merken
PLUS

Niesky

Warum ziehen die Störche herum?

Die ersten Küken sind geschlüpft. Anwohner beobachteten „Storchenstaffeln“. Was es damit auf sich hat.

Überall freuen sich die Menschen, wenn sie Störche sehen. In Biehain und Ober Prauske gibt es jeweils drei Jungtiere, zwei in Thiemendorf und eins in Ullersdorf.
Überall freuen sich die Menschen, wenn sie Störche sehen. In Biehain und Ober Prauske gibt es jeweils drei Jungtiere, zwei in Thiemendorf und eins in Ullersdorf. © Boris Roessler/dpa

Hörbarer Flügelschlag, ein Rauschen am Himmel: In Melaune und Reichenbach kreisen die Störche. Auch in Königshain wurden die großen Vögel auf Gruppenausflug kürzlich gesichtet. Jeweils ein halbes Dutzend Störche auf einmal beobachteten Anwohner.

Heike Windler sah die Vögel auf dem Gelände der Landfarm Melaune. Eine solche Ansammlung habe es die letzten Jahre nie gegeben. Ein Storchenpaar sitzt nun auf dem von Menschenhand errichtetem Pfahlnest schräg gegenüber der Kirche. „Ab und an kommt ein dritter Storch“, beobachtete Heike Windler.

Anzeige
Du warst noch nicht im Autokino?
Du warst noch nicht im Autokino?

Dann ab ins Ostragehege Dresden! Mega-Leinwand. Super Sound. Echtes Feeling – Noch bis 30. Juni

Die Melauner Störche scheinen zu brüten. Ob es Nachwuchs gibt, ist noch nicht genau zu sehen. Bei den Thiemendorfer Störchen seien dagegen bereits zwei Küken geschlüpft“, erzählt Windler. Nachwuchs gibt es ebenso in Goßwitz auf dem Schornstein neben dem Herrenhaus. Drei Küken werden aufgezogen. In Königshain dagegen ist in diesem Jahr kein Geklapper zu hören. Nahe der Gemeindeverwaltung befindet sich das Nest. Anwohner berichten, dass zwar zwei Störche da waren, aber wieder verschwanden. In Buchholz blieben die Störche ebenfalls aus.

Auf dem stillgelegten Schornstein einer ehemaligen Gärtnerei in Reichenbach betreibt das Storchenpaar Nestpflege. Kleine Schnäbel lugen noch nicht über den Rand. Auch in der Kleinstadt wurde zuvor eine Storchengruppe mehrfach gesehen. Ob das immer die gleiche Flugstaffel war, fragt sich Heike Windler nun.

Werner Klauke, ehrenamtlicher Naturschutzhelfer im Landkreis Görlitz, kann das weder bestätigen noch ausschließen. Dazu müsste man die Störche sehen und schauen, ob sie beringt sind. Für herumziehende Storchengruppen könne es mehrere Ursachen geben kann. „Beispielsweise Störche, die einen Brutverlust hatten, aber auch noch nicht geschlechtsreife Störche finden sich zusammen“, sagt er. Ebenso denkbar sei, dass sich die Vögel umgeschaut hätten, wo Nester frei sind. Klauke weiß, wo im Altkreis Niesky die Nester bebrütet werden. Einige Küken sind geschlüpft.

Zwölf Nester rund um Niesky wurden angenommen. Jungtiere bestätigt sind bisher in Biehain (3), Diehsa (1-2), Ober Prauske (3), Thiemendorf (2) und Ullersdorf (1). Weiterer Nachwuchs sei nicht ausgeschlossen. Die Brutsaison läuft noch.

Auch einen traurigen Zwischenfall gibt es: Vier Küken aus vom Nest in Kodersdorf starben durch Kälte und Regen. Positiv ist dagegen, dass die einige Jahre nicht besetzten Nester in Nieder-Neundorf und Nieder Seifersdorf von Storchenpaaren neu angenommen wurden. In Nieder Seifersdorf gibt es gleich drei bewohnte Nester und jeweils eins in Jänkendorf und Lodenau.

Nichtsdestotrotz zeigen die Weißstorchbestände eine eher rückläufige Tendenz. Das bestätigt Kreissprecherin Franziska Glaubitz. Für den Nieskyer Raum kennt Werner Klauke konkrete Vergleichszahlen: „1985 hatten wir noch 35 Brutpaare, im Vorjahr waren es zehn“, sagt er. Im Vorjahr die große Dürre habe sicher ein Rolle gespielt. Aber auch, dass auf Feldern Monokulturen wie Mais, Raps oder Getreide wachsen. „Auf den Flächen finden die Störche nichts“, sagt der Naturschützer.

Erst nach dem Abernten kommen die Vögel wieder an den Boden heran und schnappen sich unter anderem Mäuse. Sind die Küken noch sehr klein, brauchen sie Insekten. „Davon gibt es immer weniger“, sagt Klauke.

Weitere Gründe für den Rückgang der Störche nennt Franziska Glaubitz: Krankheiten könnten eine Ursache sein, ebenso Verluste durch den Straßenverkehr oder Unrat, der ins Nest getragen wurde. Eine Rolle spielten außerdem die Bedingungen in den Überwinterungsgebieten. „Die Störche in unserer Region sind Ostzieher auf der Route über den Balkan, den Bosporus, den Küsten des östlichen Mittelmeeres und des Nahen Ostens ins nordöstliche und östlich Afrika“, sagt Glaubitz. 

Ungünstige Witterung während des Flugs oder am Überwinterungsort sind für teils erhebliche Verluste verantwortlich. Ein erhebliches Problem stelle der Verlust an geeigneten Lebensräumen dar. Störche benötigen feuchte Wiesen. „Durch Produktionsänderungen in der Landwirtschaft nimmt seit geraumer Zeit der Anteil des extensiven Grünlandes ab“, so Glaubitz. Feuchtflächen wurden entwässert oder trockengelegt. Intensive Bodenbearbeitung und der Einsatz von Pestiziden würden sich nachteilig auf das Angebot an Beutetieren auswirken.

Mehr Lokales unter:

www.sächsische.de/niesky

Mehr zum Thema Niesky