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Was bei Dynamo wirklich schiefgelaufen ist

Zwei Entdeckungen, einige Unwägbarkeiten und eine verpasste Chance – sächsische.de analysiert die Personalplanung der Schwarz-Gelben.

Von Sven Geisler
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Sie diskutieren auch kontrovers über die Personalplanung: Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) und Cheftrainer Cristian Fiel.
Sie diskutieren auch kontrovers über die Personalplanung: Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge (l.) und Cheftrainer Cristian Fiel. © Ronald Bonß

Fehler hat er eingeräumt, sich bei der Mitgliederversammlung selbst „an den Pranger gestellt“, wie er sagte. Der Plan vom Sommer sei bislang nicht so aufgegangen, wie gedacht, gibt Dynamos Sportgeschäftsführer Ralf Minge zu, was offensichtlich ist. 

Schließlich kann es nicht der Anspruch des Vereins sein, in der 2. Fußball-Bundesliga bereits die dritte Saison in Folge gegen den Abstieg zu spielen. Auch wenn es an sich als ein Erfolg zu bewerten ist, sich jetzt schon so lange in dieser Spielklasse behauptet zu haben.

Doch das Ziel ist ein anderes, mittelfristig soll der Aufstieg gelingen und laut Leitbild sogar das 100. Europapokal-Spiel kein Traum bleiben. Das ist sehr langfristig angelegt, kurzfristig müssen die Dresdner ihre akuten Probleme lösen, um einen Rückfall in die Drittklassigkeit abzuwenden. 

Minge analysiert selbstkritisch, benennt allerdings nicht konkret, was schiefgelaufen ist. Sächsische.de analysiert die Personalplanung – angefangen mit den positiven Beispielen.

Die Entdeckung der Saison

Kevin Ehlers ist bisher die Entdeckung der Saison – und auch Minge überrascht. „Er sollte als vollwertiges Mitglied zum Profi-Kader aufrücken und seine Chance bekommen“, sagt der Sportchef über den erst 18 Jahre alten Verteidiger, der in der B-Jugend von Hansa Rostock zu Dynamo kam und noch in der A-Jugend spielen könnte. „Kevin ist ein Musterbeispiel: Charakter, Fleiß, Demut, Respekt.“ 

Ehlers hat zehn von 13 Spielen über die volle Distanz bestritten. Zweimal nahm ihn Trainer Cristian Fiel vorsorglich raus, weil er zuvor mit der deutschen U19-Auswahl unterwegs gewesen ist. „Es ist verwunderlich, dass sie ihn bei der Nationalmannschaft gar nicht auf dem Zettel hatten bei dem Sichtungssystem des DFB“, meint Minge. „Das muss man sich mal vorstellen. 

Jetzt ist er in der U19 ein unverzichtbarer Stammspieler, hat zuletzt in sechs Tagen drei Spiele gemacht.“ Das wiederum ist mehr als fragwürdig, denn auch beim DFB sollte man darauf achten, junge Spieler nicht zu überfordern.

Kevin Ehlers
Kevin Ehlers © Robert Michael/dpa

Als guter Griff erwies sich auch Kevin Broll. Der Torwart hat immerhin nach dem Theater um den Wechsel von Markus Schubert zu Schalke 04 schnell Ruhe reingebracht. „Wir hatten ihn schon lange im Fokus. Natürlich ist das Restrisiko einen Tick höher, wenn man jemanden von unten nach oben verpflichtet“, meint Minge über den Neuzugang aus der 3. Liga. „Es freut mich extrem, dass es so aufgeht, aber es war auch unsere Erwartung, dass er liefert – wenn er den Kulturschock übersteht von Großaspach zu Dynamo. Und er ist ein echter Typ, der gerade in einer durchaus schwierigen Situation in die Rolle eines Leistungsträgers rein wächst.“

Einige Neuzugänge sind noch nicht angekommen

Einige Neuzugänge sind noch nicht richtig zu bewerten, Stürmer Luka Stor noch gar nicht wirklich angekommen. In den Punktspiel-Pausen ist der 21-Jährige mit der slowenischen Nachwuchsauswahl unterwegs. Er war jedoch nicht auf Anhieb für die Startelf, sondern eher als Alternative zu Moussa Koné eingeplant. 

Luka Stor
Luka Stor © Andreas Gora/dpa

Die Erwartungen an René Klingenburg waren höhere: „Physisch, balltechnisch und taktisch bringt er alles mit, um uns in der zweiten Liga zu verstärken“, hatte Minge über seine Verpflichtung gesagt. Jetzt stellt er fest: „Er war vorige Saison in der 3. Liga der gefährlichste Mittelfeldspieler, hat zehn Tore erzielt. Derzeit hängt er ein bisschen im Loch, aber ich bin überzeugt, dass er noch kommt.“

Leistungsträger haben Probleme

Es wäre zu wenig, nur die Spieler zu bewerten, die vor der Saison dazu gekommen sind. Von Chris Löwe hatte man sich zweifellos mehr erhofft angesichts seiner Stationen unter anderem bei Borussia Dortmund und Huddersfield Town in der englischen Premier League. 

Oder liegt es am Spielsystem und damit seiner Position, dass er bislang kaum überzeugen konnte? Auch andere vermeintliche Leistungsträger haben Probleme. Brian Hamalainen war zu Beginn außen vor, konnte bei seinen Einsätzen den Anspruch auf einen Stammplatz jedoch kaum nachweisen.

Chris Löwe
Chris Löwe © Robert Michael/dpa

Dzenis Burnic hat ihn zuletzt sogar verloren, blieb beim 1:0-Sieg gegen Wiesbaden zum ersten Mal draußen. Dabei galt er in der Rückrunde der Vorsaison als Leistungsträger, Dynamo bemühte sich daraufhin, ihn weiter von Borussia Dortmund auszuleihen. Doch bei einem 21-Jährigen darf man Konstanz nicht voraussetzen, muss Schwächephasen einkalkulieren – und im Idealfall Alternativen haben. 

Die gibt es auch im vergleichsweise kleinen Kader, theoretisch. Minge und Kaderplaner Kristian Walter setzen auf polyvalente Spieler, wie es heißt, also auf Profis, die mehrere Positionen spielen können.

So könnte Jannik Müller im defensiven Mittelfeld spielen, Marco Hartmann sowieso, auch Löwe wäre ein Kandidat. Ein solches Verschieben funktioniert wiederum nur, wenn möglichst alle fit und bestenfalls gut drauf sind. Ansonsten reißt man mit jedem Loch, das man stopft, ein neues. Dynamos Aufgebot ist auch deshalb zu klein, weil einige Spieler an Grenzen stoßen wie Patrick Möschl, Sascha Horvath oder auch Vizekapitän Niklas Kreuzer. Andere sind noch nicht so weit wie der 18 Jahre alte Österreicher Matthäus Taferner oder Max Kulke aus dem eigenen Nachwuchs, der zuletzt einen guten Eindruck hinterließ.

Ersatz für Jeremejeff fehlt

Alexander Jeremejeff
Alexander Jeremejeff © Robert Michael/dpa

Ganz besonders deutlich wird die Fehlplanung im Angriff: Es gibt, abgesehen von der Qualität, nominell einen Stürmer zu wenig. Die vier Spiele, in denen Alexander Jeremejeff fehlte, wurden verloren. Der Schwede, kurz vor Transferschluss von BK Häcken gekommen, ist sicher ein Gewinn, aber für ihn gibt es keinen Ersatz. Dabei hätte es den geben können. 

Nach Informationen der SZ soll Alexander Meier ein Thema gewesen sein. Der Ex-Frankfurter hatte in der Vorsaison beim FC St. Pauli mit sechs Toren in 16 Spielen bewiesen, dass er mit 36 Jahren weiter trifft. Zudem hätte er mit seiner Erfahrung, Präsenz und 1,96 Metern Körpergröße im doppelten Sinne eine wichtige Größe sein können. Er spielt jetzt in Sydney in der australischen Liga – für Dynamo eine verpasste Chance.

Alexander Meier soll bei Dynamo ein Thema gewesen sein. Doch die Chance haben die Dresdner verpasst. Inzwischen spielt er in Sydney in der australischen Liga.
Alexander Meier soll bei Dynamo ein Thema gewesen sein. Doch die Chance haben die Dresdner verpasst. Inzwischen spielt er in Sydney in der australischen Liga. © Frank Molter/dpa