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Was am Busverkehr in Herrnhut klemmt

Die vor drei Jahren eingeführte Buslinie nach Görlitz ist beliebt. Sie könnte aber mehr Dörfer erreichen.

Von Steffen Gerhardt

Von Schönau-Berzdorf braucht es nur 25 Minuten, dann ist Frau Sch. in Görlitz und kann ihre Schwester im Pflegeheim besuchen. Und zurück sind es auch nur 25 Minuten, denn die Seniorin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, fährt mit dem Bus in die Kreisstadt. Das macht sie gern, und meistens ist sie nicht allein unterwegs. „Inzwischen kennt man sich, denn die Wege führen uns alle meist nach Bernstadt oder Görlitz“, erzählt die 80-Jährige über ihre Busbekanntschaften. „Wir freuen uns darüber, dass es diese Buslinie gibt, sonst wären wir nicht so mobil. Denn wir sind auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen“, sagt die Schönauerin auch im Namen ihrer älteren Mitfahrer.

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Ernst Winkler von einem Dresdner Beratungsbüro sprach mit 20 Herrnhutern zur Linie 147 und notierte sich ihre Wünsche. Foto: Rafael Sampedro
Ernst Winkler von einem Dresdner Beratungsbüro sprach mit 20 Herrnhutern zur Linie 147 und notierte sich ihre Wünsche. Foto: Rafael Sampedro

Dieses Lob für die Buslinie 147, die seit drei Jahren zwischen Görlitz und Herrnhut verkehrt, ist nicht nur aus Schönau-Berzdorf zu hören. Das freut den Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon). Denn er möchte das Angebot für die Bürger verbessern und sucht das Gespräch mit ihnen entlang der gesamten Route.

Schönau-Berzdorf: Lob für die Buslinie, auf dass sie noch lange unterwegs ist

Nicht nur Frau Sch. liegt viel daran, dass die Buslinie 147, die von Herrnhut nach Görlitz führt, noch lange in Betrieb bleibt. „Es fährt ein moderner Bus und die Fahrer sind sehr freundlich und hilfsbereit, helfen einer Mutter, mit ihrem Kinderwagen in und aus dem Bus“, hat die Schönauerin schon mehrfach beobachtet. Dieses Lob wollte sie unbedingt über die Zeitung loswerden, sagte sie am SZ-Telefon.

Mit Vertretern des Zvon war die Seniorin bereits im vergangenen Jahr im Gespräch. Die Ortsgruppe des Demokratischen Frauenbundes hatte zu einer Gesprächsrunde eingeladen – und dabei ging es auch um die Linie 147. Laut Zvon-Sprecherin Sandra Trebesius ist der Zweckverband an der Meinung der Bürger interessiert, die in den Orten und Städten entlang dieser Buslinie wohnen beziehungsweise arbeiten. So waren Vertreter des Zvon ein weiteres Mal mit ihrem Informationsstand beim Weihnachtsmarkt in Schönau-Berzdorf dabei.

Herrnhut: Schlechte Verbindung und Erreichbarkeit der Züge in Löbau

Die Meinung der Herrnhuter ist gleichfalls gefragt. Nachdem sie im vergangenen Sommer auf einer Antwortkarte des Zvon aufschreiben konnten, was sie von dem Angebot halten und wie sie es nutzen, wurden sie jetzt zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Das Dresdner Ingenieurbüro für Systemberatung und Planung (Isup) führte im Auftrag des Zvon das Gespräch. Dabei zeigte sich, so Geschäftsführer Ernst Winkler, dass die Linie zwar gut genutzt wird, aber es noch einige Verbesserungen und Wünsche gibt.

So funktioniert die Linie 147 nur im Verbund mit dem gesamten Netz des Personennahverkehrs. „Kritisiert wurde eine ungenügende zeitliche Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Verkehrsträgern. Das gilt vor allem für die Anbindung der Buslinie von Zittau nach Löbau, die für die Herrnhuter die wichtigste Busverbindung ist“, nennt Ernst Winkler ein Beispiel und seine Folgen: „Die Anschlüsse zwischen Bus und Eisenbahn sind nicht ausreichend aufeinander abgestimmt, sodass für die Herrnhuter Wartezeiten von einer Stunde in Löbau auftreten, wenn sie mit dem Zug weiterfahren wollen.“

In der Herrhuter Runde wurde auch darauf verwiesen, dass es günstiger sei, die Buslinie 147 durch Berthelsdorf und Kunnersdorf zu führen, da dort mehr Fahrgäste zusteigen würden. Das bedeutet aber auch, so Herr Winkler, dass sich die Fahrzeit zwischen Bernstadt und Herrnhut um rund zehn Minuten verdoppeln würde. In der Kritik standen ebenso die „großen“ Busse von 12 Metern Länge. „Sie vermitteln einem das Gefühl des unwirtschaftlichen Betriebes“, sagte ein Herrnhuter und machte den Vorschlag, lieber kleinere Busse zu nutzen, wenn wenige Leute mitfahren. Das sei vor allem in der schulfreien Zeit der Fall.

Bernstadt: Fahrten auch am Wochenende sind gewünscht

Wie auch die Bernstädter die junge Buslinie annehmen, wird letztendlich die Auswertung der Zählung ihrer Nutzer ergeben. „Damit ist aber erst im Frühjahr zu rechnen, denn voraussichtlich im April werden wir eine weitere Zählung vornehmen“, berichtet die Zvon-Sprecherin. Der Verkehrsverbund hat bereits im vergangenen Jahr zweimal – im Frühjahr und im Oktober – die Busnutzer gezählt. Die dritte Erfassung soll eine bessere Vergleichbarkeit bringen, wie die Linie frequentiert wird. „Unser Ziel ist ihr Erhalt und sie für unsere Kunden attraktiver zu machen“, so die Sprecherin.

Ursprünglich war diese Busverbindung als einjähriger Versuch geplant. Dieser begann zum 1. Januar 2013 mit täglich vier Fahrten, heute sind es sechs. Aber diese sind nur von Montag bis Freitag möglich. Dass der Bus auch drei Jahre später nicht am Wochenende fährt, wird auf dem Eigen kritisiert. Denn wer beispielsweise seine Angehörigen in den Alten- und Pflegeheimen in Bernstadt, Herrnhut oder Görlitz besuchen möchte, der ist sonnabends und sonntags auf das Auto angewiesen.

Die angesprochenen Wünsche und Hinweise kann der Verkehrsverbund nur mit dem Landkreis diskutieren und erledigen. „Dieser ist als sogenannter Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr und das Liniennetz zuständig“, sagt Sandra Trebesius. Schließlich gehört dazu auch der politische Wille. Eine Frau schlug in Herrnhut vor, den Kreistagsmitgliedern des Technischen Ausschusses Zvon-Tageskarten in die Hand zu drücken, „damit sie als Autofahrer sehen, wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln in der Oberlausitz von A nach B kommt“, sagte sie.

Die Herrnhuter Meinungen fließen in die allgemeine Umfrage des Verkehrsverbundes mit ein. Dem Zvon liegen bereits viele schriftlichen Äußerungen vor. „Die positive Resonanz dominiert und die Kritiken sind konstruktiv für uns“, fasst Sprecherin Sandra Trebesius den Grundtenor der Meinungen und Gespräche zusammen. Einbezogen sind dabei auch die Bernstädter, die in einer Gesprächsrunde bereits im Frühjahr zur Linie 147 befragt wurden.

Der Zvon ist an Hinweisen weiter interessiert. Deshalb wurde die Befragung der Haushalte mit einem Faltblatt zum Jahreswechsel auf weitere Orte ausgeweitet. Aber auch im Internet kann man seine Meinung dazu loswerden. (mit ah)

www.zvon.de/de/Umfrage/