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Was aus der Nudelfabrik werden soll

Zum Tag des offenen Denkmals war die alte Fabrik erstmals öffentlich zugänglich. Löbaus OB Dietmar Buchholz hat auch verraten, wie es mit ihr weitergeht.

Schlange stehen: Um einen Blick in die Nudelfabrik zu erhalten, war Geduld gefragt.
Schlange stehen: Um einen Blick in die Nudelfabrik zu erhalten, war Geduld gefragt. © Markus van Appeldorn

Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) wirkte am Sonntag rundum zufrieden. "Als wir die Eigentumsrechte erworben haben, habe ich nicht gedacht, dass wir so schnell in den Mittelpunkt rücken würden", sagte er. Gemeint war mit diesen Worten der Ort, an dem Buchholz sie vor geladenen Gästen sprach: die ehemalige Anker-Nudelfabrik an der Äußeren Bautzner Straße.

Wegen des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums hatte das Innenministerium zur zentralen Eröffnungsveranstaltung zum "Tag des offenen Denkmals" in die Nudelfabrik geladen. Denn außer dem benachbarten Haus Schminke gestaltete der Architekt Hans Scharoun auch in den 1930-er Jahren auch Teile der Fabrik - etwa den markanten, lichtdurchfluteten Treppenhausturm auf der rückwärtigen Seite. "Wir wollen die Anker Teigwarenfabrik wieder dauerhaft zugänglich machen", versprach Dietmar Buchholz. Erste Ideen seien bereits gesammelt. "Das Thema Bauhaus soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Wir wollen die Fabrik und das angrenzende Haus Schminke gemeinsam erlebbar machen", so der Oberbürgermeister. In Zukunft würden das Löbauer Stadtmuseum und das Stadtarchiv in die Nudelfabrik einziehen. "Tagungsräume und Übernachtungsmöglichkeiten sind ebenfalls denkbar", sagte Buchholz.

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Die Gäste in der Nudelfabrik konnten auch erstmals Einblick in die Pläne nehmen, die der Görlitzer Architekt Christian Weise für die Stadt entworfen hat. Auch einen - zumindest vorläufigen - Namen hat das Projekt: "Anker Kulturgut". Demnach werden zunächst die nicht historischen Bauten auf dem Fabrikgelände zurückgebaut. Teile des Dachs und der einst von Scharoun geschaffene Fahrradschuppen sollen rekonstruiert werden, ebenso der damalige weiträumige Pausengarten für die Arbeiter. Auch die Verbindung zum Haus Schminke wird wieder hergestellt. Denn die Fabrikanten-Villa und die Fabrik bilden eine bauliche Einheit. 

"Fritz Schminke hatte sein Bett so ausgerichtet, dass er morgens von dort aus auf seine Fabrik schauen konnte", verriet der Sächsische Landeskonservator Alf Furkert beim Festakt. Und Auch Claudia Muntschick von der Stiftung Haus Schminke betonte diese historische Zusammengehörigkeit: "Es ist ein lang gehegter Traum, diese beiden Gebäude wieder gemeinsam zu vermarkten." Pläne, bei denen Löbau auch auf finanzielle Hilfe vom Freistaat hoffen darf. Denn Löbau ist Vorbild, wie Thomas Rechentin, Amtsleiter im Innenministerium, in seiner Festrede betonte: "Wir wollen keine bloßen Museen. Wir wollen Denkmale, die leben - wie von Haus Schminke vorgelebt."

Erstmals seit dem Erwerb durch die Stadt war die Nudelfabrik am "Tag des offenen Denkmals" für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Die erste Führung des Tages für die geladenen Gäste des Festakts übernahm Guido Storch, studierter Architekt und Hauptamtsleiter in der Löbauer Stadtverwaltung. Er führte durch Stationen wie die ehemaligen Produktionsräume der "Kurzen Ware" (Suppennudeln) oder die "Sackklopperei", wo einst Mehlsäcke ausgeklopft wurden. Auch informierte er über Vergangenheit und Zukunft der Fabrik. So müsse man den jetzigen baufälligen Fabrikschlot im Innenhof in absehbarer Zeit zurückbauen. "Aber das Gebäude soll seinen Charakter als Fabrik behalten", erklärte Storch. Deswegen werde man vermutlich einen neue Schlot errichten. 

Und auch ein anständiges Namensschild soll die Nudelfabrik wieder schmücken. An der Außenfassade zur Äußeren Bautzner Straße prangte einst das großes Anker-Logo der Fabrik. "Bei Regen kann man noch die Umrisse sehen, wo es einst angebracht war", sagte Storch. Das originale Logo mit Schriftzug von damals sei nicht mehr erhalten. "Aber wir haben Bilder und Zeichnungen", so Guido Storch.

Anlässlich des "Tags des offenen Denkmals" verlieh Amtsleiter Thomas Rechentin auch wieder den Kinder- und Jugenddenkmalpreis. Der Preis bildet den Höhepunkt des Sächsischen Landesprogramms "Pegasus - Schulen adoptieren Denkmale". Zu den diesjährigen Preisträgern gehört das Evangelische Schulzentrum Löbau für das Projekt "Heilig-Geist-Kirche Löbau im Wandel der Zeit". Weitere Preisträger sind eine Dresdner Oberschule und das Radebeuler Lößnitzgymnasium.

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