe, wie auch die Bahn unter der Witterung leidet.“ Die Farbe an der von Kindern bemalten Straßenbahn bleicht aus. Das Dach ist rostig, die Türen verbeult.

Immerhin hat der Museumsverein des Fahrzeugmuseums Pirna seine Hilfe zugesagt. „Das Lottchen wird durch unsere Mitglieder in diesem Jahr überholt und dauerhaft vor Korrosion geschützt“, sagt der Vereinsvorsitzende Oliver Wagner. Er berät das DDR-Museum seit Längerem bei allen Fragen zur Fahrzeugtechnik.

Knapp 30 000 Personen besuchten im letzten Jahr die Ausstellung. „Sie staunen immer wieder, wie authentisch wir die DDR-Zeit abbilden“, sagt Kaden. Dann blickt er noch einmal auf Kiosk und Straßenbahn: „Wir müssen bis zum Schluss darum kämpfen, sie zu erhalten.“ Dann verlässt er still den Hof und läuft ins Haus.

Wer Kiosk und Straßenbahn des DDR-Museums in Pirna unterstützen möchte, ruft unter  03501 774842 an.