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Was bewegt die Menschen in Neukirch?

Was läuft gut, was läuft schlecht? Vor der Kommunalwahl am 26. Mai schaut sich die SZ in den Städten und Gemeinden um.

PLUSPUNKT: Mit der Sanierung der Oberschule behauptet sich Neukirch als attraktiver Schulstandort und steigert seine Attraktivität für junge Familien.
PLUSPUNKT: Mit der Sanierung der Oberschule behauptet sich Neukirch als attraktiver Schulstandort und steigert seine Attraktivität für junge Familien. © Foto: Steffen Unger

Neukirch. Trotz aller Unkenrufe über die düstere Zukunft des ländlichen Raums drängt sich in Neukirch der Eindruck auf, es mit einer lebendigen Gemeinde zu tun zu haben: Ein vielfältiger Einzelhandel, zahlreiche Industrieunternehmen und innovative Freizeitangebote tragen zur Attraktivität des Ortes bei. Der scheidende Gemeinderat hat an dieser positiven Bilanz großen Anteil – und legt die Messlatte für die künftige Politik am Valtenberg hoch.

Zwar verringerte sich die Zahl der Einwohner in Neukirch zwischen Januar 2014 und Januar 2019 um 184 auf nunmehr 4 882 Personen. Das ausgerufene Ziel der „5 000 +“ möchte man deshalb aber nicht zu Grabe tragen. „Eine Umsetzung in einer Legislaturperiode ist nicht realistisch“, stellt Ronny Wolf (GBN) klar und verweist auf die Bedeutung des ausstehenden Dorfentwicklungskonzeptes für die Umsetzung der Zielvorgabe. 

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Auch die anderen Parteien und Bündnisse bekennen sich zur langfristigen Gültigkeit des eingeschlagenen Weges: „Wir wollen wachsen, unseren Weg weitergehen und Neukirch als wichtigen regionalen Wirtschaftsstandort stärken, die Lebensqualität erhöhen“, umreißt Andreas Hultsch die künftige Strategie der CDU. Noch konkreter in ihren Vorhaben wird die SPD. So sollen nach Aussage von Uwe Eckhardt durch Bereitstellung von Wohnraum, Schaffung und Sicherung von Betreuungs- und Bildungseinrichtungen, den Erhalt sozialer Infrastruktur und öffentlichem Personennahverkehr vor allem jungen Familien attraktive Rahmenbedingungen geschaffen werden. 

Auch die AfD spricht sich für Erhalt und Ausbau der Attraktivität der Gemeinde aus. „Dazu ist die Infrastruktur, wie Einkaufsmöglichkeiten, öffentlicher Personennahverkehr, Schulstandort und Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung zu entwickeln. Bauwillige junge Familien wollen wir unterstützen“, sagt Johannes Hummel.

KNACKPUNKT: Kritiker bemängeln Intransparenz bei den Plänen der Gemeinde, in der Wesenitzaue notwendigen Hochwasserschutz mit neuen Gewerbeflächen zu verbinden.
KNACKPUNKT: Kritiker bemängeln Intransparenz bei den Plänen der Gemeinde, in der Wesenitzaue notwendigen Hochwasserschutz mit neuen Gewerbeflächen zu verbinden. © Foto: Steffen Unger

Viele Weichen für eine familienfreundliche Entwicklung sind bereits gestellt: Mit der Innensanierung der Oberschule konnte sich Neukirch als Bildungsstandort behaupten und verfügt inzwischen sogar über zwei fünfte Klassen. Aktuell laufen die Arbeiten zur Sanierung der Turnhalle. Schon bald sollen auch die Nord- und Eingangsseite der Schulfassade saniert sein.

Das gefällt jungen Familien, deren Interesse an neuem Wohnraum ungebrochen ist. Einige Möglichkeiten für weitere Wohnbebauung im Ort hat der Gemeinderat bereits geschaffen. Bis zu 15 dreigeschossige Mehrfamilienhäuser sollen am Bönnigheimer Ring entstehen. In unmittelbarer Nachbarschaft wird das Wohngebiet am Schenkenweg erweitert. Platz ist hier für 14 bis 20 Eigenheime. Darüber hinaus beschloss der Gemeinderat die Erschließung des Wohngebiets An der Feuerwache. Hierbei hofft die Gemeinde auf eine Bauherrengemeinschaft für den Erwerb des 3 000 Quadratmeter großen Grundstücks.

Große Investitionen

An Neukirchs weiterer wirtschaftlicher Entwicklung wird der neue Gemeinderat sich messen lassen müssen. Der Erfolg der bisherigen Strategie, den Ort als Industriegemeinde zu etablieren, schlägt sich in harten Zahlen nieder: Die Zahl der Arbeitsplätze in Unternehmen am Bönnigheimer Ring und bei Trumpf Sachsen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. 

Allein zwischen 2015 und 2016 gab es einen beachtlichen Zuwachs von fast sieben Prozent. Der ging einher mit großen Investitionen: 12 Millionen Euro ließ sich Trumpf eine neue Maschinenhalle in der Leibingerstraße kosten. Käppler & Pausch, der zweitgrößte Arbeitgeber im Ort, geizte ebenfalls nicht mit Investitionen. Eine knappe Million Euro floss seit 2015 in die Modernisierung des Unternehmens. Für 4,5 Millionen Euro entsteht außerdem aktuell eine neue Farbgebungs- und Produktionshalle.

Wesenitzaue wird zur Bewährungsprobe

Neukirchs Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) führt die Erfolge der vergangenen Legislaturperiode auf die konstruktive Zusammenarbeit innerhalb des Gemeinderates zurück. Er wünscht sich, dass auch die neuen Gemeindevertreter eine „gute, streitsame“ Einheit bilden mögen. Messen lassen wird sich das am Fortgang der Planungen zum Bebauungsplan Wesenitzaue. Neben Maßnahmen zum Hochwasserschutz plant die Gemeinde dort die Erschließung eines weiteren Gewerbegebiets und eine zweite Zufahrtsstraße zum Firmensitz von Trumpf.

In Anbetracht der bisherigen Planungen sorgt sich die AfD um „die landschaftlichen Reize und dörfliche Lebensqualität“ und fordert eine Beschränkung des B-Plans auf Gewerbeflächen westlich der Wesenitz. Die Bündnisse Neukirch braucht Zukunft und Freie Wähler Neukirch reagierten nicht auf die SZ-Anfrage. 

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Die anderen Parteien und Bündnisse sehen in den Plänen zur Wesenitzaue vor allem eine Chance, die aber noch viel Redebedarf von der Umsetzung trennt. So verspricht die CDU, den Dialog mit den Bürgern fortzusetzen, „die verschiedenen Interessen werden zusammengeführt“. Die SPD sieht sogar Bedarf für einen Bürgerentscheid und erklärt: „Der Gemeinderat hat die Aufgabe, den Prozess kritisch zu begleiten und berechtigte Einwände sorgsam abzuwägen.“ Die GBN warnt davor, durch einseitige Betrachtung des B-Plans die Entwicklung im Ort zu dämpfen. „Konsens kann hier nicht erreicht werden, nur ein ausgewogener Kompromiss.“

35 Kandidaten stellen sich in Neukirch zur Wahl

CDU

1. Andreas Hultsch (1959), Diplom-Ingenieur Elektrotechnik

2. Karl Lehmann (1965), Töpfermeister

3. Hannelore Schubert (1947), Erzieherin

4. Falk Wippich (1970), Gebietsverkaufsleiter

5. Jens Schubert (1972), Servicetechniker

6. Katharina Zwieg (1987), Logopädin

7. Bernd Harig (1947), Diplom-Ingenieur Bau

8. Gerd Thomas (1949), Diplom-Lehrer

9. Andreas Opitz (1966), Kfz-Meister

10. Sarah Jensch (1983), Gesundheits-Dozentin

11. Steffen Wippich (1967), Verkaufsleiter

12. Sven Sutter (1975), Selbstständiger

13. Andreas Keller (1978), Apotheker

14. Andreas Gries (1962), Kraftfahrer

Gemeinschaft der Bürger Neukirchs

1. Ronny Wolf (1974),

Diplom-Ingenieur

2. Dr. Michael Thamm (1958), Wissenschaftler

3. Stefan Hofmann (1987), Ingenieur

4. André Schneider (1982), Tischler

5. Kristin Lähnert (1989), Angestellte

Neukirch braucht Zukunft

1. Edgar Lehmann (1970), Töpfermeister

2. Thomas Hensel(1976), Diplom-Ingenieur

3. Bert Thomas (1967), Elektromeister

4. Robert Wobst (1986), Zerspanungsmechaniker

5. Hans Lehmann (1989), Diplom-Ingenieur

Freie Wähler Neukirch

1. Eberhard Wolf (1951), Rentner/Elektriker

2. Sven Neumann (1977), Versicherungsmakler

SPD

1. Uwe Eckhardt (1966), Diplom-Lehrer

2. Bernhard W. Mühlisch (1972), Dipl.-Ingenieur

3. Ursula Mrosk-Fröde (1963), Rechtsanwältin

4. Jens Riedel (1964), Postangestellter

5. Jan Eckhardt (1989), Student

AfD

1. Dr. Johannes Hummel (1951), Rentner

2. Knuth Pietsch (1969), Architekt

3. Rosmarie Hummel (1953), Sachbearbeiterin

4. Reinhard Hirsch (1949), Rentner

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