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WarumOybin um die Zukunft kämpfen muss

In keiner Gemeinde im Altkreis Löbau-Zittau haben die Einwohner so viele Schulden wie in Oybin. Laut statistischem Landesamt liegt hier die Pro-Kopf-Verschuldung mit 1359 Euro weit über dem sächsischen...

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Von Katja Zimmermann

In keiner Gemeinde im Altkreis Löbau-Zittau haben die Einwohner so viele Schulden wie in Oybin. Laut statistischem Landesamt liegt hier die Pro-Kopf-Verschuldung mit 1359 Euro weit über dem sächsischen Durchschnitt (die SZ berichtete am 18. Juli, S. 13). Dabei gilt gerade die Gebirgsgemeinde Oybin mit ihrer Burg- und Klosteranlage bei Romantikern und Touristen als beliebtes Ausflugsziel.

Was bringt die Zukunft für Oybin? Ähnlich wie in Bertsdorf-Hörnitz sprechen sich auch hier schon Einwohner für einen Austritt aus der Verwaltungsgemeinschaft mit Olbersdorf und für einen Zusammenschluss mit Zittau aus. Die SZ hat jetzt über diese und andere Fragen mit Bürgermeister Hans-Jürgen Goth (Die Linke) und Gemeinderat Conrad Siebert (CDU) gesprochen.

Warum kann Oybin nicht eigenständig bleiben?

Weil die Gemeinde nach Ansicht des Freistaates zu klein dafür ist. Zu einem „Wunschpartner“ wollte Hans-Jürgen Goth der Gemeinderatssitzung von gestern Abend nicht vorgreifen. Schließlich soll mit den anderen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft, Jonsdorf, Bertsdorf-Hörnitz und Olbersdorf, darüber noch diskutiert werden. Alle sollten dann, so Goth, gemeinsam eine Terminkette festlegen, was in der jetzigen Freiwilligkeitsphase für Eingemeindungen auf den Weg gebracht wird.

Für Gemeinderat Conrad Siebert ist es wichtig, dass noch in diesem Jahr innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Sondierungsgespräche stattfinden. Bei jedem Schritt müssten die Bürger mit einbezogen werden. Die Meinung, irgendwann aus der Verwaltungsgemeinschaft eine Einheitsgemeinde zu bilden, überwiege für ihn: „Zittau sehe ich nicht als Partner. Städtische Belange sind andere als die der Dörfer“, sagt Siebert.

Warum hat Oybin

so hohe Schulden?

Die Schulden sind im Jahre 1995 durch den 4,5-Millionen-D-Mark-Eigenanteil für den Bau des Abwassersystems zustande kommen. Ziel sei es damals gewesen, die Einwohner so wenig wie möglich zu belasten und die weitläufig bebaute Landschaft zu erhalten, so Goth. Schon ein Eigentümer von rund 30 mal 30 Meter Grundstück und einem einetagigen Haus hätte damals sonst etwa 20 000 DM zahlen müssen. Viele hätten so ihr Land zerstückelt verkaufen müssen – würde dieser Kredit, über 30 Jahre kontinuierlich als Abwassergebühr eingenommen, zurückgezahlt, berichtet der Bürgermeister. Rechne man solche rentierlichen Kredite ab, bliebe aber laut Goth eine Pro-Kopf-Verschuldung von unter 300 Euro übrig. Oybin stand schon oft am Rand einer Haushaltssperre. Bürgermeister Goth ist der Meinung, dass viel über Fördermaßnahmen gestemmt werden kann. Die kleinen Eigenanteile dabei seien also „veredelndes Geld“.

Gemeinderat Siebert hält hier jedoch dagegen: „Um zukunftsfähig zu werden, sollten wir einen Schnitt machen und weitere Investitionen erst einmal zurückstellen.“

Was fehlt Oybin auf dem Weg zu steigenden Touristenzahlen?

Eigenbetriebe, die sich beispielsweise um Ordnung und Sauberkeit oder um die Touristinformation kümmern, rechnen sich laut Bürgermeister Goth zwar nie, sind aber für Urlauber extrem wichtig. Auch Siebert sagt, dass die Weiterentwicklung und das Wachsen des Tourismus wichtig für die Zukunft sind. Er hofft, dass Oybin in etwa drei Jahren als „staatlich anerkannter Erholungsort“ zertifiziert und bald darauf auch „Kurort“ ist. Die Übernachtungszahlen sind laut der Touristischen Gebietsgemeinschaft Naturpark Zittauer Gebirge recht stabil und gut. Gemeinderat Siebert sieht Potential darin, auf Familien- und zu 100 Prozent behindertengerechte Zimmer sowie hohe Servicequalität zu setzen. Die Gebirgsgemeinden, sagt Siebert, müssten an einem Strang ziehen. „Man sollte auch eine Fremdenverkehrsabgabe prüfen“, denkt der Gemeinderat. Diese könnten unter anderem Beherbergungsbetriebe, Handwerker und Taxiunternehmen einnehmen. Und das Geld könnte dann für touristische Angebote, für Marketingaktionen oder dem Wanderwegebau verwendet werden.

Wieso ist das geplante Sanatorium so wichtig?

Verschiedene Zittauer Makler haben gegenüber der SZ bestätigt, dass es kaum Leerstand in Oybin gibt. Viele Senioren aus der Region und von weiter her haben den Ort als Altersruhesitz auserkoren. Der Plan, aus dem alten Pionierlager ein modernes Sanatorium mit unter anderem Ärzten und Wellnessangeboten für Alt und Jung zu machen, käme dann nicht nur den älteren Einwohnern zu Gute, sondern würde auch der von Sachsen erlassenen Tourismusstrategie entgegen kommen, sagt Siebert. Er findet auch das geplante Einrichten vom „Schnellen Internet“ wichtig.

Wird es trotz wenig Geld kulturelle Höhepunkte geben?

Über Pfingsten 2012, zum 100. Todestag von Oybins berühmten Einwohner und Briefmarkensammler Carl Alfred Moschkau, gibt es eine Festwoche. „Vielleicht lässt sich aus der geplanten Briefmarkenausstellung auch ein grenzüberschreitendes Projekt machen?“, fragt sich Hans-Jürgen Goth. Im Haus des Gastes sind jedenfalls auch 2012 wie immer Ausstellungen geplant.