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Döbeln

Was aus Rohren und Blechen werden kann

Wenn es um Küchentechnik geht, weiß Siebtklässler Tobias jetzt einiges mehr. Er hat sich in den Schulferien den Hersteller PKT in Marschwitz angeschaut.

Francis Kretzschmar (rechts) hat als Auszubildender in der Polkenberger Küchentechnik angefangen. Heute ist er als Gruppenleiter im Einsatz. Dem Siebtklässler Tobias aus Hartha zeigt er, wie Bleche für Regalwagen bearbeitet werden.
Francis Kretzschmar (rechts) hat als Auszubildender in der Polkenberger Küchentechnik angefangen. Heute ist er als Gruppenleiter im Einsatz. Dem Siebtklässler Tobias aus Hartha zeigt er, wie Bleche für Regalwagen bearbeitet werden. © Christian Essler

Leisnig. Wer sich in größeren Möbelhäusern gestärkt hat, der bringt sein Geschirr mitunter an eine Rückgabestation, auf der Tassen und Teller auf einer Art Förderband hinter die Kulissen transportiert werden. 

Solche Rücklaufbänder oder auch Speiseverteilbänder, wie sie zum Beispiel in großen Küchen in Krankenhäusern verwendet werden, stellen die Mitarbeiter in der Polkenberger Küchentechnik (PKT) GmbH & Co KG her.

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Tobias aus Hartha darf sich anschauen, wie die Bänder montiert werden. Der Siebtklässler nutzt ein Angebot der Praxisberater des Bildungswerkes der Sächsischen Wirtschaft gGmbH. Dafür „opfert“ er einen Sommerferientag. 

Doch auch Silvio Flieger hat sich für den Jugendlichen Zeit genommen. Er ist der PKT-Betriebsleiter am Standort Polkenberg und wie viele Chefs von Handwerksbetrieben ständig auf der Suche nach Nachwuchs, der sich für einen Metallberuf begeistern kann.

Feinbautechnik auch für Frauen

PKT bildet Konstruktionsmechaniker in der Fachrichtung Feinbautechnik aus. Wer sich diese Lehre vorstellen kann, sollte schon vom Grunde her Interesse für einen handwerklichen Beruf mitbringen, Zeichnungen lesen und einigermaßen gut rechnen können. „Ein Praktikum wäre wünschenswert“, sagt Silvio Flieger. Dabei könnten sich beide Seiten kennenlernen und schauen, ob’s passt.

Die Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker dauert dreieinhalb Jahre. Die Theorie wird in Berufsschulen in Leipzig oder Freital gelehrt. Das praktische Können eignen sich die jungen Männer oder Frauen in ihren Ausbildungsbetrieben wie beispielsweise den im Marschwitzer Gewerbegebiet an. „Auch für Frauen ist der Beruf durchaus geeignet“, so der Betriebsleiter.

Dieses Jahr ist keine einzige Bewerbung um eine Lehrstelle auf seinem Schreibtisch gelandet. Schade, findet Flieger. Denn das Unternehmen könne jungen Leuten, die in der Heimat bleiben wollen, durchaus Perspektiven bieten.

Francis Kretzschmar ist ein gutes Beispiel dafür. Der 23-Jährige aus dem Nachbarort Seidewitz hat sich das Unternehmen vor ein paar Jahren mit seinen Eltern bei einem Tag der offenen Tür angeschaut – und später tatsächlich seine Lehre da begonnen. Und: Er ist geblieben! „Inzwischen arbeitet er hier als Gruppenleiter in der Blechvorfertigung, schreibt unter anderem die Programme für die Stanzmaschine“, sagt Silvio Flieger.

Mit Tobias und den Praxisberatern Olaf Engel, zuständig für die Oberschule Leisnig, sowie Marlen Junghanns, zuständig für die Harthaer Oberschule, unternimmt der Betriebsleiter eine Führung durch die Werkhallen im Gewerbegebiet Marschwitz. 

An beinahe jedem Arbeitsplatz sehen die Besucher, was aus dem Hauptrohmaterialien – Bleche und Rohre – wird, wie die mehr und mehr Gestalt annehmen. Außer den Verteil- und Rücklaufbändern stellen die Polkenberger nämlich in erster Linie her, was in Küchen und Krankenhäusern mit vier Rädern bewegt werden kann. Das sind Regal-, Servier-, Tellertransport-, Speiseausgabewagen und anderes mehr.

Spezialisierung war genau richtig

Die Polkenberger Küchentechnik gibt es am Standort in Marschwitz im nächsten Oktober seit 25 Jahren. Der Betrieb mit zurzeit 37 Mitarbeitern gehört zur Hupfer-Gruppe. Das Stammwerk ist im westfälischen Coesfeld ansässig. Dessen Wurzeln liegen wiederum in Zeitz, wo die Unternehmensgeschichte 1870 mit der Herstellung von Drahtprodukten wie etwa Körben begann.

Die Gruppe, zu der neben dem sächsischen Werk noch eines – nämlich Rüther – in der Nähe von Eslohe im Sauerland gehört, beliefert Flieger zufolge Kunden weltweit. „Gefertigt wird alles, was an Transportgeräten in der Medizin- und Großküchentechnik benötigt wird. Nur Herde stellen wir nicht her“, sagt er. Nach seiner Einschätzung hat sich die Spezialisierung jedes einzelnen Unternehmens der Gruppe bewährt. „Wir haben seitdem ziemlich konstant eine gute Auftragslage.“