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Was aus Kurt Davids literarischer Mitgift geworden ist

Vor 20 Jahren starb der Oybiner Schriftsteller in Görlitz. Seine Werke werden nicht mehr aufgelegt, vieles nur verramscht.

Von Bernd Dressler

1965 lief eine Fernsehserie, die die DDR-Zuschauer in Scharen vor die Bildschirme lockte: „Aus dem Tagebuch eines Minderjährigen.“ Siebenmal, immer freitags, stieg der Knabe Heinz auf den Dachboden, um sein Tagebuch zu schreiben und dabei die Charakterschwächen der Erwachsenen treffsicher aufs Korn zu nehmen. Ein Oberlausitzer Schriftsteller hatte die literarische Vorlage unter dem Titel „Freitags wird gebadet“ geliefert; bis 1989 erlebte sie im Eulenspiegel-Verlag 13 Auflagen.

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Kurt David hieß der Autor, geboren in Reichenau, in der DDR zunächst in Oberseifersdorf und danach in Oybin lebend. Vor 20 Jahren, am 2. Februar 1994, ist er fast erblindet in einem Görlitzer Krankenhaus gestorben. In wenigen Wochen, am 13. Juli, wäre er 90 Jahre alt geworden.

Vor allem als Kinderbuchautor hat sich Kurt David einen Namen gemacht. Er gilt als einer der bedeutendsten Jugendbuchautoren Deutschlands, etliche seiner Kurzgeschichten finden sich heute noch in den Lehrplänen ausländischer Schulen, denn seine Bücher sind in mehr als zwölf Sprachen erschienen. Er schrieb Musikerbiografien für die Jugend, so über Franz Schubert und über Ludwig van Beethoven. In seinen 40 Jahren literarischer Arbeit entstanden Reisereportagen und Novellen, darunter „Die Überlebende“, die den polnisch-deutschen Widerstand unter Hitler beleuchtet.

Davids Mitgift müsse bewahrt bleiben, sagte vor zehn Jahren der Dresdner Publizist Rudolf Scholz, damals Vorsitzender des Förderkreises für Literatur in Sachsen, als in Oybin das Straßenschild „Bergweg“, dort wo Christina und Kurt David viele Jahre wohnten, den Zusatz „Kurt David“ bekam. Bereits 2003 war am Gymnasium Nr. 2 in Bogatynia (Reichenau) eine Gedenktafel für den Schriftsteller angebracht worden, der von 1930 bis 1938 in diese Schule ging. Dem steht freilich die traurige Gewissheit gegenüber, dass Verlage von Kurt David heute nichts mehr wissen wollen. Das einzige Werk, das derzeit neu in einer Ausgabe von 2007 im Internet angeboten wird, ist „Antennenaugust“, eine Bussard-Tiergeschichte, ergänzt durch Unterrichtsmaterialien für die Klasse 6/7. Andere Bücher von ihm gibt es nur noch antiquarisch. Bei Amazon zum Beispiel ist der Schriftsteller aktuell rund 140-mal vertreten – angeboten für einen Cent. Die Händler verdienen statt David eher an den drei Euro Porto je Buch. Literatur nahe dem Altpapierwert.

Die Gemeinde Oybin pflegt einen anderen Umgang mit einem ihrer großen Söhne. Die frühere Bürgermeisterin Gabriele Sattler, die seit vielen Jahren Material für die Ortschronik sammelt, weiß, dass neben Ehrungen auch Ausstellungen an Kurt David erinnerten. Ihr ist zudem eine Anfrage bekannt, die das „Internationale P.E.N-Zentrum der Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Exil deutschsprachiger Länder“ an die Gemeinde richtete. Dessen Präsidium hatte zum 80. Geburtstag Davids gebeten, ihm die Oybiner Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Daraus wurde nichts. Mal sehen, wie Oybin Kurt David im Jahr seines 90. Geburtstages und 20. Todestages würdigt.