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Döbeln

Was als Jünglingsverein begann

Der Posaunenchor besteht seit 120 Jahren. Ein seltenes Instrument der ersten Stunde gibt es immer noch.

Jeden Montag treffen sich die Mitglieder des Roßweiner Posaunenchores in der Winterkirche zum Üben.
Jeden Montag treffen sich die Mitglieder des Roßweiner Posaunenchores in der Winterkirche zum Üben. © Lars Halbauer

Roßwein. Das Helikon – ein Blechblasinstrument ähnlich einer Tuba, das besonders tiefe Töne hervorbringt – gehörte zu den Instrumenten, die im Jahr 1899 von Diakon Heber von der Marienkirchgemeinde Roßwein in der Musikinstrumentenfabrik Glier in Markneukirchen bestellt wurde. 

Die Mitglieder des Jünglingsvereins hatten sich damals die Gründung eines Posaunenchores gewünscht. „Heute hat das Helikon nur noch ideellen Wert. Bespielt werden kann es nicht mehr“, sagt Ruben Grimme, Leiter des Posaunenchores. Er hat sich erkundigt, ob es sich lohnt, es restaurieren zu lassen. Eher nicht, habe die Antwort des Experten gelautet. Im Fundus soll es aber einen Ehrenplatz behalten.

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Heute greifen die 21 Mitglieder des Posaunenchores auf ihre eigenen oder privat geliehenen Instrumente zurück. Trompeten, Flügel- und Waldhörner, Posaunen und Bariton erklingen, wenn die Roßweiner aufspielen. Das ist immer noch überwiegend zu kirchlichen Veranstaltungen wie Gottesdiensten, zur Konfirmation oder demnächst am Pfingstmontag beim Konzert in der Niederstriegiser Kirche der Fall. 

Traditionell sind die Bläser aber auch beim Schul- und Heimatfest auf dem Kreuzplatz zu hören. „Im September werden wir beim Weinfest aufspielen“, so Ruben Grimme. Der diesjährige Neujahrsempfang wurde ebenfalls von den Roßweiner Bläsern musikalisch umrahmt.

Ruben Grimme, der selbst eine Zugtrompete bläst, leitet die Geschicke des Chores seit knapp sechs Jahren. Er übernahm vom damaligen Kantor Stefan Moosdorf. Das Amt wurde ihm aber quasi in die Wiege gelegt. Denn der Vater des 46-Jährigen, Klaus Grimme, war von 1984 bis 1988 auch schon als Chorleiter tätig. „In dieser Zeit sind viele junge Bläserinnen und Bläser dazugekommen. Eine Generation, die den Chor noch heute prägt“, so Ruben Grimme. Der Chor wurde während dieser Zeit beachtlich groß, die Nachwuchsarbeit immer hochgehalten. Doch dann erkrankte Klaus Grimme schwer und verstarb 1989.

„Ich habe mir mit einer Ausbildung bei der Posaunenmission das Rüstzeug zum Chorleiter erworben“, sagt Ruben Grimme, der von Beruf Tischlermeister ist. Dass die musikalische Familientradition fortlebt, davon ist er überzeugt, denn drei seiner vier Kinder sind bereits heute mit viel Eifer im Roßweiner Posaunenchor aktiv.

Die beiden Jungen, Gustav und Josef, spielen Trompete, Tochter Charlotte Bariton. „Es ist sehr schön, mit seinen Kindern ein gemeinsames Hobby zu haben“, sagt Ruben Grimme, für den die Chorleiterarbeit positiver Stress ist. Neben seinen Kindern musizieren weitere Jungbläser in dem Chor, der ein sehr großes Altersspektrum hat. „Unser ältestes Mitglied ist 74, das jüngste 13 Jahre alt“, so der Chorleiter.

Besonders stolz sind die Roßweiner Bläser darauf, dass sie seit kurzem bei ihren Auftritten auch auf die Pauke hauen können. „Es gibt viele Stücke, in denen Paukenstimmen vorkommen. Das konnten wir bisher mangels Instrumenten nicht umsetzen“. Nach einem Aufruf im Roßweiner Kirchenblatt gingen wider Erwarten so viele Spenden ein, dass mehrere Pauken gekauft werden konnten.

Verändert hat sich in den 120 Jahren Chorgeschichte das Repertoire der Bläser. „Auch wenn es immer noch größtenteils Kirchenmusik ist, die wir spielen, wollen wir uns immer mehr modernen Klängen öffnen“, sagt Ruben Grimme. So üben die Roßweiner Bläser zurzeit an einem sehr emotionalen Stück für das Pfingstkonzert.

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