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Was aus einem fiesen Mann wurde

Jürgen Haase spielt wieder eine Weihnachtsstory und ärgert sich dabei über die Schlossverwaltung.

Von Ulf Mallek

Er trägt eine Siliconmaske mit grauer Perücke, sein Kostüm ist ebenfalls grau. Um den Hals hat er eine Eisenkette. Er schaut richtig grimmig aus. Der Schauspieler Jürgen Haase spielt den Geist des verstorbenen Geizkragens Marley in der Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“ von Charles Dickens.

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„Kleinere Kinder haben richtig Angst vor mir“, sagt Haase. Aber sie sind trotzdem begeistert. Alle rund zwei Dutzend Vorstellungen vor Weihnachten, im Dresdner Palais im Großen Garten, sind ausverkauft. „Das liegt vielleicht auch an der tollen Story“, sagt der Gauernitzer Schauspieler. „Die Wandlung eines fiesen Geldverleihers zu einem guten Menschen.“ 350 Zuschauer passen in den Saal. Die Inszenierung des Staatsschauspiels Dresden läuft an manchen Tagen zweimal.

Zu Beginn der Inszenierung im Großen Haus des „Staatsschauspiels“, hielt sich die Begeisterung des Publikums in Grenzen. Als 2002 das Theater flutbedingt gesperrt war, suchte der damalige Intendant Holk Freytag, der auch Regisseur des Stücks ist, nach einer Alternative. Er fand sie im Palais im Großen Garten. Seit dem sind die Dresdner und Umlandbewohner schwer begeistert. Heilig Abend in die Kirche und vorher zu „A Christmas Carol“, so lautet anscheinend die Devise in vielen Familien.

Im Erdgeschoss zeigen junge Floristen gute Tipps, um die eigene Wohnung weihnachtlich zu dekorieren. Haase ist von der Ausstellung begeistert, ärgert sich aber, dass sie nur eine Woche bis 8. Dezember läuft. „Sie ist so toll, sie hätte es verdient, während unserer gesamten Spielzeit offen und für die Besucher zugänglich zu sein“, sagt er. Leider brachte das Institut für Floristik die Mietkosten nur für eine Woche auf. „Ich finde es schade für die Ausstellung - und total unverständlich vonseiten der Schlösserverwaltung!“, sagt Haase. „Auch, dass unsere Theaterbesucher noch mal den halben Eintrittspreis zahlen müssen, wenn sie die Ausstellung sehen wollen, ist nicht nachzuvollziehen. Jeder Dynamo-Fan darf z. B.. mit einer Stadionkarte frei Bus- und Straßenbahn benutzen. Das „Staatsschauspiel“ und der Große Garten gehören beide dem Freistaat Sachsen. Der hätte sich doch mit sich selbst einigen können, im Interesse der Besucher“, sagt Haase.

Nach Weihnachten ist für ihn „Dinner for One“ dran. Im Pirnaer „Tom Pauls Theater“. Haase ist natürlich Miss Sophie, Tom Pauls ihr Butler und Peter Kube der Englischlehrer Boby Löser. Im zweiten Teil nach der Pause feiert Ilse Bähnert ihren 79. Geburtstag, eine Adaption des Dinner-Stücks - quasi auf sächsisch. Haase spielt dabei Herbert, den verstorbenen Gatten von Ilse Bähnert. Alle Aufführungen sind ebenfalls ausverkauft.

Im neuen Jahr geht Haase mit seinen beiden Kollegen vom „Zwinger-Trio“ wieder auf Tournee. Sie bleiben in der Region Sachsen und Thüringen. Ihr neues Stück „Die Retter der Tafelrunde“ mit vielen aktuell politischen Anspielungen läuft gut. Gunther Emmerlich sagte nach seinem Besuch der Premiere , es sei „das bisher politischste Programm des Trios“. Das sieht Haase allerdings anders. „Unser politischstes Programm war das von 1989, „Dem Alltag entflohen“, sagt er. Die Stasi wollte es verbieten, aber der damalige Intendant des „Staatsschauspiels“, Gerhard Wolfram, hielt seine Hand über das damals noch junge Trio. Er hatte ja auch kurz davor das Stück „Die Ritter der Tafelrunde“ von Christoph Hein durchgesetzt, dass genügend Anspielungen auf den verknöcherten Parteistaat enthielt. Wolfram starb nur wenige Wochen nach seiner Pensionierung im Herbst 1990.

Das Kapitel Störtebeker-Festspiele auf Rügen ist für Haase abgeschlossen. Dafür gehört er wieder zu den Gästen im Ensemble der Landesbühnen Sachsen auf der Felsenbühne Rathen. Ende Mai geht es wieder los mit „Old Surehand“.