merken
PLUS

Sport

Was Altenberg zu Oberhof fehlt

Das Wintersportzentrum Thüringens erhält die Rodel-WM – und dafür zig Millionen Euro vom Land. Das weckt im Osterzgebirge ganz neue Wünsche.

Der Eiskanal von Altenberg gilt als anspruchsvollster der Welt. Noch...
Der Eiskanal von Altenberg gilt als anspruchsvollster der Welt. Noch... © Egbert Kamprath

Das Ergebnis ist keine Überraschung: dass Oberhof im Jahr 2023 nicht nur die Weltmeisterschaften der Biathleten ausrichten darf, sondern kurz zuvor nun auch die im Rodeln. Einstimmig hat das der Weltverband am Samstag beschlossen. Und selbst wenn es einen Gegenkandidaten gegeben hätte, an Oberhof – da ist man sich auch in Altenberg noch vor der Abstimmung einig gewesen – ging kein Weg vorbei.

Das hat mit der Lobby der Deutschen in dieser Sportart zu tun und natürlich mit dem Standort Oberhof, im konkreten Fall jedoch liegt es vor allem an der Bewerbung. Mit satten rund 25 Millionen Euro in Form von Infrastrukturprojekten unterstützt die thüringische Landesregierung die mittlerweile vierte Rodel-WM im Wintersportzentrum des benachbarten Freistaats.

Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

„Der will doch wiedergewählt werden“, murmelt am vergangenen Mittwoch einer in der Panoramabaude der Altenberger Bob- und Rennschlittenbahn, wo sich der neue Bahnchef Jens Morgenstern den Partnern und Sponsoren vorstellt. Mit „der“ ist Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) gemeint, der sich am Samstag nach dem WM-Zuschlag auch unverzüglich zu Wort meldet. Er nennt es einen großartigen Tag für den Sport im Freistaat und meint, dass Anfang 2023 nun die gesamte Sportwelt nach Thüringen schauen werde. In Altenberg blickt man schon jetzt die knapp 300 Kilometer westwärts, und das mit großem Interesse wie auch einer Portion Neid und Argwohn.

Geld für den Sport soll auch den Tourismus fördern

Denn insgesamt, das betont Ramelow, werde das Land bis 2023 mehr als 50 Millionen Euro investieren. „In die Infrastruktur, in den touristischen Ausbau der Region – und in den Sport. So werden wir die Rennschlitten- und Bobbahn ertüchtigen und dabei den Eiskanal aus sportfachlicher, infrastruktureller und ökologischer Sicht langfristig konkurrenzfähig machen“, erklärt der Politiker.

Ob er das tut, weil am 27. Oktober in diesem Jahr in Thüringen auch ein neuer Landtag gewählt wird?

Dem deutschen Verbandschef Thomas Schwab ist das letztlich egal. „Für uns als Verband ist wichtig, dass wir mit unseren vier deutschen Kunsteisbahnen in regelmäßigen Abständen Weltmeisterschaften zugesprochen bekommen“, sagt Schwab und bezeichnet den Zuschlag für Oberhof als „für den Fortbestand der Sportstätte extrem wichtig, da die Ausrichtung der WM mit großen Erweiterungs- und Sanierungsmaßnahmen der Bahn verbunden ist“.

Positionswechsel am Eiskanal: Jens Morgenstern (rechts) übernimmt das Amt als Bahnchef von Matthias Benesch, der jetzt Leistungssportkoordinator im sächsischen Verband ist.
Positionswechsel am Eiskanal: Jens Morgenstern (rechts) übernimmt das Amt als Bahnchef von Matthias Benesch, der jetzt Leistungssportkoordinator im sächsischen Verband ist. © Egbert Kamprath

Und genau an dem Punkt steigt auch Altenbergs neuer Bahnchef in das Thema ein. Mit den Vorbereitungen für die Ende Februar 2020 stattfindende Bob- und Skeleton-WM ist Morgenstern, der bis zum Wechsel ins Osterzgebirge in Winterberg tätig war, natürlich voll ausgelastet. „Infrastrukturell“, betonte er bei seiner Vorstellung in der Vorwoche, „müssen wir aber auch an dieser Bahn dranbleiben. Und da habe ich kleine Bedenken, nicht dass uns da andere Bahnen in der Welt den Rang ablaufen“.

Mit zweistelligen Millionenzuschüssen vom Land, das hat der gebürtige Chemnitzer nicht erst durchrechnen müssen, ließe sich eine Menge tun. „Es gibt einige Ecken hier, und den einen oder anderen Wunsch habe ich auch schon im Hinterkopf“, sagt Morgenstern, spricht von einem Zehn-Jahres-Plan und kündigt den Vertretern des Innenministeriums schon mal ein baldiges Wiedersehen an. Eine Liste existiere bereits. Beispielsweise muss der Stellplatz für die Bobs am Start überdacht werden, und auch der Vip-Bereich genügt in der jetzigen Größe nicht mehr internationalen Anforderungen. „Das sind so Dinge, die mir vorschweben“, sagt Morgenstern.

Zumindest der Umbau der Kurvenkombination 11, 12 und 13, wo es zuletzt immer häufiger zu mitunter schweren Stürzen kam, ist nun beschlossene Sache. Kostenpunkt: 3,4 Millionen Euro. Ein Meilenstein für Altenberg, findet der Bahnchef.

Mehr zum Thema Sport